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„Antisemitismus darf nicht sein!“

Solidaritätskundgebung mit dem Staat Israel am Brandenburger Tor.

 

Die Solidaritätskundgebung mit Israel trägt ein sehr modernes Gesicht an diesem Nachmittag des 10. November mitten in Berlin. 3 junge Künstler treten als Rapper auf. Sie haben eins gemeinsam: Ihre Großväter haben aktiv mitgewirkt am Plan Adolf Hitlers, die Juden in Deutschland auszurotten. Das bekennen sie offen, erklären gleichzeitig ihre persönliche Liebe zum Staat Israel. Das dürfte Arye Sharuz Shalicar gefallen haben. Der Jude iranischer Abstammung war selbst viele Jahre Rapper in Berlin. Heute arbeitet er für den Israelischen Nachrichtendienst. Er ist der Special Guest auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor und konstatiert: „Ich bin stinksauer, dass das Thema Antisemitismus immer aktueller wird.“
 

Antisemitische Einstellungen oft unterbewusst

Shalicar und andere Redner fordern von der deutschen Regierung ein klareres und nachhaltigeres Vorgehen gegen antisemitische Gewalt in Deutschland. Aber auch in den Köpfen sei der Hass gegen Juden weit verbreitet – und werde doch totgeschwiegen. Jost Bittner, Begründer der Versöhnungsinitiative „Marsch des Lebens“, wagt eine Analyse: „Antisemitismus ist eine unbequeme Angelegenheit, die man schnell hinter sich lassen möchte.“ Obwohl antisemitische Einstellungen in allen sozialen Schichten vorhanden seien, seien diese den Betroffenen selbst oft nicht einmal bewusst.
 

Die Wurzel allen Übels

Antisemitismus: ein Übel, dessen Wurzeln weit in die Geschichte zurück ragen. Und an dem die christliche Kirche Mitschuld trägt. Das bekennt selbstkritisch Harald Eckert von der Initiative 27. Januar, die sich dem jüdisch-deutschen Dialog verbunden weiß: „Der Jahrhunderte alte Antijudaismus ist die Wurzel allen Übels, auch in Bezug auf den Holocaust.“ Eckert würdigt daher die christlich-jüdischen Schritte der Versöhnung in den letzten Jahrzehnten.
 

„Jerusalem als Hauptstadt anerkennen“

Bei aller Selbstkritik geht es dann aber auch nicht ohne politische Forderungen ab auf der Solidaritätskundgebung in Berlin. Deutschland solle den „Kuschelkurs mit dem Iran“ aufgeben. Gottfried Bühler von der dem zionistischen Gedanken verbundenen Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem gibt eine konkretes Statement: „Wir fordern, dass Deutschland Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen muss!“

Dafür erntet er Applaus von den knapp 1.000 Kundgebungsteilnehmern an diesem Nachmittag in Berlin. Man spürt: Das Thema Israel lässt den Puls höher schlagen, in der einen wie in der anderen Richtung. Das Gute dabei: Auch wer nicht alle politischen Forderungen der Initiatoren teilt, kann sich dennoch mit der Botschaft „Nein zum Antisemitismus“ rückhaltlos identifizieren.

Und dass eine Pro-Israel-Demo am Brandenburger Tor möglich ist, ist angesichts der wechselvollen Geschichte Deutschlands an sich ja schon ein Grund zum Danken.


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Kommentare

Von Jörg S. am .

Miriam Lau, Redakteurin der Wochenzeitung DIE ZEIT schrieb – vor ihrer Maßregelung durch ihren Arbeitgeber – einen Artikel über den Antisemitismus unter den Migranten. Darin konstatiert sie richtig „Islamische Zuwanderer kommen aus Ländern, in denen der Antisemitismus so selbstverständlich ist wie Essen und Trinken“ (DIE ZEIT, 9. Februar 2017). Ich füge hinzu: Dieser Aspekt hat für Gelingen oder Mißlingen von Integration eine zentrale Bedeutung: das Thema darf nicht tabuisiert werden. Solange mehr


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