Menschenwürde Lesezeit: ~ 2 min

Die Angst vor einem qualvollen Sterben ist unbegründet

Weißbuch wirbt für bessere Palliativversorgung am Lebensende.

 

 

Menschen werden heute so alt wie noch nie, sieht man einmal von Gestalten aus biblischer Frühzeit wie Methusalem und Co. ab. Das ist schön! Doch das älter Werden hat auch seine Kehrseite, weiß Bischof Franz-Josef Bode. Er ist der Vorsitzende der Pastoralkommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz: „Ich habe selbst im letzten Jahr bei wirklich schmerzvollen, sehr ernsthaften Krankheiten erfahren, was das mit dem ganzen Menschen macht. Der Schmerz hat einen dann fast, und nicht wir haben die Schmerzen. Da muss man rauskommen, dass nicht der Schmerz einen hat, sondern wir Schmerzen haben und damit umgehen können.“
 

„Kein Mensch muss mehr leiden, als er ertragen kann“

Bode ist in den Genuss guter Schmerztherapie gekommen. Die hilft beim Leben mit dem Schmerz und – nötigenfalls auch dann, wenn das Leben dem Ende zugeht. Viele Menschen haben Angst vorm qualvollen Sterben. Die ist aber unbegründet, weiß der Mediziner Dr. Thomas Sitte von der Deutschen Palliativ-Stiftung: „Wir können mit medizinischer Begleitung sehr effektiv dazu beitragen, dass kein Mensch mehr körperlich leiden muss, als er es ertragen kann.“

Einzige Voraussetzung dafür ist eine ausreichende palliative Versorgung in Deutschland. Und da sieht Dr. Thomas Sitte noch Verbesserungsbedarf. „Von den gut 800.000 Menschen, die in Deutschland jedes Jahr sterben, werden deutlich weniger als zehn Prozent wirklich umfassen palliativ versorgt.“ Nötig sei die Versorgung für ein Drittel bis etwa die Hälfte der Patienten. „Wir brauchen unbedingt eine Verbesserung in Pflegeeinrichtungen und bei ambulanten Pflegediensten.“ Es mangle dort nicht nur an Personal, sondern oftmals auch an Fachwissen.
 

Aktive Sterbehilfe ist keine Option

Damit sich die Situation verbessert, haben Dr. Thomas Sitte und andere Kollegen im Auftrag der katholischen Kirche ein Weißbuch zur Palliativversorgung herausgebracht. Hierin stehen Forderungen und Tipps an alle gesellschaftlichen Gruppen, wie noch mehr Menschen ein behütetes Sterben ohne Angst erfahren können. Denn eins ist für Sitte, der selbst Christ ist klar: Aktive Sterbehilfe, dem Leben eines anderen auf dessen Wunsch ein Ende setzen, kann keine Option sein.  Bischof Franz-Josef Bode betont, wer an einen Schöpfergott glaube, wisse, dass das Leben keine „verfügbare Masse“ sei. „Das ist nicht nur religiös, sondern auch human. Weil wir unser Leben Anderen verdanken, haben wir es nicht einfach in der Hand damit umzugehen.“


Banner zum Schwerpunktthema Gesundheit


Weitere Beiträge zum Thema

 

 

 

 


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.