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„Wir haben nicht die absolute Wahrheit!“

Die Menschenrechtlerin Seyran Ateş kämpft für einen „aufgeklärten Islam“ und erhält Urania-Medaille.

 

 

Sie ist eine Kämpferin gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde im Namen des Islam. Die Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Seyran Ateş hat am 26. November 2019 für ihren Einsatz die diesjährige Urania-Medaille verliehen bekommen. „Für mich sind Auszeichnungen dieser Art immer eine Bestätigung, dass etwas von dem, was ich in der Gesellschaft mache, positiv ankommt.“

Und diese Bestätigung kann Seyran Ateş durchaus gebrauchen. Sie ist im Visier islamistischer Kräfte, braucht daher Personenschutz. Dennoch hat sie das nicht davon abgehalten, die erste liberale Moschee in Berlin zu gründen. Ihr Ziel: ein aufgeklärter Islam. „Wir haben nicht die absolute Wahrheit, sondern wir sind offen, dass wir dazulernen.“
 

Gegen Überheblichkeit

Ateş und die Mitglieder ihrer Ibn Rushd-Goethe Moschee suchen das Gespräch mit Menschen, die gar nicht oder anders als sie selbst glauben. „Ein Mitglied der Gemeinde ist Christ. Er hat eine muslimische Frau und kommt jeden Freitag und betet auf seine Art als Christ. Er ist nicht konvertiert. Das ist großartig!“

Seyran Ateş lehnt jede Form der Überheblichkeit von Muslimen gegenüber Andersgläubigen ab. „Ich will nicht, dass sich Menschen als Privilegierte oder besser Gläubige bezeichnen. Das machen ja viele Muslime, indem sie Menschen, die keine Muslime sind, als Ungläubige bezeichnen. Das ist ganz falsch!“
 

Vorbild Martin Luther

Seyran Ateşs mit Sicherheit größtes Verdienst: Sie hat dazu beigetragen, dass Zwangsheiraten in Deutschland mittlerweile strafrechtlich verfolgt werden. Außerdem warnt sie vor einer Blauäugigkeit gegenüber einem Islam in Deutschland, der von der Türkei aus gesteuert wird. Den Preis dafür, dass sie bereits mehrfach mit dem Tod bedroht wurde, nimmt sie aus Überzeugung in Kauf. Und bezieht sich dabei auch auf den evangelischen Reformator Martin Luther.  „Ich kann nicht anders. Da zitiere ich ein Vorbild. Denn es geht um Reformen innerhalb der Religion, aber auch um Emanzipation in der Gesellschaft. Und dafür lohnt es immer sich einzusetzen.“

Dennoch ruft Seyran Ateş, die Preisträgerin der diesjährigen Urania-Medaille, nicht nur extremistische Kritiker auf den Plan. Religionskenner stellen die Frage, ob sie selbst nicht einen „Islam light“ vertritt, einen Glauben, der wenig mit den zentralen Aussagen des Koran zu tun hat. Der Differenzen über Bord wirft, damit das Gespräch miteinander möglich wird.

Gehen ihre Bemühungen also an den eigentlichen Problemen vorbei, die eine erfolgreiche Integration mancher Muslime in Deutschland verhindern? Seyran Ateş gibt sich von ihrem Weg dennoch überzeugt. „Am Ende geht es doch immer ums Verstehen. Und ich kann den Anderen nicht verstehen, wenn ich nicht einmal mit ihm rede und ihm zuhöre.“,


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