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Der Bundespräsident fragt: „Alles Glaubenssache?“

Frank-Walter Steinmeier bezieht Stellung zur Rolle der Religionen in Deutschland.

„Kirchen werden leerer zumindest in Europa. Das Interesse an Religion ist aber umgebrochen“, meint Frank-Walter Steinmeier. Der deutsche Bundespräsident hatte am 26. Februar 2019 in seinen Amtssitz Schloss Bellevue eingeladen zum Thema „Alles Glaubenssache?“ Religion ist aus der Sicht Steinmeiers auch im 21. Jahrhundert ein prägender Faktor in Deutschland. Seine Einschätzung: „Wenn einige schon als Rückkehr der Religion als grundlegende Tendenz reden, ist das insgesamt noch wenig belegt.“ Dennoch konstatiert er: „Die These von der unaufhaltsam fortschreitenden Säkularisierung greift jedenfalls zu kurz.“
 

Stellungnahme zum Iran 

Bevor er tiefer in die Materie einstieg, nahm Steinmeier die Gelegenheit wahr, um zu einem aktuellen Thema mit religiösem Bezug Stellung zu nehmen. Erst jüngst hatte der deutsche Bundespräsident Kritik vom Zentralrat der Juden einstecken müssen für seine Glückwunschadresse anlässlich des iranischen Nationalfeiertags. Steinmeier verteidigte seine Haltung. Er stellte die Frage: „Beschränken wir uns gegenüber Staaten, mit denen wir im Konflikt leben, auf Abbruch und Isolierung? Oder versuchen wir, auch im Konflikt Zugang zu Gesprächsmöglichkeiten zu erhalten?“ Steinmeiers Antwort: „Wir brauchen Beides!“

Kritik und Dialogbereitschaft: Diese Haltung gelte es auch gegenüber Vertretern des Islam in Deutschland zu wahren. Der Glaube unter Muslimen habe sehr unterschiedliche Gesichter. In seiner radikalen Ausprägungen, wo bereits Kinder verheiratet würden und Gewalt als probates Mittel gelte, müsse der demokratische Staat auf seine Grundrechte pochen, so der Bundespräsident. „Wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen, Regeln unseres Zusammenlebens aushandeln, aber auch Grenzen ziehen, wo Würde und Integrität des Menschen in Frage gestellt wird.“ Das sei oft anstrengend und verlange Toleranz und Kompromissbereitschaft.
 

Christen sollen sich engagieren

Frank-Walter Steinmeier nahm schließlich Stellung zu Fragen aus dem Publikum. Auf die Feststellung, dass die deutsche Verfassung auf ein jüdisch-christliches Fundament zurück gehe und die Frage, wie diese christliche Tradition lebendig gehalten werden könne, antwortete er: „Das hängt in erster Linie an denen selbst, die sich zum Christentum bekennen und der Frage, wie engagiert sie dafür eintreten.“

Frank-Walter Steinmeier, selbst zur reformierten Kirche gehörend, präsentierte sich im Schloss Bellevue als gut vorbereiteter Gastgeber. Man spürte ihm ab: Der Bundespräsident hat nicht nur von Amts wegen Interesse daran, dass Menschen verschiedener Glaubensüberzeugung friedlich miteinander auskommen. Und – fast noch wichtiger: Dass sie einen aktiven Beitrag zur Demokratie leisten.

Außerdem wurde klar: Deutschland mit seiner Verfassung, die trotz Trennung von Kirche und Staat ausdrücklich eine wohlwollende und fördernde Haltung gegenüber Religionsgemeinschaften einnimmt, ist immer noch geprägt von seinen jüdisch-christlichen Wurzeln und den daraus erwachsenen Vorstellungen von Individualität und Freiheit. Dass dies so bleibt, dazu können nicht zuletzt Christen in Deutschland einen entscheidenden Beitrag leisten.


Kommentare

Von Jörg am .

Ein Präsdident, der vom Volk NICHT gewählt wurde, gratuliert einem Terror-Regime, das die Ausslöschung Israels als oberste Aufgabe sieht und sich in den Top Ten der Christenverfolger findet, im Namen des Volkes, das ihn nicht gewählt hat. Einem demokratisch gewählten Präsidenten verweigert er dagegen die Grußbotschaft und nennt ihn einen Hassprediger. Und hier fabuliert er über Demokratie und jüdisch-christliche Wurzeln. Insofern ist er der richtige Präsident für ein irres Land.


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