Zukunft der Gesellschaft Lesezeit: ~ 2 min

Der Ruf nach dem "Homo Empathicus"

Buch des Theologen Alexander Görlach in Berlin vorgestellt.

 

 

Wohin driftet unsere Welt, in der Fakenews und Hassbotschaften im Internet auf mehr Interesse stoßen als gut recherchierte Fakten? Und was ist eigentlich schuld daran, dass es so gekommen ist?

Fragen, die der Theologe und Linguist Alexander Görlach in seinem Buch „Homo Empathicus“ behandelt. Eine wichtige Ursache sieht Görlach in der Bankenkrise 2008. Während der kleine Häuslebauer vor dem Nichts stand, wurden die Bankmanager nicht bestraft. Die empfundene Ungerechtigkeit, das scheinbare Ausgeliefert-Sein an „die da oben“ bilde den Nährboden für Abgrenzungstendenzen und einfache, wenn auch oft falsche Antworten.
 

Kommunikation ist „kommerziell gesteuert“

Bei der Buchvorstellung von „Homo Empathicus“ in Berlin sieht der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, außerdem eine veränderte Diskussionskultur in sozialen Netzwerken als Problem. Denn hier gelte nicht das Ringen um Wahrheit, sondern hohe Klick-Zahlen als Kriterium. Und da gewinne die Verschwörungstheorie eben oft gegen vermeintlich dröge Fakten. Der entscheidende Punkt sei, „dass diese Kommunikation kommerziell gesteuert ist.“ Der Grund für die Algorithmen-Programmierung sei, „dass man Werbeeinnahmen haben möchte.“
 

Gegenmodell Beteiligung

Görlach will dem eine neue Diskussionskultur entgegensetzen. Dort, wo für die Gesellschaft wichtige Entscheidungen getroffen werden, müsse diese auch beteiligt werden. Moderne Algorithmen würden es möglich machen, dass alle gesellschaftlichen Gruppen repräsentiert werden könnten. Aus Görlachs Sicht ist die Digitalisierung also nicht nur das Problem, sondern kann auch seine Lösung darstellen.

Doch ist Beteiligung von allen nicht mühsam und oft sehr langsam? Ja, sagt die Staatministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär. Aber gerade Europa könne hier Vorbild sein zwischen den Vereinigten Staaten, bei denen die Interessen von Großkonzernen im Vordergrund stünden und China, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden. In Europa sieht Bär die Chance, „weil wir niemanden verloren geben und jeden auf Grund seiner Talente betrachten.“
 

Vorbild Europa?

Europa als Vorreiter, wenn es darum geht, den einzelnen Menschen in seiner Würde hochzuhalten. Das klingt schön. Doch Hassparolen gegen Einwanderer und neue Nationalismen scheinen eine andere Sprache zu sprechen. Die These von Alexander Görlach in seinem Buch: Wenn der letzte Syrer längst in seine Heimat zurückgekehrt ist, werde sich der Hass, der sich in der europäischen Gesellschaft aufgebaut hat, noch immer negativ nach innen auswirken. Antwort könne eben nur der „Homo empatihcus“ sein, der mitfühlende und mitleidende Mensch, der bereit ist, etwas von seinem Wohlstand mit anderen zu teilen. Doch wo soll der herkommen? Noch einmal Bischof Heinrich-Bedford Strohm. Er verweist auf das christliche Erbe Europas. „Wenn Leute meinen, sie können beten in der Kirche und Gottesdienst feiern und sich nicht um die Schwachen kümmern, dann haben sie komplett missverstanden, wird er biblische Gott ist!“


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