ERF International

Christen auf der Flucht

Open Doors veröffentlicht Weltverfolgungsindex 2018. Ein Hauptproblem in diesem Jahr: Islamistische und nationalistische Bewegungen.

Mehr als 200 Millionen Christen werden derzeit weltweit verfolgt. Diese schreckliche Tatsache belegt das christliche Hilfswerk Open Doors mit dem Weltverfolgungsindex 2018. Mittels Erhebungen und Analysen erfasst die Organisation 50 Länder mit stark eingeschränkter Religionsfreiheit, in denen Christen laut Open Doors am stärksten verfolgt werden. Anhand eines umfangreichen Fragenkatalogs werden Betroffene in den jeweiligen Ländern befragt, die zu ihrem eigenen Schutz streng anonym bleiben.

Islamistische und nationalistische Bewegungen treiben Christenverfolgung an

Das christliche Hilfswerk Open Doors wurde 1955 gegründet und setzt sich weltweit für verfolgte Christen ein. Seit 1993 veröffentlicht Open Doors jährlich den Weltverfolgungsindex.

Die Hauptursachen für die zunehmende Christenverfolgung sind laut Open Doors die aufstrebenden islamistischen und nationalistischen Bewegungen. Diese seien in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten besonders stark ausgeprägt. Denn dort treiben Islamisten die Radikalisierung größerer Bevölkerungsteile voran und stürzen die Länder so in Krieg und Chaos. Auch der ideologisch geprägte Nationalismus auf Basis des Kommunismus engt das Leben von Christen ein. Das betrifft Länder wie Vietnam, Laos und China. Ebenso ist auch der nationalistisch geprägte Hinduismus und Buddhismus in Asien für eine Zunahme der Verfolgung verantwortlich.

Nordkorea nach wie vor Spitzenreiter

Seit mittlerweile 16 Jahren belegt Nordkorea den ersten Rang auf dem Weltverfolgungsindex. So auch im Jahr 2018. In der kommunistischen Diktatur können die rund 300.000 Christen nur im Untergrund überleben. Dennoch sind sie sehr aktiv. Zu den fünf Ländern, in denen die Christenverfolgung am stärksten ist, zählen neben Nordkorea Afghanistan, Somalia, Sudan und Pakistan. Insgesamt liegen die meisten der 50 Länder auf dem Weltverfolgungsindex im Nahen Osten und in Nordafrika. Auf der diesjährigen Rangliste gibt es aber auch zwei Länder, die das erste Mal auf der Liste stehen: Aserbaidschan und Nepal.

Deutschland schiebt christliche Flüchtlinge ab

Durch den Weltverfolgungsindex sollen die verfolgten Christen eine Stimme in der Öffentlichkeit erhalten. Doch diese Stimme wird in Deutschland nicht ausreichend gehört. Das ist zumindest die Ansicht von Markus Rode, dem geschäftsführenden Vorstandsvorsitzender von Open Doors Deutschland. Denn obwohl bekannt ist, dass in Afghanistan, Pakistan und dem Iran zum Christentum konvertierte Muslime mit dem Tod bedroht werden, schiebt Deutschland christliche Flüchtlinge in diese Länder ab. „Das bedeutet, dass man sie  in die Hände ihrer Henker liefert“, erklärt Rode. Die Politiker in unserem Land schweigen dazu und lassen es geschehen, so Rodes Beobachtung.

Jährlicher Verfolgungsindex zeigt Dynamik der Verfolgung
Der Weltverfolgungsindex ist die weltweit einzige Erhebung, die verfolgte Christen anhand einer differenzierten und von Wissenschaftlern und Experten kontinuierlich weiterentwickelten Methodik jährlich befragt. Damit soll ihre Situation möglichst genau erklärt und die Dynamik der Verfolgung verdeutlicht werden. Bei der Verwendung des Begriffs „Verfolgung“ lehnt sich Open Doors an die Definition der UN an. Das UN-Flüchtlingshilfswerk verweist darauf, dass „eine Bedrohung des Lebens oder der Freiheit aufgrund von Ethnie, Religion, Nationalität […] in jedem Fall als Verfolgung zu werten ist.“

Damit büßt Deutschland an Glaubwürdigkeit in puncto Religionsfreiheit ein. Gerade wenn auch Christen abgeschoben werden, die aus Glaubensgründen geflohen sind, zum Beispiel aus dem Iran . Deshalb fordert Rode, dass Glaubensprüfungen, wenn sie denn schon stattfinden müssen, nicht von Mitarbeitern des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge durchgeführt werden, sondern von Pastoren, die die entsprechenden Personen kennen und einschätzen können.

Außerdem fordert Markus Rode die deutsche Politik dazu auf, sich stärker  für den Aufbau von Kriegsgebieten, wie etwa durch den IS zerstörten Ninive-Ebene bei Mosul, einzusetzen. Dies kann dazu beitragen, dass Christen wieder in ihre Heimatländer zurückkehren oder vielleicht sogar nicht fliehen müssen.

Einige Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr

Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Man kann an einigen Stellen kleine Verbesserungen verzeichnen. So fällt beispielsweise Tansania in diesem Jahr aus dem Weltverfolgungsindex. Im Jahr 2017 stand Tansania mit 59 Punkten auf Platz 33 des Weltverfolgungsindex. Für 2018 verbesserte sich das Land um sechs Punkte und ist damit nicht mehr unter den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex. Allerdings besteht mit 53 Punkten immer noch eine beträchtliche Verfolgung im Land. Bei Unruhen in Äthiopien und Kenia sind Muslime und Christen teils in politischen Zielen vereint. In Kenia ist allerdings ein neues und alarmierendes Phänomen zu beobachten: Die islamistische Gruppe Al Shabaab hat im aktuellen Berichtszeitraum mehr als 30 Christen enthauptet. Dies scheint Teil einer Strategie, mit der Angst unter den Christen zu verbreitet werden und sie zur  Flucht bewegt werden sollen.

Weniger Gewalt ist auch in Syrien zu verzeichnen. Auch Vietnam pendelt sich in einen normal Zustand auf Platz 18 des Index ein.


Weitere Sendungen zum Thema

 

 


Kommentare

Von Jörg am .

Ein Politiker, der sich zum christlichen Glauben bekennt und sogar auf die Bibel beruft, wird unmittelbar auf Ablehnung stoßen und sich sogar Anfeindungen ausgesetzt sehen. Die Eliten in diesem Land sind offen antichristlich. Von daher ist es auch kein Wunder, dass das Thema Christenverfolgung keines ist. Auf Bibel-TV berichtet ein Konvertit, der schon sehr lange in Deutschland lebt, über seine Leidensgeschichte und das traurige Thema der Christenverfolgung in Deutschland durch die Familie, mehr

Von Jürgen D. am .

Was uns hier momentan in Deutschland fehlt, sind Politiker mit der richtigen Balance zwischen Wahrheit, Liebe, Verantwortungsvermögen und Durchsetzungsfähigkeit.
Was wir haben sind überwiegend geschäftsführende Pragmatiker, die sich medienwirksam beraten lassen, um auf die jeweilige momentane Entwicklung "political correct" zu reagieren.
Doch das ist auf Dauer langweilig wie lauwarme Spülsuppe und wird letztendlich niemandem wirklich gerecht. Es müssen wieder echte und berufene mehr


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.