Wenn es nicht nach Wunsch geht

Die Entlassung aus der Ausbildung wirft die junge Frau völlig aus der Bahn. Enttäuscht über den Verlauf des noch jungen Lebens, der Planung und den völlig unbefriedigenden Ergebnissen der eigenen Anstrengungen fragt sie sich, warum Gott das zulässt...

„Es tut uns leid, Frau Neser, aber wir können Sie nicht weiterbeschäftigen.“ Das war das Aus für meine Ausbildung als Heilerziehungspflegerin. Trotz absolvierter Praktika und guten Überlegungen schien es, dass ich diesen Beruf nicht ergreifen sollte. Ich wusste nicht, wie es weiter gehen sollte. Die Verzweiflung war groß. Was blieb mir anderes übrig, als mich erneut bei der Berufsberatung zu informieren. Völlig orientierungslos machte ich einen Test zur Berufsfindung, bei dem heraus kam, dass ich einen kaufmännischen Beruf ergreifen könnte. Nichts dergleichen hatte ich erwartet, denn meine Pläne waren ja so ganz anders. Aber um nicht planlos in einem Loch zu enden, begann ich mich zu bewerben.

Meinen Realschulabschluss hatte ich auf einer Hauswirtschaftsschule gemacht, kaufmännische Vorbildung besaß ich nicht, zudem war im Januar fraglich, ob überhaupt noch Betriebe Auszubildende einstellten. Aber ich wollte nicht noch ein Jahr warten und aufgeben schon gar nicht. So begann ich ein kaufmännisches Praktikum und versuchte Erfahrungen zu sammeln. Zwischendurch wurde ich immer wieder zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, bis ich schließlich neun Monate später meine Ausbildung zur Industriekauffrau beginnen konnte.

Drei Jahre später, im Sommer 2006, bin ich beinahe fertig und habe nur noch eine mündliche Prüfung vor mir. Ich habe diesen Beruf kennen und lieben gelernt, auch wenn ich ursprünglich etwas ganz anderes machen wollte. Kauffrau zu werden war nie mein Traumberuf, aber heute bin ich damit zufrieden.

Natürlich habe ich mich oft gefragt, warum das alles so laufen musste. Und im Laufe der Zeit fand ich immer mehr für mich befriedigende Antworten:
Der Beruf der Heilerziehungspflegerin hätte ich vermutlich schnell überfordert. Ohne mich richtig einschätzen zu können, habe ich einen falschen Beruf ergreifen wollen, weil ich mir nicht über die Konsequenzen klar war. Eine Heilerziehungspflegerin leistet einen sehr anstrengenden und seelisch belastenden Dienst, der mir zu viel geworden wäre. Dazu gehört eine Portion Talent für Organisation, das ich nicht besitze. In meinen Praktika lernte ich nur einen kleinen Teil des Berufs kennen und hatte mir ein völlig falsches Bild gemacht. Weil ich Dinge möglichst gewissenhaft erledigen möchte, hätten mir Ausbildung und Beruf schnell meine Kräfte geraubt. Heute ist mir klar, dass es Gottes Führung war, als mir gekündigt wurde. Er wollte mich davor bewahren, dass mich mein Beruf völlig auslaugt.

Und noch etwas: Ich habe mich immer gern in meiner Kirchengemeinde engagiert. Dazu hätte ich wegen des Schichtdienstes kaum noch Möglichkeiten gehabt. Sicher hätte mir das gefehlt. Jetzt besuche ich Sonntags den Gottesdienst und in der Woche noch einen Jugendkreis. Ich unterstütze das Gesangsteam, die Gemeinde bei Veranstaltungen und ein paar Jugendliche bei der Leitung eines Hausbibelkreises.

Der beginn meiner Berufswahl war enttäuschend. Nichts lief, wie ich wollte, darum war ich schnell entmutigt. Aber ich weiß, dass Gott mich einen besseren Weg geführt hat.

Vielleicht steckst Du gerade in einer ähnlichen Situation. Du willst voran kommen, aber irgendwie trittst Du auf der Stelle. Ich möchte Dir Mut machen, Deine Ziele gemeinsam mit dem Gott, der Dich durch und durch kennt, zu überdenken. Meine Erfahrungen sollen Dir dazu Mut machen. Denn Deine Situation ist nicht ausweglos, weil für Gott nichts unmöglich ist. Du brauchst ihm nur vertrauen.


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