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„Die schönsten Menschen sind meine Freunde!“

Eine Fotografin über Perfektion und den Sinn von Upcycling.

 

 

Julia Finkenzeller beschäftigt sich gerne mit Dingen, die unperfekt sind. Deshalb arbeitet sie im „Caridoo“, einer Einrichtung der Young Caritas im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Hier gibt es „Vergissmeinnicht“ – ein Upcycling-Projekt. Aus alter zerschlissener Kleidung machen Ehrenamtliche neue Outfits oder Gebrauchsgegenstände. Julia Finkenzeller sagt: Zu der Idee kam es, als 2013 über 1.100 Textilarbeiter in Bangladesch in den Trümmern einer maroden Fabrik sterben mussten. „Die ganze Welt hat gemerkt, dass da etwas falsch läuft. Kleidung wird so günstig verkauft, dass sie gar keinen Wert mehr hat. Wenn sie ein Loch hat, wird sie einfach weggeschmissen.“
 

Rucksäcke aus alten Sakkos

Julia Finkenzeller (Foto: Oliver Jeske / ERF Medien)
Julia Finkenzeller (Foto: Oliver Jeske / ERF Medien)

Jetzt nähen Julia Finkenzeller und andere Interessierte aus alten Sakkotaschen kleine praktische Rucksäcke. Alternativ entstehen schicke Schürzen aus ausrangiertem Blusenstoff. Doch nicht nur alten Textilien geht es im „Caridoo“ sprichwörtlich an den Kragen. Wer ein kaputtes Haushaltsgerät hat, kann es einmal im Monat im 3D-Repair-Café selbst wieder instand setzen.

Wer selbst zum Schraubenzieher greift und seine alte Kaffeemaschine oder den defekten Fön unter fachkundiger Anleitung repariert, tut damit etwas gegen unnötigen Müll.
 

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Fehlende Ersatzteil sind übrigens im „Caridoo“ selten ein Problem. Ein 3D-Drucker hat schon so manches mechanische Bauteil ausgespuckt oder besser ausgedruckt, das jetzt wieder in einem Toaster oder Stabmixer Dienst tut.

Dass wir Dinge, die nicht mehr perfekt funktionieren, gleich abschreiben, sagt viel über uns selbst aus, meint Julia Finkenzeller. Denn Perfektion gibt es eigentlich gar nicht – egal ob bei Dingen oder Menschen: Immer definiert eine Gesellschaft, was vermeintlich perfekt ist. Julia Finkenzeller weiß, wovon sie redet. Sie hat ursprünglich einmal Fotografie studiert und sich bewusst gegen Modeshootings mit spindeldürren Models entschieden. Perfektion oder Schönheit – das sei etwas ganz Individuelles. „Die schönsten Menschen sind einfach meine Freunde! Ich habe so eine tiefe Liebe zu ihnen – und das hat überhaupt nichts mit Aussehen zu tun.“


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