Interview Lesezeit: ~ 3 min

Vertrauen gewinnen – Versöhnung gestalten

Tobias Bilz wird nach dem Rücktritt Carsten Rentzings neuer sächsischer Landesbischof.

 

 

Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens hat am Samstag in Dresden Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz mit deutlicher Mehrheit im dritten Wahlgang zum Bischof ihrer Kirche gewählt. Auf den 55-jährigen Theologen, der mit 48 von 79 abgegebenen Stimmen gewählt wurde, warten große Herausforderungen: die von Grabenkämpfen erschöpfte Kirche braucht Versöhnung und Zuversicht. Regina König hat die Wahl für uns beobachtet. Stephan Steinseifer hat mit ihr gesprochen.


ERF Medien: Was zeichnet den frisch gewählten Landesbischof aus?

Regina König: Vielleicht zuallererst seine Art, sich zu präsentieren, das macht er nämlich mit einer gewissen selbstironischen Leichtigkeit. Nach all den hoch emotional aufgeladenen Debatten rund um den Rücktritt Rentzings haben die Synodalen sich damit für einen Mann entschieden, der nicht aufgetragen pastoral daherkommt, sondern eher wie der freundliche Nachbar, mit dem man sich auch mal zum Grillen treffen möchte.

Direkt nach der Wahl zeigte er sich sehr bewegt, seine ersten Worte an die Synode waren diese: „Ich danke sehr für das große Vertrauen, das ich empfinde von Ihnen. Und das ist auch ein Zeichen, das wir zusammenstehen werden in dem, was auf uns zukommt. Ich nehme allerdings auch wahr, dass Vertrauen noch wachsen muss.“ Übrigens: trotz „freundlicher Nachbar – Image“: Tobias Bilz ist alles andere als ein Newcomer. Seit gut einem Jahr ist er Oberlandeskirchenrat und damit Teil des kirchlichen Verwaltungsapparates. Und zuvor war er elf Jahre lang Chef der evangelischen Jugendarbeit in Sachsen.
 

Bilz: „Das Wahlergebnis ist ein Zeichen der Einheit“

ERF Medien: Drei Wahlgänge waren nötig, und zwischen den einzelnen Wahlgängen müssen jeweils drei Stunden Zeit liegen. Wie war die Stimmung?

Regina König: Ganz anders als bei der vergangenen Wahl 2015. Da gab es verschiedene Lager, die einen wollten unbedingt ihren konservativen Kandidaten Carsten Rentzing, die anderen wollten gerade ihn nicht. Es gab hitzige Debatten in kleinen Gruppen, die Atmosphäre im Raum schien förmlich zu knistern. Am Samstag war die Lage viel entspannter, sicher auch deshalb, weil sich die drei Kandidaten inhaltlich nicht wirklich voneinander unterscheiden. Und die Sehnsucht nach Harmonie und Einigung scheint nach den Vorgängen rund um den Rücktritt Rentzings doch groß zu sein: anders als bei vergangenen Bischofswahlen, die in der Regel sehr knapp ausfielen, kommt Bilz jetzt mit einer satten Mehrheit ins Amt. Er selbst bezeichnet das Ergebnis als ein „Zeichen der Einheit“.


Nach Grabenkämpfen um den Rücktritt Rentzings jetzt Versöhnung notwendig

ERF Medien: Was wird die größte Herausforderung des neuen Amtsinhabers sein?

Regina König: Auch wenn die Sehnsucht nach Harmonie groß ist, heißt das ja nicht, dass Harmonie besteht. Nach dem Rücktritt Rentzings fühlt sich der konservative Flügel seines Bischofs beraubt. Und die liberalen Kräfte wehren sich gegen das Stigma des „Bischofsmörders“. Es wird also tatsächlich eine der großen Aufgaben des neuen Landesbischofs sein, zwischen den einzelnen Strömungen Gespräche herzustellen und zu moderieren.

Ganz grundsätzlich steht die sächsische Kirche vor ähnlichen Herausforderungen wie alle anderen Landeskirchen auch: der stetige Mitglieder-rückgang zwingt zu Strukturreformen, die schon jetzt schmerzlich greifen. Es gibt ländliche Gebiete, wo sich mehr als 10 Kirchgemeinden zu einer einzigen vereinigen mussten. Wie der ganze Osten ist auch Sachsen stark säkularisiert – und die größte Herausforderung ist natürlich, Menschen wieder neugierig zu machen auf das Evangelium, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen.
 

ERF Medien: Vielen Dank für das Gespräch.
 


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