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„Ich habe jetzt einen deutschen Pass“

Der Deutsch-Brite Pastor William Barnard-Jones über seine Geschichte mit dem Brexit.

 

„Ich finde es nicht nur schade. Es ist ein Jammer, was dort passiert!“ Auf den Brexit angesprochen hat Pastor William Barnard-Jones eine feste Meinung. Der gebürtige Engländer lebt seit über 40 Jahren in der Bundesrepublik und ist mit einer Deutschen verheiratet. Besonders erschüttert ihn die Zerstrittenheit unter den britischen Parlamentariern. Immerhin repräsentieren sie die älteste heute bestehende Demokratie. Pastor Barnard-Jones sorgt sich vor allem um den sozialen Frieden in dem Land, in dem er geboren wurde.
 

Weltsprache und Selbstständigkeit

Doch wie konnte es überhaupt zu dem Brexit kommen? Barnard-Jones sieht die Ursache zum einen in einer gewissen Ignoranz der Briten anderen Sprachen und Kulturen gegenüber. „Früher hieß es immer: Wenn man Engländer ist, dann reist man auf der ganzen Welt herum und wenn die mich nicht verstehen, dann muss ich nur lauter reden.“ Die Kehrseite der Medaille, wenn man eine Weltsprache zur Muttersprache habe. Gleichzeitig liebten die Brite ihre Selbstständigkeit. „Die mögen nicht gerne gesagt bekommen, was sie zu tun haben.“

Eine Beschränkung der Einflussnahme Brüssels auf das wirklich Notwendige: Dies könnte nach Ansicht des Pastors die Antwort sein auf die Europamüdigkeit – nicht nur unter den Briten.
 

Gebet für die, die unter dem Brexit leiden

Gleichzeitig hofft William Barnard-Jones auf Einsicht und Mäßigung in der europäischen Krise – und setzt dabei auf Gottes Hilfe. „Mein Gebet ist, dass die Verantwortlichen sich zur Raison rufen lassen.“ Im Moment befürchtet Barnard-Jones, „dass viele Menschen leiden werden.“

Pastor Barnard-Jones hat für sich privat aus dem Brexit Konsequenzen gezogen: Als 2016 das britische Referendum denkbar knapp für den Austritt aus der EU ausfällt, beantragt er die deutsche Staatsbürgerschaft. In Deutschland sei seine neue Heimat.

Dennoch: Schwarzmalen will der Pastor, der heute in Hamburg lebt, auf keinen Fall. Da Vereinigte Königreich und Europa werde die Spaltung überleben. „Nicht für die große Politik, sondern für die kleinen Leute … Das ist mein Gebet, dass Gott dort hilft.“


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