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Gefahr oder Bereicherung?

Passt der Islam zu Deutschland? Das Forum Islam debattiert.

Im Gang zum Konferenzraum hallte mir schon ein fröhliches „Salam Aleikum“ entgegen. Auf einem Tisch vor der Eingangstür lagen Bücher mit arabischen Schriftzeichen und drinnen an meinem Platz hörte ich, wie die Anwesenden sich scherzend Sätze in ausländischer Sprache zuwerfen. Dabei sahen viele von ihnen ziemlich „deutsch“ aus. Und ich war weder im Orient noch in Berlin-Neukölln, sondern im beschaulichen Wetzlar. Hier tagte Mittwoch vor einer Woche das jährlich stattfindende „Forum Islam“.

Spitzenvertreter von verschiedenen Missionswerken waren angereist, um zu beraten, inwiefern der Islam unsere Gesellschaft verändert, wie er in unsere Demokratie passt und wie Christen mit dem Islam umgehen können. Dr. Friedmann Eißler von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen stellte in seinem Referat etwas besorgt fest: „Politisch gibt es in Europa eine deutliche Verschiebung nach rechts.“ Auch in Deutschland gebe es mit Pegida ein „Sammelbecken für Frust und Ablehnung des Fremden“. Für Eißler kann dies nicht die richtige Antwort sein. Allerdings sei die Entstehung einer solchen Bewegung ein Warnsignal für reale Probleme, die Flucht und Zuwanderung mit sich bringen.

Muslimische Verbände in Deutschland engagieren sich zum Beispiel viel zu zaghaft gegen die auch in Deutschland fortschreitende Radikalisierung des Islam. Auch trauen sich nur wenige Politiker, diese Problematik offen anzusprechen. Viele sehen betreten weg, aus Angst, als Fremdenfeind beschimpft zu werden. Allerdings sollten Christen auch nicht der Versuchung erliegen, den Islam in Bausch und Bogen zu verdammen. „Als Christen sollten wir differenzieren und mit unserer Kritik sehr sorgfältig sein“, rät Dr. Friedmann Eißler.
 

Orientalische Kultur gab es schon vor dem Islam

Natürlich haben die Menschen, die aus dem Nahen Osten zu uns kommen, eine ganz andere Prägung und andere Wertvorstellungen. So wurde festgestellt, dass kulturelle Unterschiede nicht immer etwas mit dem Islam als Religion zu tun haben müssten. Die Kultur in der orientalischen Welt unterscheidet sich grundlegend von der europäischen Kultur. Diese Unterschiede existieren unabhängig von der Religion und reichen geschichtlich teils weiter zurück als der Islam selbst. Zu diesen kulturbedingten Unterschieden zählen unter anderem Clan-Strukturen und die Bedeutung von Zugehörigkeit und Loyalität.

In Deutschland wachsen aber viele Muslime mit einer neuen Art zu leben auf, die individualistisch und westlich geprägt ist. Ihre Kultur könne sich dadurch verändern. Uwe Heimowski, Beauftragter der Evangelischen Allianz am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung nahm den Gedanken auf und bemerkte, Muslime könnten auch positive Werte in den Westen einbringen, etwa die Wertschätzung in der Familie. Denn übertriebener Individualismus sei sicherlich „auch nicht das Gelbe von Ei“.

Eißler drang darauf, dass unsere Gesellschaft Wege finden müsse, den Islam als Religion zu integrieren. Eine andere Möglichkeit gebe es schließlich nicht. „Es muss möglich sein, den Islam mit unseren westlichen Werten zu vereinbaren“, sagte er. Hoffnung setzt er in neuere Reformansätze, die verschiedene islamische Geistliche seit langer Zeit äußern. Seit einigen Jahren bieten deutsche Unis auch Ausbildungen in „islamischen Studien“ an, um den Islam im Kontext der universitären Wissenschaft zu fördern.

Inwieweit das Konzept Erfolg haben kann, muss sich noch zeigen. Bei der Forderung nach Reformierung mahnte Dr. Carsten Polanz, Islamwissenschaftler an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, außerdem zur Vorsicht. Ein muslimisches Pendant zur Reformation Luthers habe es längst gegeben. Man spricht von der sogenannten Salafiya, der Rückbesinnung auf die Wurzeln des Islam. Folge sei die Gründung der Muslimbruderschaft und das Aufkommen des Salafismus: „Solange Mohammed nicht kritisch hinterfragt werden darf, ist es unmöglich, Islam und Demokratie zu versöhnen“, ist Polanz überzeugt.
 

Viele Muslime werden Christen – in Deutschland und weltweit

Beim Mittagessen erzählte mir Amir Paryari, ein Iraner, der seit 14 Jahren in Deutschland lebt: „Vor zwei Jahren haben wir mit einer Hand voll Leuten eine Gemeinde in Mainz gegründet.“ Heute zählt diese Gemeinde schon über 80 Mitglieder. Zum größten Teil sind es Iraner, aber auch einige Afghanen. Tatsächlich bringen Flüchtlinge ihre Religion nicht nur mit nach Deutschland. Viele werden hier auch Christen. Ein Beispiel: Vor 20 Jahren sprach man von etwa 100 christlichen Afghanen weltweit. Heute gibt es allein in Deutschland mehrere hundert Gläubige. Deutschland ist das Land mit der drittgrößten afghanischen Diaspora nach Pakistan und dem Iran. Nur hier können sie in Freiheit die Bibel lesen. Und dank dem Königsteiner-Schlüssel, einer Art Verteilungs-Formel, werden sie in ganz Deutschland über das flache Land verstreut. So entkommen sie auch hierzulande dem Druck durch muslimische Gruppen.

Vielen von ihnen droht in nächster Zeit jedoch die Abschiebung. Hubert Keil vom Forum Wiedenest erinnerte deswegen daran, dass die Zeit knapp ist. Zusammen mit anderen Teilnehmern rief er dazu auf, alles daranzusetzen, möglichst viele afghanische Christen in multiplikativen Gemeindegründungsansätzen wie dem Entdeckerbibelstudium zu schulen, damit sie dieses Wissen in ihr Heimatland mitnehmen können. Übrigens wächst auch die Zahl der Christen in Afghanistan selbst. Dr. Toni Grosshauser war vor Ort und berichtete dem Forum von Menschen, die durch Träume und Visionen zu Jesus finden. Und nicht nur dort, auch andere islamische Länder sind in Bewegung. Matthias Schwab, Projektleiter Naher Osten von Hilfe für Mensch und Kirche, erzählte von den neusten Entwicklungen. Besonders beeindruckend fand er, dass sich beim christlichen Fernsehsender Al Hayat TV immer mehr Saudis als Christen outen, ohne Furcht und unter Angabe ihres kompletten Namens. Nun plant der Sender sogar eine Kooperation mit ProChrist, um mit deutschem Know-How noch mehr Menschen zu erreichen. 

Unter ERF GlobalHope finden Sie nähere Informationen zu den Angeboten von ERF Medien und seinen Partnern.

Die Medien sind ein wichtiger Kanal, um Muslimen die christliche Botschaft zu bringen. Auch ERF Medien stellt hier wertvolle Ressourcen zur Verfügung. Unter anderem gibt es die Welcome App – speziell entwickelt für Menschen mit muslimisch geprägtem Hintergrund. Darin erklärt der Theologe Dr. Roland Werner in Videoclips die Grundlagen des Christentums. Erhältlich ist die kostenlose App sowie ein passendes Buch dazu in fünf verschiedenen Sprachen. Außerdem bietet die Internetseite BibleServer Bibelübersetzungen in 20 verschiedenen Sprachen. Interessierte können dort bis zu fünf Übersetzungen parallel lesen und vergleichen, was die mehrsprachige Nutzung erleichtert.

Alles in allem sind die Entwicklungen in der muslimischen Welt sehr mutmachend. Ulrich Neuenhausen, Organisator der Konferenz bilanziert deshalb: „Ich empfinde es als ein Privileg in dieser spannenden Zeit zu leben. Es gibt Aufbruchstimmung. In der muslimischen Welt ist endlich die Zeit der Ernte gekommen. Lasst uns Gott bitten, dass er mehr Arbeiter schickt, um sie einzuholen.“


Kommentare

Von Eine Deutsche am .

Naja, man kann hoffen und beten und die Augen vor der Realität verschließen, wer sie öffnet stellt fest, dass der Islam überall eine Bedrohung ist, ob man das nun hören will oder nicht. Wenn Humanität und Toleranz beim eigenen Volk aufhört, stimmt irgendwas nicht.

Von Dieter M. am .

Großartig, was unser Herr hier tut.
Danke für die Infos.


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