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Bloß nicht anecken

Mit Humor und Harmonie ins Bischofsamt.

 

 

Auf polarisierende Statements verzichten sie: die drei sächsischen Bischofskandidaten Tobias Bilz, Ulrike Weyer und Andreas Beuchel. Was sie sonst noch eint: ihre Sehnsucht nach Frieden. Denn der fehlt in ihrer Kirche nach dem polarisierenden Rücktritt von Landesbischof Rentzing. In dieser Woche stellen sie sich der Öffentlichkeit vor, Regina König war beim Auftakt in Dresden dabei. Über ihre Eindrücke hat Ute Heuser-Ludwig mit ihr gesprochen.

 

ERF Medien: Regina, wer sind die drei?

Regina König: Alle drei sind gebürtige Sachsen. Zwei von ihnen haben sich schon einmal einer Bischofswahl gestellt und unterlagen: Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz kandidierte 2015 gemeinsam mit Carsten Rentzing und unterlag sehr knapp. Bilz war viele Jahre Landesjugendpfarrer. Die Plauener Superintendentin Ulrike Weyer kandidierte im vergangenen Jahr um das Amt der Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Der Dritte im Bunde ist der Meißener Superintendent Andreas Beuchel. Er war acht Jahre lang Rundfunkbeauftragter der sächsischen Kirche.
 

ERF Medien: Die Kandidaten haben sich in der Dresdner Himmelfahrtskirche der Öffentlichkeit vorgestellt, wie war die Stimmung in den Kirchenbänken?

Regina König: Das Interesse war groß, etwa 800 Besucher sind gekommen. Vorausgegangen ist der Wahl ja nach dem Rücktritt des als konservativ geltenden Rentzings ein innerkirchliches Beben. Unversöhnlich scheinen sich seither links-liberale und konservative Kräfte gegenüber zu stehen. Das hat sich aber in Dresden gestern gar nicht bemerkbar gemacht. Es gab die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Das wurde umfänglich genutzt. Dabei ging es u.a. darum, inwieweit sich Kirche in Politik einzumischen hat oder wie man mit der innerkirchlichen Polarisierung nach dem Rücktritt des Landesbischof umgehen sollte.   
 

Das Interesse der Öffentlichkeit ist groß

ERF Medien: Welche Aufgabe wird die dringlichste sein, die auf den neuen Amtsinhaber oder Amtsinhaberin wartet?

Regina König: Die sächsische Kirche ist lebendig. Viele engagieren sich an der Basis und sind alles andere als Mitläufer. Wer selber denkt und glaubt, bezieht allerdings auch Position. Und so stehen sich gerade in Sachsen Protestanten mit stark ausgeprägtem Glaubensprofil gegenüber, von links-liberal bis konservativ. Durch den Rücktritt von Carsten Rentzing im Herbst des vergangenen Jahres sind die Gräben erneut aufgebrochen – emotionaler als zuvor.

INFO:
Die Wahl des neuen Landesbischofs oder der neuen Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche in Sachsen findet statt am 29. Februar und am 1. März. Der Landesbischof wird von der Landessynode in geheimer Wahl für eine Amtsdauer von 12 Jahren gewählt.

Und das wird wohl auch die größte Aufgabe des neuen Amtsinhabers sein: einladen zum offenen und ehrlichen Austausch, damit Kirche auf Dauer nicht versinkt in Selbstbespiegelung. Denn die Aufgaben bleiben groß: wie gebe ich das Evangelium weiter in einer säkularisierten Gesellschaft bei immer kleiner werdenden Ressourcen.
 

Nach dem Rücktritt Rentzings offener und ehrlicher Austausch notwendig

ERF Medien: Ist schon abzusehen, wer die Wahl für sich entscheiden wird?

Regina König: Nein, weil sich die Kandidaten in ihrem Profil nicht deutlich voneinander unterscheiden. Alle drei haben in fast allen Fragen, die gestern auf den Tisch kamen, eine ähnliche Meinung. Jeder will das Gespräch suchen mit allen Interessengruppen, jeder will, dass Kirche sich gesellschaftspolitisch einmischt, aber nicht parteipolitisch, alle drei wünschen sich eine fröhliche Kirche. 
 

Beuchel: „Mission ist Herzschlag der Kirche“

ERF Medien: Was unterscheidet die drei Kandidaten?

Regina König: Kontur gewinnt Tobias Bilz, wenn er sagt, Kirche solle nicht immer mit moralischem Zeigefinder dastehen und dass er als Bischof den Alltag der Gemeinden teilen will. Andreas Beuchel betont, der Herzschlag der Kirche sei die Mission. Und Ulrike Weyer will ihrer Kirche ein herzliches Gesicht geben, aber mit Klarheit. Tobias Bilz und Andreas Beuchel punkten mit Humor, von pastoraler Amtsattitude ist bei ihnen nichts zu spüren. Ulrike Weyer wirkt sehr herzlich, innig, verbindlich. Summa summarum sind alle drei auf Harmonie gebürstet – und vielleicht ist das ja auch genau das, was die sächsische Landeskirche zur Zeit braucht.


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