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Ölwechsel für den Körper?

Wie aus Lein, Hanf oder Haselnuss „flüssiges Gold“ entsteht.

 

 

Sein Wohnzimmer hat er zu einem Samenlager umfunktioniert, zwischen den Getreidesäcken stehen Computer und eine Nussmusmaschine. Im Raum nebenan rattern die Ölmühlen und über den Gang liegt der kleine Verkaufsraum. Matthias Pöschmann hat aus dem Eigenheim die „Ölmanufaktur Glauchau“ gemacht. Sein Anspruch: die Öle sollen nicht nur schmecken, sondern auch gut tun: „Denn Gott hat alles in der Natur im Detail durchdacht“. Regina König hat dem Ölmüller bei der Arbeit über die Schulter geschaut. 
 

Die Ölmühle von Matthias Pöschmann
Die Ölmühle von Matthais Pöschmann. (Bilder: Regina König/ERF Medien)

Scheppernd stellt Matthias Pöschmann den Metallbehälter unter die Presse, in den Trichter kippt er Leinsamen: in sechs Stunden wird seine Ölmühle acht Liter Leinöl produziert haben. Tropfen für Tropfen füllt sich der Behälter, ein guter Ölmüller braucht Geduld: „Wir können die Geschwindigkeit variieren, aber wir pressen sehr langsam, um den Pressdruck nicht zu sehr zu erhöhen.“
 

Besonders schonendes Verfahren beim Pressen der Öle

Vorn auf der Schneckenpresse steckt ein Kühlkörper aus Kupfer; der stellt sicher, dass das Öl bei nur 40 Grad gepresst wird: „Wenn die Temperatur über 40 Grad heiß wird, beginnt die Oxidation. Dann wäre unser Öl nach 14 Tagen bitter.“ Was nicht nur den Gaumen beeinträchtigt, die hohe Temperatur vernichtet auch wertvolle Inhaltsstoffe, erklärt Pöschmann. Fast alle im Handel erhältlichen Leinöle würden allerdings bei 70 Grad hergestellt, so der Ölmüller, nach EU-Recht gelten sie dann noch als kalt gepresst. Der Vorteil: diese Öle sind haltbarer. Pöschmanns Leinöl hingegen muss in den Kühlschrank und sollte innerhalb von vier Wochen aufgebraucht sein. Dafür ist es gehaltvoller, ist er überzeugt.

In ganz Deutschland gibt es wohl nur eine Handvoll Kollegen, die dieses schonende Verfahren anwenden, schätzt Pöschmann. Fast zehn Jahre lang hat er nach so einer Mühle gesucht, im Westerwald wurde er bei einem alten Ölmüller fündig. Der schenkte ihm eine Handölpresse. Pöschmann entwickelte die Technologie weiter, jetzt läuft sie automatisiert.
 

Presskuchen als Delikatesse für Hund und Pferd

Ölmüller Matthais Pöschmann. (Bilder: Regina König/ERF Medien)
Ölmüller Matthais Pöschmann. (Bilder: Regina König/ERF Medien)

Und während die Mühle den Leinsamen presst, tropft nicht nur das Öl zäh und langsam in die Tiefe, sondern vorn aus der Presse winden sich kleine Teigwürmer heraus und stürzen kopfüber in einen großen Sack: „Presskuchen“, sagt Pöschmann. „Das  ist zusammengepresstes und entöltes Samengut.“ Für Hunde und Pferde offenbar eine Delikatesse, auch für Menschen genießbar. Hat allerdings kaum Geschmack und klebt zwischen den Zähnen. Dann doch lieber ein Löffel Leinöl? Pures Öl schlecken – keine wirklich appetitliche Vorstellung, aber: Pöschmanns Leinöl schmeckt – mild und nussig, ein Löffel reicht da nicht ….


Der Star unter den Ölen: Leinöl

Noch mehr Öle warten in dem kleinen Verkaufsraum auf Kunden: Argan-, Mandel-, Walnuss- oder Senföl. Doch der Star im Regal: das Leinöl. Gewonnen aus einer Pflanze, die vor 100 Jahren in Deutschland nicht wegzudenken war. Pöschmann: „Der Ausspruch, ´wir machen eine Fahrt ins Blaue´ kommt von der blau blühenden Leinpflanze. Vor 100 Jahren blühte es in Deutschland blau und wir sind glücklich, dass es wieder Bauern gibt, die in Bioqualität Lein anbauen.“ Die bescheiden wirkende Pflanze sei ein echter Allrounder, schwärmt der Ölmüller: „Leinöl hat ca. 50 – 57% Omega-3-Fettsäuren. Diese Fettsäuren sind für unseren Körper von äußerster Bedeutung. Sie sind wichtig für unser Gehirn und unser Wohlbefinden, und sie wirken entzündungshemmend.“


Keine falschen Hoffnungen wecken

Mehr als 30 Rohkostöle vertreibt Pöschmann, auch Gourmetöle wie das aus Oliven. Doch den meisten seiner Öle spricht er eine wohltuende Wirkung zu: Kreuzkümmelöl helfe gegen Mücken, Hanföl gegen Schmerzen, Walnussöl vor Herz- und Gefäßerkrankungen. Alle seine Produkte sind zertifiziert mit dem Bio-Siegel.

Nur einmal in der Woche hat die Manufaktur für Kunden geöffnet, dann stehen sie Schlange, erzählt Pöschmann. Nicht wenige erhoffen sich von den Ölen Heilung von Krankheiten, doch er verweise auf die allein unterstützende Wirkung von Nahrungs-mitteln: „Wir wollen keine falschen Hoffnungen wecken und machen absolut keine Heilungsversprechungen. Gott hat in unseren Körper Selbstheilungskräfte gelegt, die müssen aktiviert werden. Da können pflanzliche Dinge dazu beitragen wie Kräuter und Öle.“
 

„Phänomenal: Was Gott in die Schöpfung hineingelegt hat“

Dass er einmal als Ölmüller sein Geld verdienen würde, hätte er früher nicht für möglich gehalten. Pöschmann ist gelernter Instandhaltungsmechaniker, nach der Wende machte er sich selbstständig als Büroausstatter. Gesunde Ernährung war sein Steckenpferd, jetzt hat er sie zum Beruf gemacht: im April 2018 eröffnete er die kleine Ölmanufaktur. Mitten in der Arbeit kommt er immer wieder ins Staunen über seinen Gott: „Es ist phänomenal, was Gott in die Schöpfung hinein gelegt hat. Alles hat eine Wirkung auf unseren Körper. So eine Kreativität ist für uns nur schwer zu begreifen.“

Industrieöle aus dem Supermarkt kommen bei ihm nicht mehr auf den Tisch. „Das Herstellungsverfahren dieser Öle nennt sich Raffination. Mit einer Temperatur von über 200 Grad und der Zugabe von Chemikalien wie Hexan wird jeder Tropfen Öl herausgedrückt. Am Ende ist eine Flüssigkeit übrig, die die Inhaltsstoffe des Samens gar nicht mehr beinhaltet. Alle wertvolle Stoffe sind im Industrieöl abgetötet,“ sagt Pöschmann.

Fünf Minijobber hat er mittlerweile in seiner Manufaktur angestellt, Ende des Jahres will er sein Geschäft erweitern. Wenn alles klappt, steht Matthias Pöschmann dann täglich seinen Kunden zur Verfügung.

 

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