Deutsche Einheit Lesezeit: ~ 2 min

„Wir dürfen aus dem Osten noch sehr viel erwarten.“

Die „Apfel-Gräfin“ Daisy von Arnim über ihre Erfahrungen als Unternehmerin in Brandenburg.

 

 

„Sie ertrugen den Raub ihrer Güter mit Freuden, denn sie wussten: Sie hatten ein himmlisches Zuhause.“ Daisy Gräfin von Arnim zitiert aus dem Hebräerbrief in der Bibel. Sie ahnt, was es bedeutet die Heimat zu verlieren. Sowohl ihre Vorfahren als auch die ihres Mannes sind in den Wirren des 2. Weltkriegs in den Westen geflohen. Mit der Aufgabe der Heimat verband sich auch ein materieller Verlust. Schloss Boitzenburg, der alte Familiensitz der von Arnims lag in der brandenburgischen Uckermark, also in der DDR. Die von Arnims hatten Pech: Wer wie sie mehr als 100 Hektar an Boden besaß, blieb auch nach der Wende enteignet.

Trotzdem kehrt Daisy von Arnim 1995 mit ihrem Mann Michael in die alte Heimat zurück. „Als die Grenze aufging, waren wir frisch verheiratet. Ich war über beide Ohren verliebt. Mir war alles egal. Hauptsache zusammen!“
 

„Hochqualifizierte, fleißige Menschen“

Die von Arnims mieten sich in Haus Lichtenhain ein, einem kleinen landwirtschaftlichen Gebäude, einem sogenannten Vorwerk. Michael von Arnim arbeitet als landwirtschaftlicher Berater. Nach ein paar Jahren können die  beiden das Haus Lichtenhain erwerben und pachten landwirtschaftliche Flächen darum herum. Die von Arnims sind zurückgekehrt, nicht aus Besitzdenken, sondern weil sie ihrer Heimat etwas zurückgeben wollen. Daisy von Arnim betreibt – nach einigen Fehlschlägen – eine eigene Apfelmosterei, fertigt Marmeladen, Chutneys und Gebäck aus den heimischen Apfelsorten. Dadurch haben Menschen in der strukturschwachen Region Arbeit gefunden. Überhaupt hat Daisy von Arnim die Menschen in ihrer Region schätzen gelernt. „Der Osten hat so viele hochqualifizierte, fleißige Menschen in Altersheime und in den Service gebracht.“ Diese würden dem Westen sonst heute fehlen. „Der Westen hat durch den Osten so viel gewinnen können. Lasst uns endlich ein Land sein!“
 

Dankbar für die Freiheit

Daisy von Arnim beobachtet: Auch 29 Jahre nach der Wiedervereinigung ist noch viel Ignoranz und Überheblichkeit gegenüber Menschen mit DDR-Vergangenheit zu spüren. Die Gräfin selbst hingegen hat mit ihrem Engagement die Herzen der Menschen in der Uckermark gewonnen. Und sie lädt Andere ein, die Heimat ihrer Vorfahren zu besuchen und beispielsweise die Ferien im Haus Lichtenhain zu verbringen. Angesprochen auf den Mauerfall vor 30 Jahren, auf die Montagsdemonstrationen und das Engagement der Christen in der DDR bezieht sie eindeutig Stellung: „Ich bin voller Dankbarkeit, dass Menschen für uns auf die Straße gegangen sind und eine Freiheit für uns erkämpft haben, für die wir selbst nie etwas getan haben.“ Der Osten habe das herbeigebetet. „Und so dürfen wir aus dem Osten noch sehr viel mehr erwarten.“


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