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Alle Urlauber testen lassen!

Leipziger Virologe rät zur Vor- und Zuversicht.

 

 

Deutschland packt die Koffer – die Ferienzeit beginnt. Doch im Reisegepäck fährt auch die Unsicherheit mit: Komme ich aus dem Urlaub gesund zurück oder werde ich womöglich Corona begegnen? 80 Prozent der Deutschen wollen wegen der Corona-Krise in Europa bleiben, Fernreisen planen die wenigsten.

„Und das ist auch gut so“, sagt Professor Uwe Gerd Liebert, er ist Direktor des „Instituts für Virologie“ in Leipzig. Denn Covid-19 ist noch nicht bezwungen und Corona werden mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Viren folgen, die unsere Welt in Atem halten werden. Regina König hat mit Prof. Liebert gesprochen.
 

Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert, Direktor des Instituts für Virologie in Leipzig (Foto: ERF Medien)
Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert, Direktor des Instituts für Virologie in Leipzig (Foto: ERF Medien)

„Wir rechnen insbesondere in der kälteren Jahreszeit, also im Spätherbst und Winter, mit steigenden Infektionszahlen. Aber wir befürchten auch schon steigende Infektionszahlen, wenn die Urlauber am Ende des Sommers aus ihrem Auslandsurlaub zurückkehren oder auch aus dem Inlandsurlaub. Denn wer z.B. in Bayern Ferien macht, hat ein höheres Infektionsrisiko als jemand, der in Sachsen auf seinem Balkon bleibt.“
 

„Wir rechnen mit steigenden Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit.“

Der Konferenzraum im Institut ist zum Zwischenlager geworden: an den Wänden stapeln sich Kartons mit etwa 30.000 Corona-Tests. Im Labor führt derweil das Team von Professor Dr. Uwe Gerd Liebert Testreihen durch mit dem neuartigen Virus. Fast alles dreht sich im „Institut für Virologie“ in Leipzig um Covid-19 und so suchte auch die sächsische Landesregierung in den vergangenen Monaten hier immer wieder den Rat von Professor Liebert. Mit sinkenden Infektionszahlen klopft die Politik nun seltener an, doch für eine Sache will sich der Virologe noch einmal stark machen: „Ich dringe darauf, dass alle Urlaubs-Rückkehrer getestet werden!“

Alle Heimkehrer testen lassen – und noch mehr Vorsichtsmaßnahmen hält der Virologe für sinnvoll, z.B. auf Dauer Masken zu tragen insbesondere bei größeren Veranstaltungen. „In China, Korea und anderen asiatischen Ländern ist das selbstverständlich geworden. Und auch wir müssen uns langsam daran gewöhnen.“
 

Maske dauerhaft als Alltagsgarderobe?

Der Mund- Nasenschutz als Alltagsgarderobe – denn mutmaßlich sei Corona nicht das letzte gefährliche Virus, das die Globalisierung in Umlauf bringen wird, so der Institutsleiter. „Die Hoffnung zu hegen, dass wir die Viren in den Griff kriegen könnten, ist völlig müßig. Als ich angefangen habe mit der Virologie, gingen wir davon aus, dass es etwa 30.000 verschiedenen Viren gibt. Davon waren vielleicht zehn für den Menschen tödlich. Inzwischen rechnen wir eher in der Größenordnung von drei bis 30 Millionen Viren.“
 

Hygieneunterricht an Grundschulen

Doch das sei kein Grund, in Angst und Panik zu verfallen, so Uwe Gerd Liebert. Denn viele Länder in Europa hätten aus der Corona-Pandemie gelernt, zuallererst: wie wichtig Hygiene ist: „Wir müssen darüber nachdenken, ob Hygiene-Unterricht nicht in Grundschulen verankert werden muss. Das Thema muss altersgerecht und immer wieder vermittelt werden.“ Denn ähnlich wie bei der Volkskrankheit Krebs sei es jetzt an der Zeit, auch mit der Gefahr neuer Infektionskrankheiten leben zu lernen.
 

Mit Zuversicht der Krise begegnen

Entscheidend für die Gesundheit einer Gesellschaft seien aber nicht nur medizinische Standards, sondern auch die mentale Einstellung der Bürger. Zuversicht sei dabei ein Schlüssel zum Erfolg, so der Virologe. Er selbst zieht seinen Lebensmut aus dem Glauben an Gott:

Ich weiß, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Was auch immer passiert, da ist noch eine schützende Hand unter mir oder über mir oder seitlich von mir!

 

Mut macht dem Virologen aber auch der Blick auf die vergangenen Monate, denn in der Krise habe sich Deutschland bewährt.


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