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Tränen der Erleichterung

Die Tafeln Deutschland helfen auch in Zeiten von Corona – unter erschwerten Bedingungen.

 

 

Als die Corona Pandemie Deutschland erreichte, reagierte die Bevölkerung mit einem vermehrten Kauf von Lebensmitteln: Nudeln, Reis, Mehl und Klopapier. Diese und weitere Artikel waren plötzlich gefragt wie nie. Bilder von leeren Regalen machten in den sozialen Netzwerken die Runde. Übrig blieben oft nur die teuren Produkte, die sich Menschen mit geringem Einkommen nicht leisten können. Und jetzt auch Viele, die in Kurzarbeit sind, oder ihre Nebenjobs verloren haben und dadurch weniger Einkommen haben. Ihnen bleibt dann oft nur der Weg zu den Tafeln.

Doch auch auf die Arbeit der Tafeln selbst wirken sich die Folgen der Pandemie aus: Viele ehrenamtliche Helfer bei den Tafeln gehören aufgrund ihres Alters selbst zur Risikogruppe. Deshalb haben derzeit noch rund 140 Tafel-Einrichtungen geschlossen.
 

Jochen Brühl, Geschäftsführender Vorstand bei den Tafeln Deutschland, sagt über die Versorgung mit Lebensmitteln:

Wir haben in bestimmten Gebieten eine ausreichende Anzahl von Lebensmitteln und in anderen Gebieten ein Überangebot, weil es Tafeln gibt, die noch geschlossen haben und die meisten Tafeln, die wir geöffnet haben, sind natürlich in einer ganz anderen Weise geöffnet: In einem Notbetrieb. Die Tafeln, die liefern, haben ihre Zeiten verändert, weil das Anstehen länger dauert, weil die Hygienemaßnahmen eingehalten werden, die vorher in dem Maße mit Mundschutz oder Plexiglas Verkleidungen so nicht notwendig war. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass natürlich vor allen Dingen die Menschen unter so einer Krise leiden, die sowieso schon am Rand der Gesellschaft standen.

 

„Die Leute haben geweint“

Die Folgen der Corona Pandemie führen zu einer Veränderung im Kundenstamm der Tafeln. Jochen Brühl stellt fest, dass jetzt mehr Menschen kommen, die die Tafeln bisher nicht in Anspruch genommen haben:

Junge Menschen, die Nebenjobs in Theatern, in kulturellen Settings gehabt haben, die studieren und die ihre Nebenjobs verloren haben. Auch viele Selbstständige, die Musik machen oder im kulturellen Bereich oder an anderen Stellen tätig sind, die sich das bisher gar nicht haben vorstellen können, auf so eine Organisation angewiesen zu sein. Und wir hatten Leute da, die vor Erleichterung geweint haben, weil wir ihnen Lebensmittel zur Verfügung gestellt haben. Die wussten gar nicht mehr, wie sie den Kühlschrank füllen sollen. Die Zahl ungefähr bleibt gleich. Aber die Personen sind andere. Das sind die, die bisher nicht darauf angewiesen waren und die, die zur Risikogruppe gehören und deshalb im Moment nicht kommen.

 

„Der Staat muss die Menschen versorgen“

Auch die älteren Menschen, die derzeit nicht zu den Tafeln kommen, behalten die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter im Blick – sei es durch Telefonanrufe oder durch eine Lebensmittellieferung an die Haustür. Gleichzeitig sieht Jochen Brühl hier die Regierung in besonderer Verantwortung:

Der Auftrag des Staates ist, diese Menschen zu versorgen. Das ist ganz klar. Und wir sehen natürlich, dass die ärmsten in dieser Krise besonders betroffen sind. Es werden viele Hilfspakete geschnürt und natürlich gibt es auch erste Angebote, dass der Staat sagt: ‚Wir unterstützen auch Menschen, die im Grundleistungssektor sind und wir unterstützen aber auch Kinder und Jugendliche.‘ Aber das reicht natürlich nicht.

 

„Wir brauchen einen Blick für die Menschen“

Deshalb fordert die Tafel Deutschland zusammen mit anderen Organisationen, dass der Staat die von Armut Betroffenen nachhaltig unterstützt, statt nur kurzfristige finanzielle Hilfe zu leisten. Zusätzlich sind die Tafeln da und bieten den Menschen praktische Hilfe an. Und wer die Tafeln unterstützen möchte, kann das ebenfalls gerne tun, sagt Jochen Brühl.

Ein Aspekt ist ihm dabei besonders wichtig:

Ich glaube, so ein erster Punkt ist, dass wir die Menschen um uns wahrnehmen. Ich werde oft gefragt: ‚Was können wir tun?‘ Ich merke, dass wir einfach einen Blick brauchen für die Menschen, denen es nicht gut geht. Wenn man sich vor Ort engagieren möchte, kann man die vor Ort fragen, was sie brauchen. Brauchen die Lebensmittel, brauchen die Manpower, brauchen die vielleicht Geld. Und ich sage auch Menschen, die Geld haben aber keine Zeit: ‚Dann spende.‘ Es gibt so viele Möglichkeiten, sich da zu engagieren und sich dann auch davon zu überzeugen, was mit dem Geld passiert.

 



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