Libanon Lesezeit: ~ 2 min

„Der Glaube ist nötiger als der Zweifel“

Die Situation der Christen in Beirut.

 

 

Eine komplett zerstörte Hafenanlage, zerborstene Fenster, hunderttausende Menschen, die auf einmal obdachlos geworden sind. Die Bilder von der Explosion in Beirut haben sich wahrscheinlich jetzt schon in das kollektive Gedächtnis eingegraben.

Unterstützung für die notleidenden Menschen kommt unter anderem vom Verein „Christlicher Hilfsbund im Orient“. Und das nicht erst seit der Katastrophe, erklärt der Koordinator für den Libanon, Lukas Reineck: „Vor dem 4. August – Das war ja ein Wendepunkt in der Libanesischen Geschichte – haben wir ein armenisch- evangelisches Internat in der Bekaa-Ebene unterstützt.“ Jetzt sei es wichtig, beschädigte Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser wieder aufzubauen.

Der „Christliche Hilfsbund im Orient“ hat hierfür eine Soforthilfe von 50.000 Euro zugesagt. Das Geld soll in der nächsten Woche an die evangelisch-armenische Kirchenunion im Libanon überwiesen werden. Betroffen von der Explosion im Hafenviertel sind vor allem Christen. Sie leben unter anderem im angrenzenden Ortsteil Aschrafiyyai.
 

Keine Anklage an Gott

„Es ist natürlich ein Fragen nach Gott: Wo war er in dieser Situation? Und warum hat er das zugelassen?“ Dennoch nimmt Reineck keine Verzweiflung wahr. „Wir hören wenig Anklage. Der Glaube ist nötiger als der Zweifel. Unsere Partner in Beirut halten daran fest, dass Gott da ist, dass er bei ihnen ist.“

Lukas Reineck ist überzeugt: Die Explosions-Katastrophe könnte sogar zu einer Chance für die ganze libanesische Nation werden. „Im Libanon gab es im letzten Jahr eine Revolution. Korruption war ein riesiges Thema. Der Staat ist bankrott.“ Man merke jetzt eine große Solidarität auf den Straßen. Vor allem junge Leute aus dem Umland seien nach Beirut gekommen, um die Straßen zu säubern und Lebensmittel zu verteilen. „Man merkt, dass das Land durch diese Krise stärker zusammenwächst.“
 

Zukunft der Christen ungewiss

Und wie steht es um die Zukunft der evangelisch-armenischen Christen im Libanon? Werden sie gestärkt aus der Krise hervorgehen? Oder wird die christliche Minderheit um ihr Überleben im Land kämpfen müssen? Lukas Reineck vom „Christlichen Hilfsbund im Orient“ wagt hier keine Prognose. „Der Libanon zeichnet sich ja eigentlich durch seine konfessionelle Vielfalt aus. Wir hoffen, dass das so bleibt.“ Wenn die Solidarität unter den Menschen wachse und der Libanon sich wieder als eine Nation verstehe wie jetzt in der Zeit des Wiederaufbaus, dann glaubt Reineck, „dass die armenischen Christen auch dort bleiben wollen und sich als Zeugen verstehen in einem orientalischen Kontext. Dass sie sich von Gott dort hingesetzt fühlen.“



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