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„Billig-Bananen bedeuten Kinder- und Zwangsarbeit“

Fair-Trade warnt vor Obst zu Schnäppchen-Preisen.

„Wir dachten eigentlich, in Deutschland sind wir soweit, dass es nicht mehr opportun ist, eine Bahnane für unter einen Euro pro Kilo zu verkaufen.“

Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von Fairtrade Deutschland, hat sich getäuscht – leider. Aktuell drücken einige deutsche Handelsketten die Bananenpreise. 77 Cent pro Kilo in Supermärkten sind keine Seltenheit. Doch was als Schnäppchen daherkommt, sei ein massiver Menschenrechtsverstoß, sagt Frank Braßel von Oxfam Deutschland. Bananenbauern in Ecuador bekämen aktuell nur 4,50 $ pro Kiste beim Export. „Ich dachte, das kann nicht sein. Jetzt ist die Hochsaison für Bananen.“ Der gesetzliche Mindestpreis liege bei über sechs Dollar.

 

Die Familien der Bananenbauern leiden

„Sie können davon ihre Familie nicht gut ernähren, und von 4,50 $ erst recht nicht.“

Trotzdem geschieht es. Denn große internationale Handelsketten bestimmen die Marktpreise. Den Bananenbauern bleibt keine Wahl. Sie müssen zu den Dumpingpreisen verkaufen. Sonst können sie ihre verderbliche Ware nur  wegschmeißen. Die Billigbananen tauchen in Deutschland mit selbst kreierten Qualitätssiegeln auf. Ein Bluff, weil es keine gesetzlichen Verbote dafür in der EU gibt.

Dennoch: Es gibt Lichtblicke. Ein großer deutscher Discounter stellt innerhalb dieses Jahres sein komplettes Bananen-Angebot auf Fairtrade-Artikel um. Auf diese Weise könnte der Anteil fair gehandelter Bananen in der Bundesrepublik von derzeit 10 Prozent auf um die 35 Prozent wachsen.

 

„Drecksarbeit“ für einen Dollar am Tag

Das Ganze kann man als einen Schritt ethischer Verantwortung einer großen Lebensmittelkette sehen. Dahinter steckten aber auch langfristige wirtschaftliche Interessen, so Dieter Overath: „Wir haben sonst bald Lieferengpässe, weil sonst keiner mehr für uns für einen Dollar am Tag die harte Drecksarbeit macht.“

Auch wenn Supermärkte und Discounter nur Schritt für Schritt ihres sozialen Verantwortung nachkämen: Dieter Overath Deutschland hofft, dass die Verbraucher ihre Macht ausspielen und zu Fairtrade-Bananen. Für wenige Cent mehr pro Kilo bekämen Bauern beispielsweise in Ecuador und Honduras Löhne, von denen sie leben und ihre Kinder zur Schule schicken können. „Ich hoffe, dass 2019 Konsumenten sich schämen zu sagen, ich habe mit 88 Cent pro Kilo Bananen ein Schnäppchen gemacht.“


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