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Eine Hungersnot droht

Nicht die Pandemie, sondern eine Heuschreckenplage könnte Menschen in Ostafrika das Leben kosten.

 

 

Leere Lebensmittelregale – mit diesem ungewöhnlichen Anblick waren Deutsche Mitte März vielfach konfrontiert. Daraus erwuchs bei manchem Sorge um Lebensmittelknappheit und es wurde lieber etwas mehr gekauft – für mögliche schlechte Zeiten. Bei vielen steht das gehamsterte Mehl allerdings bis heute unbenutzt im Schrank. Denn das Hamstern war unnötig, für Nachschub an Lebensmitteln war immer gesorgt. Eine beruhigende Erkenntnis.

In anderen Ländern ist dies allerdings anders. So etwa in Ostafrika. Dort haben bereits jetzt circa 20 bis 30 Millionen Menschen zu wenig zu essen. Bald könnten es noch viel mehr sein. Denn Ostafrika hat ein großes Problem und das heißt Heuschrecken. Mitten in der Corona-Pandemie herrscht dort eine der schlimmsten Heuschreckenplagen der letzten 70 Jahre. Besonders betroffen sind Somalia, Äthiopien, der Südsudan und der Norden Kenias. Aber auch im Kongo, in Dschibuti, Eritrea, Tansania, Uganda und dem Sudan herrscht Notstand. Wo weitere Krisenherde entstehen werden, kann niemand sagen. Denn die riesigen Heuschreckenschwärme können am Tag 150 Kilometer zurücklegen.

Wie viele Menschen infolge der Plage in Zukunft in Ostafrika hungern und eventuell auch verhungern werden, ist unklar. World Vision spricht davon, dass weitere 12 Millionen Menschen durch die Heuschreckenplage von Hunger betroffen sein werden, das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) geht sogar von 13 Millionen Menschen aus.
 

Heuschrecken vermehren sich exponentiell

Klar auf der Hand liegt, dass die Heuschreckenplage Ostafrika schlimmer treffen könnte als die Pandemie. Denn ein einziger Quadratkilometer an Heuschrecken kann die Nahrung für 35.000 Menschen vernichten. An manchen Orten wurden Schwärme einer Größe von 40x60 Kilometern gesichtet. Laut World Vision haben die Schwärme in Äthiopien, Kenia und Somalia bereits 400.000 Hektar Land zerstört. In den nächsten Wochen könnten es dort und in den umliegenden Ländern noch viel mehr werden. Was das für die Versorgung Ostafrikas mit Nahrung bedeutet, mag sich niemand ausmalen.

Nicht unerheblich ist dabei die exponentielle Vermehrung der Heuschrecken. Schon nach drei Monaten kann sich die Population verzwanzigfachen, nach neun sogar bis zum 8.000-fachen vermehren. Da die Bedingungen in Ostafrika aufgrund einer langen Regenzeit für die Heuschrecken ideal sind, stehen der Region harte Zeiten bevor. Umso mehr als die Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Pandemie die Bekämpfung der Heuschrecken an vielen Stellen verlangsamen oder ganz zum Erliegen bringen.

Pamela Omwodo, die Managerin von TWR Kenias Lokalradio im Norden des Landes berichtet: „Auch wenn die Neuigkeiten zur Covid-19-Pandemie die Aufmerksamkeit der Medien aktuell komplett bestimmen, zeichnet sich hier in Ostafrika langsam, aber sicher ein weiteres Desaster ab. Nach der Heuschreckenplage Ende 2019 bedroht nun eine zweite Invasion von Wüstenheuschrecken den Norden Kenias und hat bereits begonnen, die Lebensgrundlage vieler Menschen zu zerstören.“

Auch wenn die Neuigkeiten zur Covid-19-Pandemie die Aufmerksamkeit der Medien aktuell komplett bestimmen, zeichnet sich hier in Ostafrika langsam, aber sicher ein weiteres Desaster ab. – Pamela Omwodo, TWR Kenia

 

Herden zerstreut, Märkte geschlossen – ein Desaster für kenianische Hirten

Doch der Fokus der Regierung liegt weiterhin stark auf der Pandemie. Dadurch dass die Menschen angewiesen werden, ihr Haus nicht zu verlassen, leiden viele Hirten zweifach. Sie können ihre Herden nicht versorgen und durch die Heuschreckenplage entfernen diese sich zudem weit von den Hütten der Hirten. Doch die Herden sind der einzige Besitz, den viele afrikanische Hirten haben. Mwalimu stammt aus dem Norden Kenias. Er berichtet: „Es ist Regenzeit. Trotzdem leiden wir als Dorfgemeinschaft, weil es kein Gras für unsere Herden gibt. Diese wandern dorthin, wo es Weideland gibt, und sind weit weg von uns. Denn um uns herum haben die Heuschrecken alles weggefressen. Aufgrund der Entfernung zu den Tieren haben wir keine Milch und kein Fleisch. Auch verkaufen können wir unsere Tiere nicht, denn der Markt ist geschlossen.“

Die Schließung der Märkte war eine Maßnahme der Regierung gegen die Pandemie, doch genau diese Maßnahme macht die schwierige Lage für viele Hirten nun noch schlimmer. Denn Tiere auf dem Markt zu verkaufen ist für viele Hirten die einzige Möglichkeit, schnell an Bargeld zu gelangen. Wenn sie Nahrungsmittel oder andere Güter kaufen wollen, müssen sie Teile ihrer Herden verkaufen. Auch wenn die Weidegründe im Umfeld für die Tiere nicht mehr reichen, wäre ein Verkauf einzelner Tiere für die Hirten lukrativer, als die ganze Herde verhungern zu lassen. Aber diese Möglichkeit ist ihnen aktuell versperrt.
 

„Nahrung ist aktuell unsere größte Sorge.“

Viele Hirten sind daher erzürnt über die regionale Verwaltung, die sie bei der Bekämpfung der Heuschreckenplage ihrer Ansicht nach nicht genug unterstützt hat. Immer wieder haben sich die Bewohner der betroffenen Gebiete Marsabit und Turkana an die regionalen Landwirtschaftsbehörden gewandt. Doch da aufgrund des Lockdowns keine Sitzungen stattfinden, wird auch keine Unterstützung bewilligt – weder zur Bekämpfung der Heuschrecken noch zur Existenzsicherung der betroffenen Hirten.

Mwalimu erzählt weiter: „Als die Heuschrecken das erste Mal kamen, waren nicht viele Familien betroffen und so konnten wir uns untereinander helfen. Aber dieses Mal sind wir alle gleichermaßen betroffen. Niemand wurde verschont. Alle unsere Tiere sind weit weg, deshalb sind wir auf Lebensmittelspenden angewiesen. Doch niemand macht sich auch nur die Mühe, uns nach den Heuschrecken zu fragen. Wir sind überzeugt: Die Regierung hat uns im Stich gelassen. Es fühlt sich so an, als liege der ganze Fokus auf dem Coronavirus. Sie sagen uns, wir dürfen nicht einmal zu den Nachbarn gehen, um uns etwas auszuleihen. Aber selbst wenn diese Krankheit so tödlich ist, auch Hunger kann tödlich sein. Nahrung ist aktuell unsere größte Sorge.“

Alle unsere Tiere sind weit weg, deshalb sind wir auf Lebensmittelspenden angewiesen. Doch niemand macht sich auch nur die Mühe, uns nach den Heuschrecken zu fragen. Wir sind überzeugt: Die Regierung hat uns im Stich gelassen. Es fühlt sich so an, als liege der ganze Fokus auf dem Coronavirus. – Mwalimu aus Kenia

 

Elizabeth, eine andere Betroffene aus dem Norden Kenias, weiß Ähnliches zu berichten. Ihre Sorge ist vor allem, dass bei der Versorgung die Tiere der Geschädigten vergessen werden. Sie berichtet: „Durch das Coronavirus ist es uns nicht möglich, unsere Hütten zu verlassen und Nahrung zu suchen. Dadurch sind wir noch mehr auf unsere Herden angewiesen. Es wäre daher schön, wenn wir auch Nahrung für unsere Tiere und nicht nur für uns selbst erhielten. Wenn nur wir Essensspenden erhalten, aber nicht unsere Tiere, haben wir ein großes Problem, weil unsere Herden dann verhungern.“ Elizabeth hat acht Kinder zu versorgen: vier eigene und vier Waisenkinder.
 

Vertrauen auf Gott bleibt

Die Lage im Norden Kenias und an vielen anderen Stellen in Ostafrika ist komplex und bedrohlich für alle Betroffenen. Selbst ausländische Hilfsorganisationen können aufgrund der Pandemie nur eingeschränkt helfen. Vielen Geschädigten bleibt daher nur ihr Glaube, sofern sie Gott bereits kennen. Sogorte stammt aus einer der betroffenen Regionen und ist Christ. Er ist überzeugt: „Diese Corona-Pandemie und die Heuschreckenplage – das ist nichts Neues. Vor langer Zeit, als ich ein kleiner Junge war, gab es schon mal eine Heuschreckenplage und viele andere Krankheiten, aber sie kamen und gingen. Auch diese Zeit wird vorübergehen. Lasst uns Gott bitten, dass er uns vor dem Coronavirus und den Heuschrecken beschützt, denn aus eigener Kraft können wir diese Dinge nicht bekämpfen.“

Auch diese Zeit wird vorübergehen. Lasst uns Gott bitten, dass er uns vor dem Coronavirus und den Heuschrecken beschützt, denn aus eigener Kraft können wir diese Dinge nicht bekämpfen. – Sogorte aus Kenia

 

Dass dem so ist, weiß auch das Team von TWR Kenia. Genau in einer der betroffenen Regionen, der Region Marsabit, strahlen sie Sendungen über UKW aus. Das Leid ihrer dortigen Hörerschaft setzt ihnen zu. Doch mit christlichen Programmen versuchen sie die Menschen im Land zu ermutigen. Diese enthalten oft auch hilfreiche praktische Tipps.

Ein Hörer schreibt auf ein neues Programm mit Infos zum Coronavirus: „Danke für das Weitersagen der guten Nachricht. Unser Gebet ist, dass Gott uns auch durch diese Zeiten bringt. Am Ende werden wir Überwinder sein, daher lasst uns unser Vertrauen ganz in Gott setzen. Danke für euer Angebot, für uns zu beten. Wir brauchen Gottes Schutz, um gesund zu bleiben, und seinen Frieden, um diesen widrigen Bedingungen mit Gelassenheit und Gottvertrauen zu begegnen. Aber vor allem betet, dass wir Gott besser kennenlernen.“
 

Für Menschen in Krisenregionen beten

Es ist beeindruckend, wenn Menschen in solch schweren Lebenslagen ihr Vertrauen ganz auf Gott setzen, wie es diese Hörer in Kenia tun. Doch dabei brauchen sie neben praktischer Hilfe unser Gebet, um diese schwere Krise durchzustehen. Und auch die Menschen in Pakistan, Indien, Zentralasien und auf der arabischen Halbinsel (dort insbesondere den Jemen) brauchen unsere Gebete. Denn dort bedrohen ebenso wie in Ostafrika riesige Heuschreckenschwärme die Lebensgrundlage vieler Menschen.

In all diesen Gebieten strahlt unser Partner TWR Hoffnungsbotschaften über Radio aus. Unser gemeinsames Anliegen ist, dass viele Menschen gerade in Zeiten wie diesen davon erfahren, dass wir bei Gott all unsere Sorgen abgeben können, und erleben, dass es eine Hoffnung über unser irdisches Leben hinaus gibt. Damit diese Hoffnungsbotschaften weiterhin Menschen in Not erreichen, hilft uns Ihre Gebetsunterstützung und Ihre Spende.
 

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Gebetsanliegen:

  • Wir beten, dass die Sendungen von TWR Kenia Menschen in den betroffenen Regionen ermutigen.
  • Wir beten, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Heuschreckenplage in Ostafrika und allen betroffenen Gebieten trotz Pandemie ergriffen werden können und Gott Bewahrung schenkt, dass das Virus dadurch nicht weiterverbreitet wird.
  • Wie bitten, dass eine Hungersnot in Ostafrika abgewendet werden kann und Hilfsorganisationen wieder mehr Möglichkeiten haben, Betroffene mit Nahrung und Hilfsgütern zu erreichen.

 


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