Ev. Kirche Lesezeit: ~ 2 min

„Das ist unwürdig für Europa!“

EKD-Ratsvorsitzender verteidigt Mittelmeer-Rettungsmission.

 

 

Ein Bündnis von über 480 Organisationen hat die Evangelische Kirche in Deutschland zusammengetrommelt. Ihr Ziel: ein Schiff ins Mittelmeer schicken. Es soll ausgesetzte Flüchtlinge vor dem sicheren Tod durch Ertrinken retten. 1,3 Millionen hat der Ankauf eines Schiffs und der Umbau zur Sea Watch 4 gekostet. Dennoch ist kein Cent Kirchensteuer dort hineingeflossen. Das Projekt finanziert sich nahezu ausschließlich aus Spenden. Trotzdem hat Bischof Heinrich Bedford-Strohm in den letzten Monaten mächtig Kritik einstecken müssen.
 

Corona- und Mittelmeer-Hilfe nicht gegeneinander ausspielen

Hätte das gleiche Engagement im Krisenmanagement nicht auch gegenüber zahlreichen Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen in Deutschland gelten müssen? Sie waren oft isoliert und von jeglicher Seelsorge abgeschnitten.

Der Ratsvorsitzende verteidigt sich: In den ersten Wochen der Corona-Krise habe es an Schutzkleidung gefehlt. „Woher kommt sie? Sollen wir sie die Pflegerinnen und Pfleger wegnehmen, damit die Pfarrer da rein können? Wine schwierige Sache“, sagt Bedford-Strohm. „Dann kamen die Zahlen der Toten auch in Diakonie-Altenheimen. Es war eine richtig schlimme Situation!“

Man dürfe hier Leid nicht gegen Leid ausspielen. Heinrich Bedford-Strohm lässt auch das Argument nicht gelten: Ein Schiff wie die Hartz IV ermutige Schlepperbanden erst so richtig, Flüchtlinge auf dem offenen Meer auszusetzen. Man würde die humanitären Motive der Schlepperbanden überschätzen. „Die wollen Geld verdienen! Die gehen über Leichen! Und die schicken die Leute da raus. Ganz unabhängig davon, ob da Schiffe in der Nähe sind. Das ist auch, was mir die Menschen von der SeaWatch geschildert haben.“ Nach Ansicht des EKD-Ratsvorsitzenden gebe es keinerlei Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Rettungsschirmen und der Frequenz von Menschen, die auf Boote geschickt werden.
 

Unterlassene Hilfeleistung

Stattdessen sei es ein Gebot der Nächstenliebe Menschen in Not zu helfen, egal welche Motivation sie in ihre Lage gebracht hat. „Es ist eben leider so, dass die staatliche Seenotrettung komplett eingestellt worden ist. Die Sofía-Mission der EU hat ja eine Zeit lang bis vor einigen Jahren den Auftrag gehabt die Schlepperbanden zu zerschlagen, hat aber faktisch auch Flüchtlinge, die im Mittelmeer in Lebensgefahr waren, im fünfstelligen Bereich gerettet. Das ist alles ersatzlos eingestellt worden.“ Der Verzicht Europas auf jegliche Seenotrettung ist für den Ratsvorsitzenden ein Skandal: „Die Leute werden ihrem Schicksal überlassen. Man weiß, dass sie in diesen Booten geschickt werden. Man weiß, dass sie in Seenot geraten.“

Der Bischof beklagt unterlassene Hilfeleistung „ wissend, dass Menschen hier in ganz unmittelbarer Lebensgefahr waren. Es ist einfach unerträglich und unwürdig für Europa.“ Und deshalb hat die Unterstützung der SeaWatch 4 für Heinrich Bedford-Strohm etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun. Etr hofft, dass viele Menschen noch einmal nachdenken, „ob diese Kirche nicht doch ein Ort ist, an dem diese Liebe, von der immer die Rede ist, auch tatsächlich sichtbare Konsequenzen hat.“



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren