Wochenrückblick Lesezeit: ~ 4 min

Von Antifa-Flaggen und einem Pastor unter Polizeischutz…

…und was sonst noch in dieser Woche wichtig war.

 

 

Warum weht auf einem Flüchtlings-Rettungsschiff, das u.a. von der EKD finanziert wird, eine Antifa-Flagge? Wird der Bundestag noch vor der Wahl im September ein Gesetz verabschieden zum Thema „Assistierter Suizid“? Und wie geht es weiter in Bremen, nachdem Pastor Olaf Latzel unter Polizeischutz zum ersten Mal seit Monaten wieder in seiner Gemeinde gepredigt hat? Katja Völkl und Regina König mit einem Blick zurück in diese Woche.


ERF Medien: Freitag – und wir blicken zurück auf die Woche. Regina, was war los in Kirche und Gesellschaft?

Regina König: Viel! Und über einiges haben wir auch schon berichtet, wie z.B. über die Corona-Notbremse, die am Mittwoch vom Bundestag verabschiedet worden ist.


ERF Medien: …und die ab diesem Wochenende greifen wird. Noch ein heikles Thema hatte der Bundestag am Mittwoch auf der Tagesordnung, und zwar den assistierten Suizid. Entschieden wurde zwar nichts, aber die Debatte war sehr lebhaft.

Regina König: Ja, und in der Debatte erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn, sein Ministerium habe einen Arbeitsentwurf erarbeitet, mit dem die Hilfe zur Selbsttötung unter Strafe gestellt würde. Gleichzeitig solle es wenige Ausnahmen geben.
 

Noch keine Entscheidung zu „assistierten Suizid“

ERF Medien: Erklär bitte noch einmal kurz den Hintergrund.

Regina König: Das Bundesverfassungsgericht hat vor mehr als einem Jahr das Verbot der Hilfe zur Selbsttötung gekippt. Jetzt wird um eine mögliche Neuregelung gerungen. Auch führende kirchliche Vertreter haben sich seither zu Wort gemeldet: der Rat der EKD lehnt assistierten Suizid ab. Hingegen hat der Präsident der Diakonie in Deutschland, Ulrich Lilie, erklärt, er könne sich Hilfe zum Suizid auch in diakonischen Einrichtungen vorstellen.
 

ERF Medien: wann könnte es zu einem neuen Gesetz kommen?

Regina König: Das steht noch nicht fest. Vielleicht in dieser Legislaturperiode gar nicht mehr.


ERF Medien: Über Recht und Gesetz wird auch in Bremen gestritten. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde dort am vergangenen Sonntag ein Gottesdienst verfolgt….

Regina König: …und zwar in der St. Martini-Gemeinde. Unter Protesten und mit Polizeischutz stand dort nämlich zum ersten Mal seit Monaten wieder der umstrittene Bremer Pastor Olaf Latzel auf der Kanzel. Seine Bremische Evangelische Kirche hatte ihn des Dienstes enthoben. Der Grund: Pastor Latzel ist vom Amtsgericht Bremen verurteilt worden wegen Volksverhetzung. Latzel soll in einem Eheseminar – nach Ansicht des Gerichts - zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt haben.


ERF Medien: warum darf Olaf Latzel jetzt doch wieder predigen?

Regina König: Das Gerichtsurteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Olaf Latzel in Berufung gegangen ist. Deshalb hätte die Kirchenleitung ihn gar nicht seines Amtes entheben dürfen. Nun hat ein Kirchengericht dringend empfohlen, einen Vergleich zu schließen. Der ist zustande gekommen: Pastor Latzel hat sich entschuldigt für seine Worte – was er allerdings auch schon vor der Gerichtsverhandlung getan hat! - und die Kirchenleitung hat die Dienstenthebung zurückgenommen.
 

Ärger auf hoher See: EKD-Rettungsschiff mit Antifa-Flagge

ERF Medien: damit ist also erstmal Ruhe eingekehrt in Bremen…

Regina König: Nicht wirklich. Unbekannte haben in der letzten Zeit immer wieder die St. Martini-Kirche beschmiert, das Auto des Pastors zerkratzt und ihn bedroht. Außerdem steht auch noch die Berufungsverhandlung aus.


ERF Medien: Ärger gibt es wohl auch auf hoher See….

Regina König: ja, und zwar im Mittelmeer. Das von der EKD unterstützte Flüchtlings-Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ sorgte für Aufregung, weil die Mannschaft eine Antifa-Flagge bewusst sehr gut sichtbar angebracht hatte. Das hatten u.a. mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete kritisiert.


ERF Medien: Ohnehin fand die Idee, so ein Rettungsschiff als Kirche zu unterstützen, auch innerhalb der Kirche nicht nur Anklang.

Regina König: Ja, die Meinung darüber ist gespalten. Nun schaltete sich der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford Strohm in dieser Woche ein in die Debatte rund um die Antifa-Flagge und betonte, er würde es ausdrücklich begrüßen, wenn die Flagge alsbald eingeholt würde. So hat er das gestern auf einer Pressekonferenz gesagt, wir hören mal rein:
 

 

Unterstützt wird das Schiff vorwiegend von kirchlichen Institutionen, aber ob die “Sea-Watch 4“ sich den Rat Bedford-Strohms zu Herzen nimmt, darüber ist bisher nichts bekannt.
 

„Der Gottesbezug in der Präambel an eine gewisse Demut in unserem Tun.“

ERF Medien: Dann hoffen wir, dass sie sich bald einigen. Versöhnlich klingt auf jeden Fall das, was die Präsidentin des Bundesgerichtshofes in dieser Woche geäußert hat….

Regina König: Ja, Bettina Limperg ist nicht nur Präsidentin des Bundes-gerichtshofes, sondern auch evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages 2021. In einem Interview mit dem christlichem Medienmagazin Pro sagte sie, dass der Gottesbezug in unserer Präambel immer noch wertvoll sei und ein „Bekenntnis  ….. gegen jede Form von Totalitarismus“. Der Gottesbezug stelle den Menschen „in ein großes Ganzes“. Gleichzeitig appelliere er an „eine gewisse Demut in unserem Tun und Handeln.“ In diesem Sinn, Katja: dann lass auch uns in die nächste Woche starten „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“.


ERF Medien: So machen wir das und damit vielen Dank an dich, Regina, für deinen Blick zurück in diese Woche.

 



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