Babysong – Kinderkurse von der Heilsarmee

Die Heilsarmee macht viel mehr als auf dem Kiez im Rotlichtmilieu zu arbeiten. Unter anderem widmen sich die „Salutisten“ und „Offiziere“ den Jüngsten und Schwächsten der Gesellschaft: Den Kindern! Mitmachspiele und viele Kinderlieder helfen Eltern und Kindern, miteinander zu spielen und zu lernen.

Eine vorsorgliche Seite der Heilsarmee kümmert sich um die Jüngsten und Schwächsten der Gesellschaft: Säuglinge und Kleinkinder. Mit dem Konzept „Babysong“ wird Eltern und Kindern ein Begegnungsraum geboten, wo beide (wieder) lernen können, zu singen und miteinander zu spielen.

Vieles, was früher zum Familienalltag dazugehörte fällt heute angepassten Lebensumständen zum Opfer. Wo Kinder früher spielend lernten, mit sich und ihrer Umwelt umzugehen, ist heute ein enger Zeitraum mit vielen Verpflichtungen; Manchmal auch ein erziehungsleerer Raum:
Alleinerziehende Eltern müssen arbeiten, es gibt keine größeren Familien mehr, Fernsehen und Internet bestimmen großenteils das Lernangebot der Schützlinge. Funktionierende Familiengefüge gibt es nur noch selten. Das alles hinterlässt erwiesenermaßen Defizite.

Salutisten
...sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Heilsarmee.
Offiziere
...sind die Pastoren in den sog.
Korps
- den Gemeinden der Heilsarmisten.
Um dem entgegenzuwirken rief die Heilsarmee 1998 auch in Deutschland die Kinderkurse „Babysong“ ins Leben. Das Konzept stammt aus Skandinavien, wo es bereits seit einigen Jahren erfolgreich angewandt wird. Fingerübungen, Reime und natürlich kindgerechte Lieder laden alle, Kinder, sowie Papa, Mama oder Tagesmutti, zum Mitmachen ein:

»Wie war das noch mit den fünf Fingern? Wer schüttelt die Pflaumen und wer liest sie auf? Wie fängt noch mal der zweite Vers von „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ an?«

In den wöchentlichen Kursen treffen sich bis zu zwölf Babys und deren Begleitung Zehn Wochen lang um zu spielen und zu lernen. Musikinstrumente kennen lernen gehört dazu genauso, wie das Sprechen üben, das kuscheln und Schmusen und das Singen – immer wieder singen. Jedes Kind wird wie selbstverständlich mit einem Lied begrüßt, mit einem Lied verabschiedet und zwischendrin gibt es natürlich auch immer wieder Gelegenheiten zu singen.

Eine Investition für bzw. in die Kinder, die sich lohnt, sagt Majorin Ruth Walz aus Berlin. Die 50jährige war selbst Initiatorin von „Babysong“ und leitet auch einige Kurse in der Hauptstadt. Sie hat selbst sechs Kinder und kann den jungen Eltern viel aus der eigenen Erfahrung mitgeben:
„Wir vermitteln ein fast verloren gegangenes Kulturgut. Und ich stelle immer wieder fest, dass sich viele Mütter oder Väter nicht trauen, mit ihren Kindern zu singen. Gemeinsam klappt das besser. So haben Kinder und Eltern was davon. Kontakt und Liebe sind eben durch nichts zu ersetzen.“

Der Erfolgt gibt den Heilsarmisten Recht: Der Kurs ist oft der einzige zeitliche Freiraum für Eltern, um mit ihren Kindern ungestört Zeit zu verbringen. Hier stört kein Geschwisterchen, keine Nachbarn, kein Ehepartner und kein Telefon. Ruth Walz: „Eine Frau, die schon mit mehreren Ihrer Kinder in unsere Kurse kam, erzählte mir, dass sie die Zeit richtig genossen habe. Hier konnte sie sich endlich einmal ungestört auf ihr Kind einlassen.“

Und dahingehend sind auch die Ziele von „Babysong“ formuliert:
Zuerst ist der Kontakt zu anderen Kindern und zu anderen Eltern sehr wichtig. Die Kinder lernen früh, mit anderen umzugehen, zu teilen, sich mit anderen zu beschäftigen und Rücksicht zu nehmen. Und aus Eltern werden nicht selten Freunde.
Außerdem sollen die Kinder Spaß an der Musik bekommen. Dazu wird gesungen, um überhaupt ein Gefühl für Rhythmus und Musik zu entwickeln. Natürlich hilft das auch den elementarsten Dingen: Hören, Sehen, Greifen und Begreifen. Im Umgang mit anderen Kindern, wie Begleitern lernen die Kinder schneller, sich zu artikulieren und auszudrücken. Fast nebenbei wird die Konzentrationsfähigkeit gefördert und altes, wie neues Liedgut weitergegeben. Wo lernen Kinder heute noch richtig singen? Oft können es nicht einmal die Eltern richtig oder sie kennen keine Kinderlieder.

Gut eine Stunde dauert ein Kurstreffen, dann klönen die Eltern und die Kinder spielen. Eine kleine Mahlzeit gibt es auch – weil sich die Heilsarmee ja um alle Belange des Menschen kümmern will – frei nach dem Motto: „Suppe, Seife, Seeleheil.“

Die Kurse sind für Kinder im Alter von zwei Monaten bis zu drei Jahren geeignet. Die frühe Zeit, die nur wenige Kindergärten in Deutschland unterstützt, um den Kindern schon etwas beizubringen, wird hier von der Heilsarmee aufgefangen. Für ältere Kinder bis sechs Jahren gibt es die „Musikwerkstatt“, wo die Kids schon allein hinkommen können.

Vorsorge und Investition in unsere Gesellschaft, die gemeinsame Kommunikation, das gemeinsame Musizieren und Spielen wieder neu erlernen muss. Das Gelernte begleitet die Kinder auf dem gesamten Lebensweg und ist durch keine Lehrsendung im Fernsehen oder gar durch Computerspiele zu ersetzen.

Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.