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Mit Dampfreiniger und Twitter gemeinsam beten

Wie Christen in Zeiten von Corona Glauben leben ohne Ansteckungsgefahr.

 

 

Vor einer Woche war das noch undenkbar, am Sonntag wurde es Realität: bundesweit wurden wegen der Corona-Krise Gottesdienste abgesagt. Die Empfehlung aus den Landeskirchenämtern kam kurzfristig – schließlich überschlagen sich die Entwicklungen. Die Zahl der Infizierten steigt exponentiell, mehr als 6.200 bestätigte Fälle sind es zur Zeit in Deutschland, Stand Montag Mittag. Glauben leben ohne Ansteckungsgefahr – wie funktioniert das? Regina König im Gespräch mit Stephan Steinseifer.

 

ERF Medien: Regina, wie kann man jetzt als Christen zusammen stehen ohne Ansteckungsgefahr?

Regina König: Das Internet macht mitten in der Pandemie natürlich vieles möglich. So sammelt z.B. die Evangelische Kirche in Deutschland, kurz EKD, auf ihrer Homepage verschiedene digitale Angebote unter dem Stichwort – „Kirche von zu Hause – Alternativen  in Zeiten von Corona“. Auf Gottesdienste im Livestream wird dort hingewiesen und auf Online-Gemeinschaften über Twitter. So kann man gemeinsam mit anderen unter dem Hashdag #Twaudes und #Twomplet morgens um 7h und abends um 21h eine Gebetsgemeinschaft erleben, bei der man sich auch Gebetsanliegen austauscht.
 

Gebetsgemeinschaft über Twitter

Regina König: Dann will die größte evangelische Landeskirche, die Landeskirche Hannovers, in dieser Woche eine eigene Webseite eröffnen, auf der sie Ideen vorstellt, wie in Zeiten ohne Gottesdienst, ohne Gemeindegruppen und persönliche Begegnung Kirche trotzdem nah bei den Menschen sein kann. Gemeinden werden aufgefordert, ihre Vorschläge und Projekte mitzuteilen.
 

Gottesdienst am Küchentisch

Regina König: Ganz schnell reagiert hat das Michaeliskloster in Hildesheim; dort wurde eine Liturgie erarbeitet, mit deren Hilfe man einen Gottesdienst zu Hause am Küchentisch feiern kann – also ganz analog und in kleiner Gruppe. Diese Liturgie ist auch auf der Seite der Hannoverschen Kirche abrufbar.
 

ERF Medien: Seit einigen Jahren gibt es ja in Deutschland eine große Gebetsbewegung –  sogenannte Gebetshäuser sind im ganzen Land entstanden, in denen rund um die Uhr gebetet wird. Wie wird dort reagiert auf die Coronakrise?

Regina König: das bekannteste ist das Gebetshaus Augsburg, alle öffentlichen Veranstaltungen werden dort gestrichen, aber die Vorträge per Livestream übertragen. Es wird gebeten, auch die Gebetsräume nicht mehr zu nutzen. Der Gebetshausgründer Johannes Hartl ruft gemeinsam mit „Europe Shall Be Saved“ dazu auf, drei Tage zu fasten, und zwar vom 18.-20. März.
 

Gebetsraum säubern mit Dampfreiniger

Regina König: Telefoniert habe ich auch mit dem Gebetshaus Dresden, dort leben mehrere Familien auf einem Hof zusammen. Auch sie haben alle öffentlichen Veranstaltungen gecancelt, Lobpreisabende werden per Livestream ins Netz gestellt. Der Gebetsraum bleibt geöffnet, aber nur 3 Menschen haben gleichzeitig Zutritt. Und dieser Raum wird, das fand ich sehr eindrücklich, jeden Abend mit Dampfreiniger durchgesaugt. Ihre Gebetsanliegen: Erweckung, Heilung, sie beten für das Krankenhauspersonal und danken für unsere Politiker.


ERF Medien: Grundsätzlich, Regina, wie empfindest du zur Zeit die Stimmung in Kirchen und Gemeinden?

Regina König: Es gibt einzelne Stimmen, die die Maßnahmen zu restriktiv und übertrieben finden, aber grundsätzlich treffe ich auf Vernunft und Einsicht. Die Hygienevorschriften werden eingehalten und ich habe den Eindruck, dass eine gewisse kreative Energie freigesetzt wird, wie Glauben gelebt werden kann ohne Ansteckungsgefahr.
 

Herausforderung: über Wochen digital Gemeinde leben

Regina König: Natürlich stehen wir erst am Anfang, und die Kunst wird es sein, über Wochen digital das Gemeindeleben aufrecht zu erhalten. Falls noch mehr Menschen in Quarantäne leben müssen, werden sicher auch noch diakonische Angebote dazu kommen wie Einkaufsdienste oder organisierte Telefondienste. Es wird noch viel Durchhaltevermögen und Kreativität von uns verlangt, aber ich habe den Eindruck, die Energie dazu ist da in den Gemeinden und der Wille: wir packen das an.   


ERF Medien: Danke für das Gespräch.



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