Mein Vater - mein Vorbild

Die Spezies „Väter“ ist schon eine eigenartige Gattung Mensch. Meist ist die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen nicht so gut wie die Beziehung zwischen Vätern und Töchtern. Diese wissen nämlich oft schneller, wie sie ihren „Paps“ um den Finger wickeln können. Dafür ist die Mutter-Sohn-Beziehung oft umso intensiver.

Die Spezies „Väter“ ist schon eine eigenartige Gattung Mensch. Meist ist die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen nicht so gut wie die Beziehung zwischen Vätern und Töchtern. Diese wissen nämlich oft schneller, wie sie ihren „Paps“ um den Finger wickeln können. Dafür ist die Mutter-Sohn-Beziehung oft umso intensiver.

Biologisch kommt man aber in beiden Fällen ohne Väter oder – einen zumindest „Teil von ihnen“ – nicht aus. Und trotzdem verlieren oder verlassen immer mehr Väter „ihre“ Familie.  Ich habe das Glück meinen Vater immer und noch heute mit 95 Jahren mein Eigen nennen zu dürfen. Er prägte mich und meinen Lebensweg nicht unerheblich.

Schon im Kinderwagen gibt es oft die lieb gemeinten Bemerkungen: „Ganz der Vater!“ Dabei sind nur die äußerlichen Ähnlichkeiten, zum Beispiel Teile des Gesichtes, gemeint. Eine Ähnlichkeit zwischen mir und meinem Vater ist, dass wir beide Dinge sammeln. Mein Vater sagte dann immer: „Ja, die Germanen waren eben Jäger und Sammler, da haben wir das geerbt.“ Das ließ meine Mutter oft verzweifeln.

Doch junge Männer wachsen schnell heran und die Ähnlichkeiten und Eigenheiten sind nicht mehr sofort bemerkbar. Nicht selten schimpfen dann die Mütter, wenn es zum Beispiel um die Ordnung geht, unter Umständen: „Ganz der Vater.“ So haben Väter und Söhne im Gegensatz zu Müttern unterschiedliche Auffassung von Ordnung. Dieser Konflikt wird sich sicher noch über Generationen hinweg fortsetzen…

Wenn der Erfolg des Vaters auch im Beruf des Sohnes erkennbar ist, hört man schon seltener: Ganz der Vater. Dann heißt es nur noch: „Er tritt ja in die Fußstapfen seines Vaters.“ Auch mein Vater prägte meine berufliche Entscheidung, in dem er im Verlagswesen tätig war:  Auch ich fing im Druckgewerbe an. Das Interesse am Journalismus habe ich ebenfalls von meinem Vater geerbt. Von seinen Kenntnissen und Ratschlägen profitiere ich selbst  heute noch gern.
So ist die Weitergabe der Kenntnisse des Vaters an den Sohn ein unschätzbarer Hort. Viele existierende Handwerksbetriebe leben davon. Und manches Handwerk wäre ohne die Kenntnisse  des Vaters schon ausgestorben.

Nicht zuletzt prägte mein Vater mich in meinem Glauben. Sein ehrenamtliches Engagement war mir ein Vorbild. Seine Glaubenshaltung hat auch mich geformt und ich diskutiere trotz seines hohen Alters immer noch gerne mit ihm über Glaubens- und Kirchensachen. 

Viele Kirchengemeinden wissen es zu schätzen, wenn der Glaube sich über Generationen vererbt und Mitglieder sich entsprechend einsetzen. Genauso habe ich es gelernt, mich für die Kirche und die Weitergabe von Gottes Wortes zu engagieren.

Aber nicht nur Positives habe ich von meinem Vater geerbt. Uns beiden fällt es nicht leicht Fehler oder Meinungen,  die sich als falsch erwiesen haben, zuzugeben. Dort stand auch mir schon öfters meine  geerbte „Sturheit“ im Wege. Meine Mutter und meine Frau mussten schon das eine oder andere Mal resignieren. Doch trotz dieser Charakterschwäche weiß ich mich von Gott angenommen und getragen. Bei ihm muss ich nicht perfekt sein und darf meine Schwächen zugeben. Er nimmt mich bedingungslos an und prägt mich gleichzeitig trotzdem zum Guten.

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