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Augen zu und durch?

Wie Politiker und Christen in Zentralasien mit Corona umgehen.


Bloß nicht die Kontrolle verlieren! Dieses Motto prägt die autokratisch regierten Länder Zentralasiens - vor allem Turkmenistan und Tadschikistan. Das war schon lange vor der Coronakrise deutlich zu erkennen. Christen werden argwöhnisch beobachtet, in ihre Schranken gewiesen oder sogar verfolgt. Regimegegner oder andere unliebsame Aktivisten sind ebenfalls in ihrer Freiheit stark eingeschränkt. Ein Mittel zur Wahrung der eigenen Macht gegen Störfaktoren, ist dabei die Verschleierung von Tatsachen. Deshalb gibt es in Turkmenistan offiziell bislang keinen einzigen Corona-Fall. Allerdings wird das von Fachleuten stark bezweifelt, zumal alle vier Nachbarländer unter der Pandemie leiden.

Doch weiterhin versucht Präsident Berdymuhamedow in dem relativ abgeschotteten Wüstenstaat am kaspischen Meer mit allen Mitteln, nicht über das Coronavirus zu sprechen. Er hat zwar Schutzmaßnahmen eingeführt, allerdings seien diese nur prophylaktisch und das Tragen einer Maske wird mit dem hohen Staubgehalt in der Luft begründet. Vieles läuft so weiter, als gäbe es keine Bedrohung durch die Covid-19-Erkrankung. So fand am 3. Juni in Turkmenistan anlässlich des Weltfahrradtags eine riesige Parade statt, an der rund 7.500 Menschen teilnahmen – ohne jegliche Schutzmaßnahmen.
 

Großveranstaltungen trotz Corona-Gefahr

Auch die autoritäre Führung der Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan hat lange behauptet, ihr Land sei corona-frei. Im April setzte Tadschikistan sogar die reguläre Fußballsaison vor Zuschauern fort, während weltweit Großveranstaltungen vermieden wurden. Inzwischen hat das Land eingelenkt. Es gibt mittlerweile offizielle Statistiken mit Infiziertenzahlen. Es ist jedoch weiterhin von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Nicht ohne Grund hat die Bundesrepublik Deutschland bereits im März der Republik Tadschikistan eine Million Euro für den Kauf von medizinischer (Schutz-)Ausrüstung und für Schulungen zur Bekämpfung von COVID-19 zur Verfügung gestellt.

Die Leugnung der Corona-Gefahr ist sicherlich von finanziellen Interessen motiviert. Die aktuelle Weltkrise und der Rückgang der Ölpreise sind schwer zu verkraften für die ohnehin schwache Wirtschaft der zentralasiatischen Länder. Es gibt keine Reserven, um die Folgen der Pandemie auszugleichen.
 

Angst vor dem Wort „Corona“

Wie groß die Angst davor ist, sich politisch unkorrekt zu verhalten, wird bei Kontakten zur Bevölkerung schnell deutlich. Ein tadschikischer Mitarbeiter unserer Partnerorganisation schrieb vor einigen Wochen in einer E-Mail: „Meine Frau ist schwer krank. Auch unsere Kinder und ich sind betroffen, aber am schlechtesten geht es meiner Frau. Ich mache mir große Sorgen um sie. Die Symptome deuten auf eine gewisse Lungenkrankheit hin. Aber darüber dürfen wir nicht sprechen. Eine medizinische Versorgung ist momentan nicht möglich. Bitte betet für uns!“ Inzwischen geht es der Familie wieder besser, aber es war für sie nicht leicht, diese kritische Situation zu überstehen.

Auch wenn für manche die gesundheitliche Gefahr vorbei ist – die Angst, etwas Falsches zu sagen und überwacht zu werden, bleibt. Insbesondere Christen wird in allen Ländern Zentralasiens das Leben durch Verbote, Benachteiligung oder Verfolgung schwer gemacht. Covid-19 ist nur eine weitere Bedrohung für ihr Leben. Deshalb brauchen die Christen in Zentralasien unser Gebet.
 

„Danke für eure Gebete“

Eine Tadschikin, mit der wir zusammenarbeiten, schrieb im Juni: „Danke für eure Gebete. Wir haben die Wirkung gespürt. Meine Gesundheit war sehr angegriffen, weil das Coronavirus einige Komplikationen in meinem Körper verursacht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass die Krankheit so lange andauert. Wir haben dieses Virus schon lange in unserem Land, aber Informationen darüber bekamen wir keine. Uns wurde anfangs gesagt, dass Corona keine Bedrohung für uns darstelle. Die Menschen glaubten diese Aussagen und sehr viele erkrankten. In unserer Gemeinde wurden fast alle infiziert und einige sind sogar an dieser Krankheit gestorben.

Mittlerweile sind alle Moscheen und Kirchen geschlossen. Veranstaltungen führen wir nur noch im kleinen Familienkreis oder über soziale Medien durch. Bitte beten Sie weiterhin für unsere vollständige Genesung, für unser Land und die Bevölkerung. Sehr viele sind arbeitslos geworden. Beten Sie, dass die Menschen in diesen schwierigen Zeiten sich stärker von Gott abhängig fühlen und zu ihm kommen.“

Danke für eure Gebete. Meine Gesundheit war sehr angegriffen. Ich hätte nicht gedacht, dass die Krankheit so lange andauert. Wir haben dieses Virus schon lange in unserem Land, aber Informationen darüber bekamen wir keine. – Radiomitarbeiterin aus Tadschikistan

 

Auch wenn einige der zentralasiatischen Radiomitarbeiter Covid-19 überstanden haben, gibt es weiterhin Herausforderungen für ihre Arbeit. Ein usbekischer Kollege erklärt: „Ich möchte euch über einige Änderungen aufgrund des Corona Virus in der usbekischen Arbeit berichten. Wir mussten eine Sprecherin vorübergehend austauschen. Aufgrund der starken Ausgangsbeschränkungen konnte sie nicht mehr zu den Aufnahmen kommen. Wir sind froh, dass wir eine Alternative gefunden haben, damit die Produktion weitergehen kann.“
 

Offene Augen und Herzen

Aus Kirgistan erreichte uns eine ähnliche Mitteilung: „Ich konnte lange Zeit keine Antwort schreiben. Es hat sich bei mir viel Arbeit aufgrund der Quarantäne angestaut. Wir haben Radiosendungen bis Oktober vorbereitet, um etwas Vorlauf zu haben, denn in Kirgistan verbreitet sich die Krankheit rasant. Deshalb haben wir jetzt zwei Wochen frei genommen und arbeiten von zu Hause aus. Es scheint mir, als geriete die Situation mit jedem Tag mehr außer Kontrolle.

Aber bei Gott ist das nicht der Fall. Er hält alles in seinen Händen. Nach dem Lockdown wurden die Kirchen wieder geöffnet. Leider haben sich bei Gottesdiensten viele infiziert. Einige sind schwer erkrankt. Was bemerkenswert in dieser Situation ist: Die Menschen fragen mehr nach Gott und machen sich Gedanken über den Tod und das Ende der Welt. Bitte betet für das kirgisische Volk, dass es zur wahren Erkenntnis des Evangeliums kommt!“

Was bemerkenswert in dieser Situation ist: Die Menschen fragen mehr nach Gott und machen sich Gedanken über den Tod und das Ende der Welt. Bitte betet für das kirgisische Volk, dass es zur wahren Erkenntnis des Evangeliums kommt! – Radiomitarbeiter aus Kirgistan

 

Die Einstellung „Augen zu und durch“ kommt für die Redakteure der christlichen Radioprogramme in Zentralasien während der Coronakrise nicht in Frage. Sie machen sich nicht nur Sorgen um ihre eigene Gesundheit. Auch die körperlichen und seelischen Bedürfnisse ihrer Landsleute sind ihnen ein großes Anliegen. Deshalb engagieren sie sich gerade in diese Zeiten und haben zum Beispiel informative Sondersendungen gestaltet. Das kostet zusätzliche Kraft, die manchmal fehlt. Ein Mitarbeiter drückt das so aus: „Bitte unterstützt mich im Gebet, damit ich genug Raum in meinem Herzen für die Hörer unserer Radioprogramme habe. Sie teilen uns ihre Sorgen mit und wir wollen uns um ihre verletzten Seelen kümmern.“
 

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