Asyl Lesezeit: ~ 2 min

Zwei Könige fehlen an der Krippe

Aktionskünstler entwenden in Berliner Gemeinde zwei Figuren. Doch Pfarrer Lukas Pellio zeigt Verständnis.

 

 

„Ein älterer Mann, der vor etwa zwei Jahren bei uns im Kirchenasyl war, hat gesagt: Er ist schon seit dreißig Jahren auf der Flucht. Doch hier im Kirchenasyl konnte er das erste Mal durchschlafen.“ Pfarrer Lukas Péllio hat einige Erfahrungen mit dem Kirchenasyl. Seine Kapelle der Versöhnung steht direkt auf dem ehemaligen Todestreifen der Berliner Mauer. Im benachbarten Gemeindezentrum haben schon mehrfach abgelehnte Asylsuchende Zuflucht gefunden. Wenn sie dort eineinhalb Jahre verweilen, bekommen sie eine zweite Chance auf eine Anhörung. Von den Betroffenen hat Pellio gelernt, „was das für Traumatisierungen mit sich bringen kann zu hoffen, man kommt an und dann in einem überfüllten Lager zu landen.“


Museen für die Abschottung Europas?

Erst am vergangenen Samstag hat Pfarrer Péllio wieder eine Gedenkandacht für Menschen gehalten, die auf ihrer Flucht durch das Mittelmeer ertrunken sind. Die Kapelle der Versöhnung ist für ihn dabei der geeignete Ort. „Wir machen jede Woche biografische Gedenkandachten für die Toten der Berliner Mauer.“ Seit einigen Jahren gibt es jetzt auch Samstags-Andachten für die Opfer an den europäischen Grenzen.

Pfarrer Pellio zündet dann eine Kerze für Menschen an, die dem Weg in die EU gestorben sind. Für ihn ein Zeichen der Hoffnung. „An diesem Ort, der über 28 Jahre nicht zugänglich und eingemauert war, beten wir mit Menschen aus allen Kontinenten.“ Das mache deutlich: „Grenzen sind nicht ewig, auch wenn sie uns jetzt so erscheinen.“ Pellio hofft, dass eines Tages Museen an die Abschottung Europas erinnern werden.


„Wir bauen auf Jesus, der selbst Flüchtling war“

Die Andacht am zurückliegenden Samstag war dann aber doch etwas Besonderes. Beim Blick auf die Weihnachtskrippe bemerkte der Pfarrer: Zwei von den Heiligen Drei Königen haben gefehlt. Entwendet wurden sie im Rahmen einer bundesweiten Aktion. Ein Künstlerkollektiv mit dem Namen „Ausgegrenzt“ will so auf die schwierige Lage von Flüchtlingen in europäischen Auffanglagern hinweisen. Ist Pellio über den Diebstahl sauer? „Nein. Nachdem wir den ersten Schock überwunden hatten und verstanden haben, dass es sich um eine Kunstaktion handelt, setzen wir auf das Versprechen, dass wir unsere Figuren zurückbekommen.“

Außerdem seien gerade Christen zur besonderen Solidarität mit Menschen auf der Flucht aufgerufen, so der Pfarrer von der Kapelle der Versöhnung am Berliner Mauerstreifen: „Jesus wurde nach seiner Geburt bereits zum Flüchtling gemacht durch die Verfolgung von Herodes. Wir bauen als christliche Kirche auf Jesus, der selbst Flüchtling war. Außerdem macht Nächstenliebe nicht an Grenzen halt.“



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren