Politik Lesezeit: ~ 3 min

„Ich bin nicht rechts, Herr Pfarrer! Aber ich brauche eine Alternative.“

Pfarrer Helmut Kautz über das prognostizierte Wahlverhalten der Menschen in Brandenburg.

 

 

Am 1. September 2019 wählen die Menschen in Brandenburg ihren neuen Landtag. Auch in Brück, einem kleinen Ort rund 40 Kilometer vor den Toren Berlins, werden die Wahllokale öffnen. Helmut Kautz ist hier der evangelische Pfarrer. Was macht er am Wahlsonntag? „Ich werde auf jeden Fall wählen gehen! Ich bin dankbar von Herzen, dass Gott uns die Freiheit geschenkt hat, dass wir wählen können gerade jetzt 30 Jahre nach dem 9. November 1989.“

Vor dem Gang ins Wahllokal steht Pfarrer Kautz aber erst einmal auf der Kanzel. Er will seine Gemeindemitglieder im Sonntagsgottesdienst zum Gebet herausfordern. Sein Bekenntnis: „Wir Menschen können zwar schon eine Menge machen. Aber Gott regiert und schreibt Geschichte. Wir haben als Christen die Aufgabe, für unsere Politiker zu beten.“

Mancher denkt vielleicht sogar: Gebet ist bei dieser Wahl in Brandenburg besonders nötig. Sollten die Demoskopen recht behalten, dann dürften sich AfD und SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.
 

Parteien müssen fragen: „Warum will mich keiner?“

Kautz selbst kennt das politische Geschäft von innen. Bevor er Pfarrer wurde, hat der gebürtige Brandenburger unter anderem im Büro eines Bundestagsabgeordneten mitgearbeitet. Helmut Kautz sieht den ‚Tag 1‘ nach den Wahlen am 1. September gelassen. „Ich habe da keine bedenken. Die Wähler haben die Freiheit. Und wie sie entscheiden, damit müssen die Parteien leben.“ Wenn Parteien nicht gewählt werden, müssten sie sich fragen lassen: „Warum will mich keiner?“

Kautz hofft, dass die bürgerlichen Parteien in Brandenburg zukünftig ihr individuelles Profil schärfen. Denn den Hang im Land, die AfD zu wählen, sieht er nicht als einen Ruck nach rechts, sondern als Zeichen der Politikverdrossenheit. Mancher Bürger aus Brück habe sich ihm schon anvertraut mit der Nachricht, AfD-Wähler zu sein. „Das wollen sie mir sagen, weil sie wissen: Ich erzähle es nicht weiter.“ Kautz fragt dann nach den Gründen . Oft höre er dann: „Ich bin nicht rechts, Herr Pfarrer. Aber ich brauche eine Alternative.“

Auch wenn die AfD stärkste Fraktion im neuen Brandenburger Landtag werden sollte: Pfarrer Helmut Kautz sieht die Demokratie, wie sie seit fast 30 Jahren in ganz Deutschland besteht, nicht in Gefahr. „Sie können ja nicht einfach machen, was sie wollen.“ Jeder müsse sich messen lassen an der Gerichtsbarkeit und der Verfassung.
 

Stolz auf den Umgang mit Flüchtlingen

Auch wenn Helmut Kautz den politischen Gegner in Brandenburg lieber als Konkurrent und nicht als Feind sieht: Der Pfarrer hat dennoch in den Jahren 2015 und 16 klare politische Zeichen gesetzt: „Ich bin stolz darauf, wie wir mit den Flüchtlingen umgegangen sind.“ Gemeinsam mit dem Bürgermeister habe er sie öffentlich willkommen geheißen. „Ich bin Pfarrer nicht nur für die Brücker, sondern auch für die Neu-Brücker.“

500 Asylsuchende sind in den 4.000-Seelen-Ort Brück gekommen. 30 von ihnen hat Helmuth Kautz getauft. Zumeist waren es Menschen aus dem Iran, die bei ihm einen Glaubensgrundkurs besucht hatten.

Auch wenn dies Zeichen gelingender Integration sind. Helmut Kautz kennt die Sorgen vieler Menschen in Brandenburg, die da lauten: In Zukunft müssen wir möglicherweise unsern Kuchen mit mehr Menschen teilen als bisher. Der Pfarrer aus dem Brandenburgischen Brück predigt aber gegen diese Ängste an: „Es ist ein unausgesprochener Konsens: ‚Es wird schlechter‘. Doch da habe ich keine Angst.“ Kautz baut auf die Verheißung aus der Bibel:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Der Pfarrer aus Brück bekennt: „Daran halte ich mich fest!“


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Kommentare

Von Eleonore B. am .

Lügen Pfarrer Kautz und diese Wähler, die sich ihm anvertrauen, sich nicht selbst an? Dass sie ihm im Vertrauen gestehen, die AfD zu wählen, zeigt doch, dass sie sich sehr wohl bewusst sind, dass die Werte und Ziele der Partei menschenverachtend und demokratiefeindlich sind. Nutzen sie nicht viel mehr das Kriterium der geheimen Wahl, um diese Gedanken auszuleben, so wie viele heute anonyme Hassbotschaften im Netz posten? Wenn es ihnen wirklich um einen Protest gegen die etablierten Parteien mehr

Von Jörg am .

Herr Jeske, es schimmert in Ihren Artikeln durch, dass Sie weniger Probleme mit der linksextremistischen Mauerschützenpartei und grünen Juden- und Christenhassern haben, als mit einer neuen Partei, die sich im Gegensatz zu den etablierten Parteien uneingeschränkt für Israel, sowie für den Schutz des Ungeborenen Lebens einsetzt. Die AFD unterscheidet sich im Programm nur marginal von den christlichen Kleinparteien. Ich bin mir sicher, hätte die Partei Bibeltreuer Christen ähnliche Wahlerfolge mehr


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