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Im Umgang mit der AfD gibt es „keinen Königsweg“

Katholische Bischöfe geben Arbeitshilfe zum Populismus heraus.

 

 

Der Deutsche Evangelische Kirchentag hatte in diesem Jahr das Gespräch mit ihnen verweigert. Ein anderer prominenter Protestant, Alt-Bundespräsident Joachim Gauck, sagt: Nein, wir müssen mit den Menschen in der AfD reden, auch wenn wir ihre Einstellungen nicht teilen.

Jetzt haben die katholischen Bischöfe in Deutschland Stellung bezogen. Der Bischof von Trier, Stephan Ackermann, warnt: Beim Problem des Populismus sollte man nicht nur auf die AfD blicken. Die ständige Einengung auf die rechte Partei gebe ihr „eine Wertschätzung, von der ich glaube, dass sie nicht gut ist.“

Ackermanns Ansicht: Die Diskussion um den Ausschluss der AfD habe dem Kirchentag geschadet. Über viele andere wichtige Themen des Protestanten-Treffens sei in den meisten Medien gar nicht mehr berichtet worden.
 

Populismus auch innerhalb der katholischen Kirche

Die katholischen Bischöfe in Deutschland betrachten aber nicht nur den Umgang mit der AfD im evangelischen Lager mit Sorge. Stefan Heße, der Erzbischof von Hamburg, kehrt auch vor der eigenen Haustür: „Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass diese populistischen Tendenzen auch innerhalb unserer eigenen Kirche bestehen. Wir wollen nicht nur auf Andere zeigen.“

Der stellvertretende Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Franz-Josef Bode sieht eine gefährliche Tendenz. Er beobachtet Menschen innerhalb seiner Gemeinden, die „den Verlust der christlichen Identität instrumentalisieren, um sich gegen Muslime und Andersdenkende zu wenden.“ Daher sei es wichtig, diesen diffusen Populismus wahrzunehmen und ins Gespräch zu kommen. „Das wird nicht immer einfach sein.“
 

Für ein Klima des Respekts und Mitgefühls

Dennoch haben die deutschen katholischen Bischöfe einen Leitfaden für den Umgang mit Populismus herausgegeben. Ihre Devise: Christen sollten Sorgen und Ängste erst einmal ernst nehmen. Denn nur wer sich ernstgenommen fühle, lasse sich auch mit sachlichen Argumenten erreichen und könne immun werden gegen populistische Parolen. Bode betont, seine Kirche müsse für ein Klima des Respekts und Mitgefühls eintreten, denn Christen hätten sich an Jesus Christus auszurichten. Bei ihm seien weder Fremdenhass noch Ausgrenzung zu finden gewesen. Seine Botschaft in der Bergpredigt sei gewesen, „Menschen nicht zu richten und zu verurteilen.“

Bleibt nochmal die Gretchenfrage: Katholische Kirche, wie hältst du’s mit der AfD? Soll man nun mit ihren Vertretern diskutieren, um sie nicht in die Opferrolle abzuschieben? Oder bietet man ihnen auf diese Weise ein Podium für menschenverachtende Statements und lässt es also besser sein? Bischof Stephan Ackermann gibt sich nüchtern. Man werde aus dem Dilemma nicht herauskommen und müsse abwägen. „Da gibt es keinen einfachen Königsweg.“


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Kommentare

Von Jörg am .

Kirchenfunktionäre, vor allem die evangelischen durchweg mit gleicher Parteimitgliedschaft, sind nicht nur immun gegen das, was sie Populismus nennen. Sie haben auch sonst ein gutes Immunsystem. Sie sind vor allem immun gegen Fakten. Sie sind auch immun gegen zu viel Rückrat. Nicht immun dagegen sind sie gegen Totalitarismus, gegen Nationalismus auf höherer geografischer Ebene (Euro-Nationalismus). Nicht immun sind sie gegen Anbiederungsdrang und Opportunismus. Dass der AFD eine Nähe zum mehr


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