"Teamarbeit"

In der Bibel ist eine Begebenheit überliefert, in der Maria, die Mutter von Jesus, ihren Sohn bittet, ein Wunder zu tun und für neuen Wein zu sorgen. Elke Allaert hat diese besondere Mutter-Sohn-Beziehung als Impuls für ihren Alltag übernommen.

Geschichten schreibt das Leben, wir notieren sie nur.

Wer seine Nachbarn langfristig wahrnehmen möchte, kommt nicht drum herum, regelmäßig den Rasen zu mähen, sofern er einen hat. So auch heute: Ich MUSSTE Rasen mähen. Morgen haben wir keine Zeit, dann ist Sonntag und bis nächste Woche schafft unser kleiner Esprit 36 die Länge nicht mehr.

Die Nachbarin nahm mich wohlwollend aus ihrem Stuhl auf dem Balkon wahr und grüßte freundlich. Zwei Bahnen saftigen Grüns hatten wir geschafft, mein Esprit und ich, dann ein seltsames Geräusch. Ich drehe den Mäher um und mir kommt die Drehscheibe, Mähscheibe oder wie das Ding heißt, entgegengefallen. Ihr merkt jetzt schon: ich habe von Rasenmähern keine Ahnung.

Was tun? Der beste Ehemann der Welt und Umgebung hat Dienst, der Nachbar ist noch nicht da, der kommt erst spät und die Männer, die um diese Zeit daheim sind, sind entweder krank geschrieben oder beamtet, also nicht wirklich eine Hilfe, habe ich geschlussfolgert.

Da fiel mir Maria ein, die mit Jesus und den Jüngern auf einer Hochzeit war. Sie hatte wohl gemerkt, dass der Oberkellner immer nervöser wurde. Der Wein war kurz vor aus. Vielleicht hat sie sich das eine Weile angeschaut und gedacht: "Wenn die Gäste nicht in der nächsten Stunde auf Sprudel oder Saftschorle umsteigen, das fehlende Dorf noch eintrudelt und nicht einer von denen ein Brautgeschenk in Form von ein paar Fässern Grand Cru mitbringt, haben die Jungs bald ein echtes Problem!" Gesagt hat sie "Sie haben keinen Wein mehr" und zwar zu dem, der was dran ändern kann. Ihr Sohn Jesus, der Sohn dessen, der die Weintrauben erfunden hat. Mehr war nicht nötig. Sie wusste, wen sie geboren hatte.

"Was sich einmal erst bewährt hat, darauf greift man gern zurück." (Elke 1, Vers 3)

"Herr, ich muss Rasenmähen. Heute."

Mit wenig logischer, aber um so mehr himmlischer Hoffnung habe ich die Scheibe mit meinem Werkzeugkasten abgeglichen: Zwei zehner Schrauben rechts und links, die saßen fest, die mittlere rutschte hin und her. Schlitz oder Kreuz? Weder noch, eine Art Deckel, festgeschweißt natürlich.

Ich also mit zehner Schlüssel, Hammer, Zange und Schrauber – der Grundausstattung einer ahnungslosen Hausfrau, die Rasen mähen muss – wieder hin zu meinem Mäher. Wenn man das Unmögliche nicht schafft, macht man erst mal das Mögliche: Hier die beiden Schrauben ab und gucken was passiert. Im Innern die dritte Schraube, blitzblank und lose. Prima, einfach wieder festschrauben! Der 10-er Schlüssel passte auch sogar, aber die Schraube drehte durch. Noch eine Idee, die ich selbst nicht gehabt hätte: Vielleicht greift sie nicht, weil sie nicht tief genug sitzt? Also: Hammer her! Drei vorsichtige Schläge und die Scheibe rutschte in die Tiefe. Der Rest war nur noch Formsache.

Zwar ist die Scheibe noch mal abgegangen, aber jetzt wusste ich ja, wie es geht. Noch ein bisschen fester geschraubt und zwei Stunden später hatten wir wieder freien Rundblick in drei umliegende Gärten.

Mit zehner Schlüssel, Hammer, viel Hilflosigkeit, dem gutem Beispiel von Mutter Maria und ihrem großartigen Sohn, der die Weltgeschichte überblickt und mir hilft, dass ich an irgendeinem Samstag Nachmittag doch noch ein winziges Stück Rasen auf dieser Welt gemäht gekriegt habe!

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