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Obwohl Christsein nicht verboten ist, werden Christen in Turkmenistan wegen ihres Glaubens bedrängt.

 

 

„Ein echter Turkmene ist Muslim!“ Diese Überzeugung ist fest in den Köpfen turkmenischer Menschen verankert. Die religiöse Zugehörigkeit entscheidet sich für sie nicht nach der eigenen Überzeugung, sondern nach der nationalen Zugehörigkeit. Gleichzeitig gilt in dem abgeschotteten Land am Kaspischen Meer offiziell Religionsfreiheit.

Doch die steht auf wackligen Füßen. Denn nur registrierte religiöse Gemeinschaften dürfen sich treffen – und dazu braucht es mehr als 50 Mitglieder. Diese zusammenzubekommen, ist für christliche Gemeinden eine Herausforderung. Schätzungen zufolge machen Christen in Turkmenistan nur etwa 1 Prozent der Bevölkerung aus, die Zahl der registrierten Kirchen schwankt zwischen 15 und 25.

Diesen Gemeinden gehören mit einer überwältigenden Mehrheit Christen russischer oder slawischer Herkunft an, circa die Hälfte der registrierten Gemeinden sind Russisch-Orthodoxe Kirchen. Turkmenische Christen gibt es dagegen nur extrem wenige.
 

Turkmenistan liegt in Zentralasien und grenzt im Norden an Kasachstan und Usbekistan und im Süden an den Iran und Afghanistan. Obwohl Turkmenistan reich an Schwefel, Erdöl und Erdgas ist, ist die wirtschaftliche Situation schwierig. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors steht Turkmenistan auf Platz 22. Turkmenistan steht in der Kritik, auch andere Menschenrechte wie etwa die Pressefreiheit zu verletzen. Gegenüber dem Westen ist Turkmenistan sehr verschlossen.

Damit gibt es in Turkmenistan kaum Orte, an denen Christen sich legal zu Gottesdiensten versammeln können. Das ist auch so gewollt – vom Staat und von der religiösen Elite des Landes. Diese vertritt nahezu durchweg eine radikale Form des sunnitischen Islams.

Dass ein Turkmene Christ wird, ist nicht nur nicht vorgesehen, es muss sogar verhindert werden. Von staatlicher Seite werden die bürokratischen Hürden für die Registrierung christlicher Gemeinden deshalb bewusst völlig überhöht angesetzt, so dass die Registrierung einer neuen Gemeinde faktisch unmöglich ist.

Dies geht soweit, dass Bescheinigungen, die Christen für die Registrierung benötigen, zum Beispiel Mietverträge, Brandschutznachweise etc., ihnen schlicht nicht ausgestellt werden. Ohne diese Dokumente bleibt ihnen eine offizielle Registrierung versagt. Auch von Seiten muslimischer Geistlicher wird massiver sozialer Druck ausgeübt, auf die Christen selbst, aber auch auf ihre Verwandte.
 

Sippenhaft für die ganze Verwandtschaft

Ein Beispiel veranschaulicht, wie dies aussehen kann: Ein Pastor aus Turkmenistan wurde von Muslimen aus seinem Umfeld bedroht. Sie wollten, dass er dem Christentum den Rücken kehrt. Doch das tat er nicht. Weil sie den Pastor nicht zwingen konnten, seinem Glauben abzuschwören, besuchten sie alle seine Verwandten und setzten diese systematisch unter Druck. Einige von ihnen verloren ihren Job, obwohl sie selbst Muslime waren. Sie verloren ihn aus einem einzigen Grund: Weil ihr Verwandter Christ war. Man nahm so quasi die ganze Verwandtschaft des Mannes in Sippenhaft. Alle litten unter seiner Entscheidung für Jesus.

Immer wieder fragten die Verwandten des Pastors, warum ihnen dies widerfahre. Und immer war die Antwort, die sie bekamen, dieselbe: „Ihr Verwandter ist schuld an allem, denn er hat den Islam aufgegeben und den Glauben unserer Väter und Großväter verraten.“ Nach und nach wurde der Pastor so von allen seinen Verwandten geächtet.

Die Antwort war immer dieselbe: „Ihr Verwandter ist schuld an allem, denn er hat den Islam aufgegeben und den Glauben unserer Väter und Großväter verraten.“ Nach und nach wurde der Pastor so von allen seinen Verwandten geächtet.

 

Er galt nun bei allen als „Kafir", als ein Verräter des Glaubens. Wer weiterhin zu ihm Kontakt hielt, wurde selbst wie ein Ausgestoßener behandelt. Nun steht dieser Pastor in seinem Dorf und seiner Verwandtschaft ganz allein da. Ihm bleibt nur noch die Gemeinschaft mit seiner Gemeinde, aber die kleine Gruppe von Christen hält fest zusammen und ermutigt einander.

 

Taxi beschlagnahmt wegen christlicher CDs

Diese Geschichte zeigt, wie groß der gesellschaftliche Druck ist, der auf Christen in Turkmenistan ausgeübt wird. Diese Form, indirekt Druck auf Christen auszuüben, findet sich auch beim staatlichen Umgang mit den Christen im Land. So ist es etwa erlaubt, sein Christsein für sich zu leben, aber schon wer einem anderen Turkmenen von Jesus erzählt, macht sich strafbar, sobald dieser auch Jesus nachfolgen will. Ein Glaubenswechsel ist weder im Koran noch in der turkmenischen Verfassung vorgesehen.

Die Geschichte eines christlichen Taxifahrers zeigt, was man alles unternimmt, um Christen daran zu hindern, anderen von ihrem Glauben zu erzählen. Dieser Taxifahrer nutzte seinen Beruf, um anderen Menschen von Jesus zu erzählen. Er schenkte seinen Fahrgästen CDs und DVDs mit christlichen Inhalten.

Eines Tages jedoch bekam er einen Anruf von der Verkehrspolizei, dass es einen tödlichen Unfall mit seinem Wagen gegeben habe. Als der Taxifahrer zur Polizei kam, um dies aufzuklären, wurde sein Taxi sofort beschlagnahmt. Denn – so die Begründung – er hatte es widerrechtlich benutzt, um christliche Filme und andere christliche Medien zu verteilen.

Etwa zur gleichen Zeit riss ein Traktor die Zäune zu seinem Grundstück und einige Nebengebäude nieder. Auf sein verzweifeltes Nachfragen teilte man dem Taxifahrer nur mit, dass sein Grundstück und die Gebäude darauf nicht zum Erscheinungsbild der Straße passen. Neben der Beschlagnahmung und Zerstörung seines Eigentums musste dieser mutige Christ zusätzlich noch eine ordentliche Geldstrafe zahlen. Sein Fahrzeug hat er nicht zurückbekommen, schließlich war es ein wichtiger Beweis in der Anklage gegen ihn.
 

Christliches Radio gibt neue Hoffnung

Wer solch eine Erfahrung einmal gemacht hat, wird vorsichtig. Viele Christen in Turkmenistan trauen sich daher nicht, ihren Glauben mit anderen zu teilen. Denn sie wissen, wenn sie sich offen zu Jesus bekennen, wird das Folgen haben – und zwar nicht nur für sie, sondern auch für ihre Kinder, Eltern, Freunde, ja, ihre ganze Großfamilie. Offiziell wird zwar kein Christ in Turkmenistan wegen seines Glaubens verhaftet oder verurteilt, aber eine Verhaftung ist damit noch lange nicht ausgeschlossen.

Wo Christen dem Staat lästig werden, werden einfach andere Straftatbestände fingiert. Und wo christliche Gemeinden stören, erhalten sie wegen angeblicher baulicher Mängel schlicht keine Registrierung. Auf dem Papier bleibt so die Religionsfreiheit gewahrt, in Wirklichkeit wird die Religionsfreiheit aber massiv verletzt. Diese Willkür macht die Situation für viele Christen unberechenbar.

Offiziell wird zwar kein Christ in Turkmenistan wegen seines Glaubens verhaftet oder verurteilt, aber eine Verhaftung ist damit noch lange nicht ausgeschlossen. Wo Christen dem Staat lästig werden, werden einfach andere Straftatbestände fingiert.

 

Die meisten turkmenischen Christen versammeln sich daher in kleinen Hausgemeinden. Diese umfassen meist höchstens drei oder vier Familien. Denn die Angst verraten zu werden, ist hoch. Für diese Hausgemeinden, die selten einen Pastor haben, sind christliche Medien von besonderer Bedeutung. Sie sind für sie oft die einzige Möglichkeit, im Glauben zu wachsen. Denn es gibt im ganzen Land keine einzige Bibelschule und kein theologisches Seminar.

Doch wie kommen die turkmenischen Christen an solch hilfreiches Material? Schließlich gibt es im Land auch keinen einzigen christlichen Buchladen, in dem sie sich eine Bibel oder andere christliche Literatur kaufen könnten. Um diese Dinge zu kaufen oder sich anderweitig im Glauben weiterzubilden, müssten sie ins Ausland reisen. Das jedoch ist etwas, was für viele von ihnen faktisch unmöglich ist.
 

Zusammen mit TWR hat ERF Medien vor circa 20 Jahren die christliche Radioarbeit in Zentralasien aufgebaut. Seitdem ist die Zahl der Christen in der Region stark gewachsen. Erfahren Sie mehr über unsere Medienprojekte in Zentralasien. Ihre Spende ermöglicht es uns, weiter in das Glaubenswachstum der Christen in Zentralasien zu investieren.

Doch ein christliches Medium kommt bei den Christen in Turkmenistan an und das sind die christlichen Radioprogramme von TWR. Über einen starken Mittelwellensender wird auch dieses verschlossene Land mit der Botschaft Jesu erreicht. Viele der christlichen Programme von TWR sind Bibelprogramme, aber es gibt auch spezielle Sendungen für Jugendliche und Frauen.

Eine Sendung, die übersetzt „Das christliche Heim“ heißt, richtet sich gezielt an Familien und hilft jungen turkmenischen Christen, ihren Glauben auch im familiären Alltag umzusetzen. Neben der Ausstrahlung über das Radio können die Sendungen auch per Internet und App angehört werden. Ein Ziel ist, die christlichen Programme bald zusätzlich auch auf SD-Speicherkarten zur Verfügung stellen zu können.
 

Gebet versetzt Berge und christenfeindliche Beamte

Wenn man turkmenische Christen fragt, wie man sich für sie einsetzen kann, kommt immer wieder eine Antwort: Gebet. Gebet kennt nämlich wie Radiowellen keine Grenzen. Es steht uns immer und überall zur Verfügung. Sehr oft haben turkmenische Christen schon ganz praktisch die Macht des Gebetes erlebt. Schon manches Mal kam es vor, dass staatliche Entscheidungsträger, die einer christlichen Gruppe besonders feindselig gegenüberstanden, plötzlich entlassen oder an eine andere Stelle versetzt wurden.

Gebet kennt wie Radiowellen keine Grenzen. Es steht uns immer und überall zur Verfügung. Sehr oft haben turkmenische Christen schon ganz praktisch die Macht des Gebetes erlebt.

 

Das geschah auch Mirkan*, einem Pastor aus Turkmenistan. Einmal suchte er zusammen mit einem anderen Pastor den stellvertretenden Minister und Hauptansprechpartner für religiöse Belange auf. Bei diesem Gespräch wurde der Beamte ausfällig, warf die beiden Pastoren hinaus und schrie sie an: „Kommt nie wieder zu mir. Mit euch rede ich nie wieder!“

Mirkan und der andere Pastor waren besorgt. Sie spürten, dass dieser Mann sie hasste und er es war, der ihnen und ihren Gemeinden immer wieder bürokratische Knüppel zwischen die Beine geworfen hatte. Sie vermuteten, dass er seine Stellung ihnen gegenüber ausnutzte, um seine persönliche Abneigung gegenüber Christen auszuleben. Aber sie konnten nichts tun. Sie waren schockiert, dass er in solchem Ton mit ihnen gesprochen hatte. Immer wieder stellten sie sich in den kommenden Tagen die Frage: „Wie gehen wir nun mit dieser Behörde um?“

Einige Zeit später erfuhr Mirkan aus der Zeitung, dass genau dieser Beamter seine Stelle verloren hatte. Ein anderer Beamter übernahm seine Position und der Druck auf die Gemeinde nahm ab. Dieses Beispiel zeigt, dass Gott auch in einem Land wie Turkmenistan wirkt und die Christen dort schützt. Dafür, dass er dies weiterhin tut, können und sollten wir beten.
 

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