Lucas Cranach der Ältere Lesezeit: ~ 2 min

Cranach: "Christus und die Ehebrecherin"

Martin Luther galt als Ketzer, sein Freund Lucas Cranach nicht. Doch auch er unterstütze die Reformation – nur eben ohne Worte.

Lucas Cranach der Ältere wurde 1472 als Sohn eines Malers im fränkischen Kronach geboren und verbrachte viele Jahre seines Lebens in Wittenberg. Eine Stadt, die ihn und seine Kunst enorm prägte: In Wittenberg kam er erstmals mit den Gedanken der Reformation in Berührung, freundete sich mit Martin Luther an, betrieb eine Malerschule und schuf die meisten seiner Werke. Er wurde Stadtrat, Bürgermeister und nicht zuletzt einer der angesehensten und reichsten Bürger Wittenbergs.

Cranach malte sehr vielfältig: von romantischen Landschaftsmalereien, über Porträts, bis hin zur Darstellung biblischer, aber auch mystischer Figuren. Das Gedankengut der Reformation verarbeitet sehr häufig in seinen Werken. Eines dieser Werke ist das Ölgemälde „Christus und die Ehebrecherin“. Dieses Bild von 1520 ist nur eines von vielen Gemälden, auf denen Cranach die biblische Geschichte aus Johannes 8,3-11 auf die Leinwand brachte.

 

Wer unter euch ohne Sünde ist…

Der Hintergrund des Bildes ist Johannes 8,3-11: Die Pharisäer erwischen eine Frau auf frischer Tat beim Ehebruch, bringen sie zu Jesus und fordern ihre Steinigung. Dabei berufen sie sich auf das mosaische Gesetz (2. Mose 20,14) und die Strafe, die Gott im Alten Bund für die Missachtung dieses Gesetztes vorsah: „Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben,…“ (3. Mose 20,10) Doch Jesus reagiert anders, als die Pharisäer das gerne hätten: Er beugt sich nieder, schreibt mit dem Finger etwas uns Unbekanntes auf den staubigen Boden und richtet sich wieder auf. Kurz bevor Jesus die bekannten Worte „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie“ (Johannes 8,7) spricht, setzt Cranachs detailreiche Darstellung an.

Gnade statt Ablassbriefe

Im Mittelpunkt seines Werkes stehen die Hauptpersonen aus Johannes 8: Jesus und die Ehebrecherin. Beide zeigen mit ihren Zeigefingern nach unten, was die vorherige Handlung Jesu in Vers 6 andeutet: „Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.“ Cranach malt Jesus als einen sanftmütigen Mann, kostbar bekleidet und mit braunen lockigen Haaren und Bart. Sein Blick wirkt barmherzig und doch betrübt.
Rings um Jesus und die Frau stehen dicht gedrängt die Ankläger. Die einen beraten sich unauffällig, während die anderen Jesus mit aufforderndem Blick anschauen. Sie erwarten ein schnelles Urteil. Die faustgroßen Steine, die zwei der Ankläger in ihren Händen halten, verdeutlichen ihre Ungeduld. Christus wirkt mit seiner hochgehaltenen Hand, als wolle er die Männer zum Schweigen bringen, um selbst zu Wort zu kommen.

Die Geschichte endet damit, dass Jesus die Frau gehen lässt - ohne sie zu bestrafen oder zu verurteilen. Die Gnade Gottes ist kostenlos, ganz im Gegenteil zu den Ablassbriefen der römisch-katholischen Kirche. Ein Thema, mit dem sich Luther ausgiebig beschäftigte. Vermutlich ist es die Aussage aus Vers 7, die Cranach an der Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin faszinierte: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie.“ Es ist ein Symbol für die Gnade Gottes, die Jesus vorlebte und die sich jeder Mensch als Vorbild nehmen sollte. Mit seinem Werk „Christus und die Ehebrecherin“ brachte Cranach dieses Gedankengut zu den Menschen – ganz ohne Worte.


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Kommentare

Von Thomas am .

Es wird immer die selbe Herausforderung und Aufgabe sein, diese göttliche Gnade auch selbst zu leben. Sie ist eine wichtige Grundlage zur Erfüllung des neuen Bundes in dem wir mit Christus stehen dürfen.
Ich für meinen Teil habe diese Lektion gelernt und arbeite weiter daran, jedoch gehe ich nie davon aus das andere das auch tun werden (können). Es bleibt eben immer in der christlichen Verantwortung jedes Einzelnen diese hohe Qualität an Nächstenliebe ernst zu nehmen.

Von Gaukler-Garde am .

Naja, wer meint es wäre heute besser, wird durch die Praxis eines Besseren belehrt. Da kann ein Mann seine Frau terrorisieren, bis sie in die Verzweiflung getrieben wird und die "Gemeinde" schweigt still und geht zur Tagesordnung über. Wenn aber dieselbe Frau dann irgendwann die Ehe bricht, stehen diese Schweiger zuerst auf dem Plan und fordern zum Rapport. Was früher Steine waren, sind heute böse Gerüchte, Anklagen und Ausgrenzung, aus der Hand solcher Frommen. Hätten sie lieber vorher einen mehr


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