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Bis an die Enden der Erde

Zu Besuch bei den Quechua-Indianern in den Anden Boliviens. Ein Reisebericht von Claudia Schmidt.


„Heute geht’s in die Berge auf über 4.000 Meter. Danke für eure Gebete!“ Diese Nachricht schicke ich kurz vor unserer Abfahrt an einige Freunde und Kollegen in Deutschland. Ich bin in Cochabamba, im Westen Boliviens, zusammen mit einigen europäischen und bolivianischen Kollegen unseres Partners TWR. Noch vor Morgengrauen machen wir uns auf den Weg.

Unser Ziel ist der Altiplano, eine atemberaubend schöne Hochebene im Westen Boliviens an der Grenze zu Peru. In den abgelegenen Bergdörfern hoch oben in den Anden wollen wir einige christliche Radiostationen und Gemeinden der Quechua-Indianer besuchen. Doch der Weg zu den Nachfahren der Inkas ist steil und stellenweise nicht ganz ungefährlich. Gut 2.000 Höhenmeter liegen vor uns.

Unser bolivianischer Fahrer scheint die Strecke gut zu kennen. Zielsicher steuert er den Geländewagen die Serpentinenstraßen entlang durch die dunkle Nacht. Je höher wir kommen, desto schlechter wird die Sicht. Als unser Fahrer trotz dichtem Nebel plötzlich zu einem riskanten Überholmanöver ansetzt, stockt mir für einen Moment der Atem. Ich kneife die Augen zusammen und bete: „Bloß jetzt kein Gegenverkehr!“. Als ich nach einigen Sekunden die Augen wieder öffne, ist die Gefahr gebannt. Erleichtert kommt ein leises „Danke, Herr!“ über meine Lippen.
 

Ob sich der lange Weg lohnt?

Wir rollen weiter, immer höher hinaus, dem Himmel entgegen, bis ans Ende der Welt. So fühlt es sich an. Fasziniert beobachte ich, wie die ersten Sonnenstrahlen langsam hinter den Bergen hervorkommen. Ein neuer Tag bricht an. Kein gewöhnlicher Tag. Im Stillen frage ich mich, ob sich dieser lange Weg durch die Berge wirklich lohnt, nur um ein paar Radiostationen und Christen in abgelegenen bolivianischen Bergdörfern zu besuchen. Noch immer liegt ein gutes Stück Weg vor uns und unser Fahrer macht den Eindruck, als wolle er keine unnötige Zeit verlieren.

Als es schließlich immer heller wird und die Sonnenstrahlen sich wie ein goldgelber Filter über die steilen Felswände legen, kann ich nur noch staunen. Was für ein majestätisch schöner Anblick. Mittlerweile sind wir auf fast 3.500 Metern angekommen. Die Luft wird dünner. Das merke ich deutlich, als ich bei der nächsten Rast ein paar Meter laufe, um mir die Füße zu vertreten. Nach einem heißen Kaffee ist der Start in den Tag für mich gerettet. Es kann weitergehen zur nächsten Etappe.

Kurz nach Mittag sind wir endlich am Ziel. Als wir mit etwas Verspätung an unserer ersten Station in Uncía ankommen, werden wir bereits freudig erwartet. Es ist ein buntes Treiben: Jungen und Mädchen in roten Schuluniformen. Dazwischen einige traditionell gekleidete Quechua-Frauen, die mit ihren langen, schwarzen Zöpfen, Strohhüten und bunten Röcken das fröhliche Bild abrunden.
 

Gutes Lehrmaterial für Quechua-Kinder

Mit meinem gebrochenen Spanisch versuche ich mich zu verständigen. Nach kurzer Zeit schart sich eine ganze Traube junger Quechua-Mädchen um mich, die interessiert meinen Worten lauschen. Sie erzählen mir, wie gut es für sie ist, dass sie ihre Muttersprache Quechua nun offiziell in der Schule sprechen und lernen dürfen.

Über 2 Millionen Kinder in Bolivien sprechen zu Hause in ihren Familien Quechua. Seit 2012 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass neben Spanisch auch die lokalen Dialekte offiziell an den Schulen unterrichtet werden. Aber es fehlt an gutem Lehrmaterial. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von TWR aus 2017.

Pastor Diego Davila Martinez, der für unseren Partner in Bolivien schon viele Jahre christliche Radiosendungen in Quechua produziert, erklärt: „Das wenige Lehrmaterial, das es für Kinder in Quechua gibt, ist durchzogen von animistischem Geisterglauben und Ahnenkulten. Die Menschen beten Mutter Erde als Gottheit an. Das alles vermischt sich mit dem traditionellen Glauben.“

Das wenige Lehrmaterial, das es für Kinder in Quechua gibt, ist durchzogen von animistischem Geisterglauben und Ahnenkulten. Die Menschen beten Mutter Erde als Gottheit an. Das alles vermischt sich mit dem traditionellen Glauben. – Pastor Diego, RTM Bolivien

 

Radiowellen kennen keine Grenzen. Möchten Sie uns helfen, die Gute Nachricht von Jesus bis an die Enden der Erde zu bringen? ERF GlobalHope unterstützt Quechua-Programme für Kinder in Bolivien und viele andere Projekte. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung.

Zusammen mit seinem Produktionsteam hat er deshalb die Hörspielreihe „Wawasman Yachachina“ entwickelt. Die Programme vermitteln Kindern und Erwachsenen auf kreative und unterhaltsame Weise einige sprachliche Grundlagen in Quechua, aber auch biblisches Wissen und christliche Werte. Themen wie Ehrlichkeit, Respekt, Verantwortung, Freundschaft und Nächstenliebe geben den Schülern wichtige Impulse für ihr Leben.

Für die Schulkinder aus Uncía, mit denen ich ins Gespräch komme, sind die Radioprogramme eine wertvolle Ergänzung für ihren Unterricht. Mit Begeisterung bringen sie auch mir einen wichtigen Satz in ihrer Muttersprache bei: „Jesus munakusunki“, was so viel heißt wie „Jesus liebt dich“.
 

„Nur selten kommen Missionare zu uns in die Berge“

Nach einer kurzen Stärkung heißt es Abschiednehmen. Auf unserem Programm stehen noch drei weitere Radiostationen, die unseren Besuch erwarten. Überall treffen wir auf strahlende Gesichter und Menschen, die uns herzlich empfangen. Sie öffnen ihre Häuser und teilen mit uns das Wenige, was sie haben, wie zum Beispiel Kartoffeln und Eier.

Am späten Nachmittag treten wir den Rückweg an. Beim Abschied sagt Alejandra, eine junge Quechua-Frau: „Danke, dass ihr gekommen seid. Es gibt nicht viele Missionare, die den langen Weg auf sich nehmen, um uns hier oben in den Bergen zu besuchen.“ Die Worte bewegen mich.

Danke, dass ihr gekommen seid. Es gibt nicht viele Missionare, die den langen Weg auf sich nehmen, um uns hier oben in den Bergen zu besuchen. – Alejandra, Quechua-Frau

 

Auf dem Weg ins Tal lasse ich den Blick schweifen und genieße die faszinierende Berglandschaft in der schimmernden Abendsonne. In Gedanken gehe ich die vielen Begegnungen und Eindrücke noch einmal durch. Was für ein Tag! Mir kommt meine Frage vom Morgen wieder in den Sinn: „Lohnt sich der lange Weg?“ – „Ja, auf jeden Fall. Er hat sich gelohnt“, denke ich.

Nach mehr als 22 Stunden liege ich endlich im Bett – todmüde, aber zutiefst dankbar und zufrieden. Es war ein langer, aber unvergesslicher Tag, an dem Gott mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, dass seine Hoffnungsbotschaft verbreitet wird – bis an die Enden der Erde.

 



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Kommentare

Von Nelson am .

Hi, Great to read "To the ends of the earth".
God bless your ministry. - Nelson, Kerala, INDIA

Von Sabine mir B. am .

Wundervoll....


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