Kommentar Lesezeit: ~ 2 min

Einheit ist Chefsache – auch in Corona-Zeiten!

Kommentar zu Streit in christlichen Gemeinden um die Corona-Krise.

 

 

Menschen reden nicht mehr miteinander. Es herrscht eine aggressive Stimmung. Zwei Parteien werfen sich gegenseitig Verblendung, Realitätsverlust oder mangelnde Sensibilität vor. Nein, ich rede nicht von den Protesten der sogenannten Corona-Leugner am zurückliegenden Mittwoch in Berlin. Obwohl all das auch auf sie zutrifft.

Ich rede von einer vergifteten Atmosphäre unter Christen – mitten in den Gemeinden. Gute verheißungsvolle Projekte, ja sogar Freundschaften scheitern, weil man dem anderen Verantwortungslosigkeit in der Pandemie-Krise vorwirft – in der einen wie in der anderen Richtung: Der eine bleibt am liebsten zu Hause und setzt ganz auf den Sonntagsgottesdienst per Video-Livestream. Der andere kostet die Freiheiten, die unser Grundgesetz den religiösen Gemeinschaften zubilligt, bis auf den letzten Millimeter aus und quetsch sich buchstäblich auf den letzten freien Platz in der Veranstaltung.

Beide kommen nicht mehr zusammen – innerlich! Und das ist vielleicht sogar das viel größere Dilemma als die Pandemie an sich. Was wir brauchen, egal ob Christ oder nicht, bezeichnet die Psychologie als Resilienz. Wir brauchen die Fähigkeit, in der Krise standzuhalten, gute Lebensregeln nicht über Bord zu werfen.
 

„Überwindung“ ist gefordert

Eigentlich sollten Christen dafür gute Voraussetzungen haben. Die Bibel fordert die Nachfolger von Jesus Christus mehrfach dazu heraus, schwierige Situationen zu „überwinden“. Nicht aus eigener Kraft, sondern in der Gewissheit, dass es da den Gott gibt, der uns hilft, den anderen, so wie er ist, anzunehmen.

Einheit in der Christenheit ist ein brüchiges Gut. Das gilt, so lange es Christen überhaupt gibt. Corona ist aktuell eine neue Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Dabei sollte klar sein: Der Feind ist nicht der, der zwei Sitze weiter im Kirchenraum sitzt oder per Videokonferenz teilnimmt. Der Feind ist das Virus selbst. Schaffen wir es, den anderen mit seinen Folgerungen aus der Krise zu akzeptieren? Schaffen wir es, die Haltung zu den Hygiene- und Abstandsregeln nicht zur Glaubensfrage zu erheben?
 

Vorbild werden

Einheit unter Christen ist wichtig. Sie ist Chefsache. Jesus Christus hat selbst zu seinen Zeiten darum im Gebet gerungen. Einheit heißt aber nicht, dass der andere so werden muss wie ich. Gott hat uns unterschiedlich geschaffen. Und daraus entspringt auch ein unterschiedlicher Umgang mit Herausforderungen und Krisen, wie wir sie jetzt gerade erleben. Wir kommen nicht darum herum, den anderen so anzunehmen, wie er ist. Als Christen haben wir die Ressourcen dazu – und können im besten Fall ein Vorbild werden, wie wir die Corona-Krise auch zwischenmenschlich bewältigen können – nämlich gemeinsam und rücksichtsvoll!



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Kommentare

Von Ingrid H. am .

Prima

Von Fred V. am .

Ein sehr guter Text, der mit wenigen Worten das Dilemma in den Gemeinden beschreibt.

Von S.Peter am .

Was ist mit den Christen welche schon im März erkannt haben, dass Corona nicht ein Killervirus sondern von der Lethalität her wie Influenza. Was ist mit all denen die sich für natürliche Immunisierung einsetzen wollen und dementsprechend logischerweise gege generelle Maskenpflichten sind. Die bereits jetzt sehen, dass wenn sich auch schon nur 10% der Menschen Impfen lassen werden mit einem Impfstoff der in einem Jahr durchgepeitscht wurde währen man rationell mindestens 20 -40 Jahre mit mehr

Von Magdalena M. am .

Ich finde den Kommentar sehr gut!
Und ich glaube unser aller gemeinsamer Herr stimmt es traurig, wenn durch dieses Virus Streit
und Uneinigkeit Einzug hält, wo man sich davor noch vorbehaltlos begegnet ist.
Ich habe folgendes Bibelwort gelesen (aus welcher Übersetzung weiß ich leider nicht):
"Nennt nicht alles Verschwörung, was das Volk dafür hält und habt keine Angst vor dem, was ihm Angst macht. Lasst euch von dem, was es fürchtet nicht beeindrucken. Erachtet nichts außer dem Herrn, dem mehr

Von Gast am .

Die vergiftete Atmosphäre in den Kirchen (ich bezeichne es lieber als "Lauheit") existierte schon vor Corona. Das Problem ist das Christen sich nicht mehr nach der Bibel richten (den Geist unterdrücken) und fremde Lehren hinzugefügt haben. Zumindest kommt es mir so vor.

Von Peter B. am .

Guten Tag Herr Jeske,
danke für diesen wertvollen Impuls.
Die Menschen, die gegen die Corona Maßnahmen der Regierung auf die Straßen der Republik gehen als "Coronaleugner" zu bezeichnen ist jedoch weder gemeinsam verbindend noch rücksichtsvoll. Mit wie vielen dieser Menschen haben Sie gesprochen um diese so qualifizieren zu können?
Freundliche Grüße
Peter B.

Von Ulrike B. am .

Es gibt noch einen weiteren Aspekt. Bei den Präsenzgottesdiensten herrscht in meiner Gemeinde eine so starke Anspannung, sodas das Gefühl der Nähe nicht mehr aufkommt. Es wird kaum noch miteinander gesprochen - nur noch das nötigste. Man sitzt mit viel Platz auf Distanz und geht nach dem gemeinsamen Gottesdienst womöglich, ohne ein Wort gesprochen, geschweige denn gesungen zu haben.
(Ich empfehle einen Beitrag auf WDR 5 Radio zum Homo Hygienikus.)


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