Bericht Lesezeit: ~ 2 min

Gemeinschaft leben trotz Kontaktverbot

Von Küchentischgottesdiensten, Botschafter-Postkarten und dem 18h-Läuten.

 

 

Ein Gottesdienstverbot – noch vor kurzem wäre das in Deutschland undenkbar gewesen. Doch seit vergangenem Sonntag bleiben bundesweit die Kirchentüren zu. Jetzt wandert die Gemeinde ins Netz: mit Livestream-Gottesdiensten und Audios versuchen viele Pfarrer, den Kontakt zu halten zu ihren Gemeindegliedern. Wer es allerdings weiterhin gerne analog mag, für den hat das Evangelische Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik, das Michaeliskloster in Hildesheim, ein besonderes Angebot: einen Küchentisch-Gottesdienst. Und dazu noch weitere Vorschläge, wie Glauben ohne Ansteckungsgefahr gelebt werden kann. Regina König hat mit dem Direktor des Zentrums gesprochen, mit Prof. Dr. Jochen Arnold.
 

„Wenn wir als Familie es sonntags manchmal nicht zum Gottesdienst geschafft  haben, dachte ich schon oft, dass man eigentlich für Zuhause ein kleines Gottesdienstformat brauchen würde. Ich hab den Kindern dann eine Geschichte aus der Bibel vorgelesen und wir haben darüber gesprochen. Aber mit diesem Gottesdienstentwurf hat nun alles richtig Hand und Fuß.“ Gottesdienst feiern rund um den Küchentisch – die Liturgie ist einfach gehalten, auf dem Entwurf des Hildesheimer Michaelisklosters finden sich Gebete, Segensworte, Lieder und ein geistlicher Impuls.
 

Gottesdienst zeitgleich feiern mit anderen Familien

Eine brennende Kerze auf dem Tisch und ein kleines Holzkreuz lassen eine feierliche Atmosphäre entstehen. Möglichst sollten die Küchentisch-Gottesdienste in einem Ort zeitgleich stattfinden – und zwar dann, wenn die Glocken läuten. So entsteht trotz Distanz ein Gefühl von Gemeinschaft, ist Prof. Arnold überzeugt.
 

Postkarten als „frohe Botschafter“

Und noch mehr Gemeinschaft bietet das Hildesheimer Michaeliskloster an: jeden Dienstag wird ab jetzt die Mittagsandacht live über Facebook gestreamt. Außerdem sind Postkarten über die Homepage abrufbar, die als „Frohe Botschafter“ bei Gemeindegliedern oder Pfarrämtern in den Briefkästen landen können. Prof. Arnold:

„Auf den Karten ist u.a. ein Bibeltext zu lesen und wenn die Menschen clever sind, schreiben sie ihre Gebetsanliegen mit auf die Postkarte, z.B. wenn sie einen Menschen kennen, der in Quarantäne leben muss oder krank ist, oder für Kinder, die unter Ausgangssperren leiden - all das kann dort notiert werden.“
 

Ein „Vater Unser“ zum 18h - Läuten

Auch eine sehr alte Tradition könnte mitten in der Corona-Krise wieder aufleben: dass Christen zum allabendlichen Glockengeläut um 18h - zwar räumlich getrennt, aber zeitgleich - ein kurzes Gebet sprechen. „Das sind ja uralte Zeichen, dass Menschen sich zum Gebet versammeln und erinnert werden z.B. an das `Vater Unser`. Da hoffe ich, dass diese geistliche Praxis in den Häusern wieder entdeckt wird und man sich gegenseitig stärkt.“

Bei allen großen Herausforderungen, die die Corona-Krise mit sich bringt – sie kann für Gemeinden auch zum Lernfeld werden, ist Prof. Arnold überzeugt. So werden Christen nach der Epidemie sicher noch mehr digital unterwegs sein und z.B. Livestream-Gottesdienste oder Gebetsgemeinschaften über soziale Medien anbieten. Doch letztendlich hofft Jochen Arnold, dass Kirche sich auch analog verändern wird: „Kirche könnte sich dahingehend verändern, dass Menschen nach der Krise wieder dankbar dafür werden, dass sie im Gottesdienst als Gemeinschaft tatsächlich zusammen kommen können und den sonntäglichen Gottesdienst ganz neu als Geschenk erkennen. Das ist meine große Hoffnung und Vision.“



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren