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© Persnickety Prints / unsplash.com

12.05.2021 / Internationaler Bericht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Ingrid Heinzelmaier

Im Auge der Pandemie

Birgit Ufermann arbeitet für Globe Mission in Nordperu und begleitet Menschen im Corona-Notstand.


Beim Ausbruch der Coronapandemie blieb die Deutsche Birgit Ufermann freiwillig in den peruanischen Anden in Cajamarca, obwohl sie zurück nach Deutschland gekonnt hätte. Heute nach mehr als einem Jahr „Lockdown in Peru“ ist sie überzeugt: Diese Entscheidung war richtig. Für sie selbst und auch für die christliche Gemeinde in der Stadt Cajamarca, wo sie arbeitet. Die Regionalhauptstadt liegt in der Nähe des Äquators auf 2.750 Meter Höhe und ist mit ihrem historischen Erbe ein touristischer Anziehungspunkt.

 

Zwei Masken und ein Gesichtsvisier

Birgit Ufermann (Foto: privat)
Birgit Ufermann (Foto: privat)

Das Coronajahr hat Birgit Ufermann meist allein in ihrer Wohnung verbracht – ohne fröhliche Gäste bei einem gemeinsamen Essen oder selbst Besuche zu machen. Nur für notwendige Einkäufe verlässt sich die Wohnung. Geschützt durch zwei Masken und ein Gesichtsvisier.

Aber die Nähe und Herzlichkeit ihrer peruanischen Freunde hat sie dennoch erlebt – durch Besuche an der Tür oder im Hof. Telefonate und Videogespräche haben virtuelle Umarmungen und gemeinsames Lachen ermöglicht. Sogar mit einem musikalischen Geburtstagsständchen im Hof haben Freunde sie überrascht.
 

Wachsende Zugriffszahlen und neue digitale Angebote

Birgit Ufermann hat engagiert dazu beigetragen, ihre 370 Mitglieder starke Gemeinde von Präsenz auf virtuell umzustellen. Die Zugriffszahlen auf die Online-Gottesdienste und die Gemeindewebseite sind dabei durch die Decke gegangen. Tausende Menschen haben die Gottesdienste und Andachten des Centro Biblico Cajamarca übers Netz mitverfolgt, viele von ihnen aus anderen Regionen des Landes und sogar aus anderen Ländern.

Mittlerweile bietet die Gemeinde zusätzlich Kurse und Schulungen für Interessierte an. Sogar im Lokalradio sind die Gottesdienste zu hören und erreichen so auch die ländliche Umgebung, wo der Internetempfang schlechter ist.

Außerdem leitet die ausgebildete Physiotherapeutin von ihrem Wohnzimmer aus per Video mehrere Frauensportgruppen. Es gibt es einen internationalen Sporttreff, bei dem Frauen aus anderen Teilen der Welt mitmachen. Und auch die gut frequentierten gemeinsamen Gebetszeiten werden „handymobil“ besucht.
 

Tag für Tag steigen die Infektionen

Peru stand monatelang weltweit als Spitzenreiter auf der traurigen Liste, die die Zahl der Pandemietoten im Vergleich zur Bevölkerung benennt. Fast jeden Tag kommen bei Birgit neue Infektionsmeldungen aus ihrer Gemeinde und ihrem Bekanntenkreis an.
 

Morgenhimmel in Cajamarca (Foto: privat)
Der Morgenhimmel in Cajamarca – Ausblick von Birgits Balkon (Foto: privat)

Die Krankenhäuser im Land sind seit Monaten völlig überlastet. So sterben viele Menschen zu Hause und stecken dabei wieder andere an. Birgit Ufermann und das Pastorenteam sind Tag für Tag im Einsatz als Ermutiger. Sie beten über Handy, manchmal auch mit Menschen, denen Ärzte keine Chance mehr geben. Dabei erleben sie auch wunderbare Heilungen und begleiten diejenigen, die wieder gesund geworden sind. Das Phänomen Long-Covid ist in Peru weit verbreitet.

Birgit Ufermann und das Pastorenteam sind Tag für Tag im Einsatz als Ermutiger. Sie beten über Handy, manchmal auch mit Menschen, denen Ärzte keine Chance mehr geben.

 

In der Not mit Gott auf Du

Übers Handy kommt Birgit Ufermann mit ihrem Team auch an die Betten der Sterbenden. Menschen erleben ganz am Ende ihres Lebens Gottes Frieden. Wieder neu oder zum ersten Mal. Auch für Angehörige ist es ein Trost, wenn sie erfahren, wie Jesus beladenen Menschen ihre Last abnimmt. Immer wieder heißt es: „Ich wusste gar nicht, dass man so persönlich mit Gott reden kann!“
 

Mein Platz an der Sonne (Foto: privat)
Ein Platz an der Sonne auf dem kleinen Balkon (Foto: privat)

Die Pandemiesituation erlaubt keine großen Abschiede und auch keine Trauerfeiern. Der Bruder einer Freundin ist Polizist gewesen. Birgit steht wie viele andere still auf ihrem Balkon und trauert, als sein Sarg im Auto vorbeigefahren wird.

Oft fällt es ihr schwer, die richtigen Worte in diesen herausfordernden Alltagsbegegnungen zu finden. Aber im Telefongespräch mit Kranken und Angehörigen erzählt sie von den Versprechen der Bibel und hält mit Betroffenen Schmerz und Trauer aus.  

Viele Bewohner Cajamarcas haben in der Pandemie ihre Jobs verloren. Wer auf Arbeitssuche die Wohnung verlässt, bringt sich wieder neu in Gefahr. Birgit Ufermann ist deswegen sehr dankbar, wenigstens einigen auch materiell helfen zu können in dieser Notlage. Durch die Solidarität von Bekannten aus Deutschland und Peru kann sich die Gemeinde um etwa siebzig arme Familien kümmern. Monatlich gibt es für sie ein Lebensmittelpaket mit dem Nötigsten.
 

Ostern im Lockdown

In allem bleibt der Wunsch, gerne näher dran sein zu wollen an den Menschen. Und die Hilflosigkeit, es nicht tun zu können. Dabei erlebt Birgit Gottes Nähe in ihrer Lockdownsituation. Die Bibelstelle Hebräer 4,15 hat sie hier besonders begleitet: Sie beschreibt Jesus als mitfühlenden und mitleidenden Gott. Seine Empathie will Birgit in Peru teilen. Dafür brennt ihr Herz.
 

Transparent Ostersonntag (Foto: pivat)
Transparent Ostersonntag (Foto: pivat)

So hat sie am Ostersonntag ein Plakat gemalt und an ihren Balkon gehängt. Von der Straße her kann es jeder gut lesen: „Jesucristo ha resucitado“ – „Jesus Christus ist auferstanden“ prangt da in bunten Buchstaben. Birgit hofft und betet für Vorübergehende und auch die Nachbarn von gegenüber. Da wohnt eine Familie mit mehreren Kranken. Sie sollen diese frohe Botschaft in ihrer Not nicht aus den Augen verlieren.

Von der Straße her kann jeder das Osterplakat gut lesen: „Jesucristo ha resucitado“ – „Jesus Christus ist auferstanden“ prangt da in bunten Buchstaben.

 

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 Ingrid Heinzelmaier

Ingrid Heinzelmaier

  |  Redakteurin
Eine Leidenschaft von Ingrid Heinzelmaier ist einfangen, was Gott rund um den Globus tut: Lebensgeschichten aus allen Kontinenten für „Jerusalem, Samarien und die Welt“ und „Glaube – global“. Außerdem will sie als Redakteurin und Moderatorin mit der Gebetsmotivationsreihe „Beten bringt’s“ anderen Mut machen für ihr persönliches Leben mit Gott.

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