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„Nationalsozialistische Ideologien widersprechen dem Bekenntnis der Kirche Jesu Christi“

Demonstranten verhindern Neonazi-Aufmarsch zum Gedenken an Rudolf Heß.

 

Nationalsozialistisch denkende Menschen ziehen durch Berlin. Das weckt schlimme Erinnerungen an die deutsche Vergangenheit. Tatsächlich wollten am Samstag 500 Rechtsradikale bereits zum zweiten Mal im westlichen Berliner Bezirk Spandau demonstrieren. Anlass: Der Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß. Er saß bis zu seinem Selbstmord 1987 hier im Gefängnis.

Doch gekommen waren nur 50 Neonazis. Und die sagten kurzerhand ab und zogen mit Gesinnungsgenossen durch einen anderen Stadtteil.
 

Lala Süsskind: „Mir reicht es!“

Der Grund: 3.000 Gegendemonstranten in Spandau feierten ein Fest der Demokratie, mitveranstaltet von einem Bündnis aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Kirchen. Mit dabei auch die ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind: „Mir reicht es! Ich möchte nicht mehr länger hinnehmen, dass gewaltbereite Neonazis versuchen, einen Aufmarsch der Verherrlichung von Rudolf Heß als Appell an die Rechtsstaatlichkeit zu verkaufen.“

Jedoch: Berlins Innensenator Andreas Geisel hatte keine Möglichkeit gesehen, den Aufmarsch zu verbieten. Bereits 2017 – beim ersten Heß-Marsch - hatte er gesagt, die freiheitlich-demokratische Grundordnung gelte – Zitat – „ leider auch für Arschlöcher."

Erinnerung an Bonhoeffer

Der Bischof der evangelischen Kirche von Berlin, Dr. Markus Dröge, erinnerte auf der diesjährigen Gegendemo an Dietrich Bonhoeffer. Er war im Dritten Reich wegen seines Einsatzes gegen die Nationalismus hingerichtet worden: „Ich stehe hier in der Nachfolge der Christen, die aus dem Glauben heraus gegen die Barbarei des Nationalsozialismus gekämpft haben.“

Auch Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des Türkischen Bundes in Berlin, warnte vor gefährlichen gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland: „73 Jahre nach der Zeit des Nationalsozialismus trauen sich immer mehr Rechte ungehemmt und offen ihre rechtsextreme rassistische Gesinnung zu zeigen.“
 

Friedensgebet und Mahnwache

Die Schar der Demonstranten gegen den Neonaziaufmarsch in Spandau: Sie war berlin-typisch bunt. Und alles andere als humorlos. Ältere Damen hielten Plakate hoch mit dem Slogan „Omas gegen rechts“. Anschließend zogen die Demonstranten zu einem Friedensgebet und einer Mahnwache in die Melanchthonkirche unweit des Ortes, an dem Rudolf Hess eingesessen hatte.
 



Was wohl viele dachten, brachte der Berliner Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds auf den Punkt. Christian Hoßbach sagte, die erneute Organisation von Gegendemonstrationen gehe ihm „auf den Geist. Aber ich glaube, da haben wir gar keine Alternative.“

Ein Erfolg für Spandau. Doch leider kam es in zwei anderen Berliner Bezirken – Friedrichshain und Lichtenberg zu Auseinandersetzungen von Neonazis mit Gegendemonstranten und der Polizei.


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Kommentare

Von Jörg S. am .

Ein Häuflein von 50 Versprengten, davon sicherlich gut die Hälfte beim Verfassungsschutz auf der Gehaltsliste, die dann auch noch das Ganze abblasen, führt zu solch hysterischen Reaktionen. Das erscheint mir wie ein Popanz, der von Herrn Dröge mit Inbrunst gepflegt wird. Die Horden, die durch die Straßen ziehen und in Herrn Dröges Hörweite "Hamas, Hamas, Juden ins Gas" grölen, scheinen ihn weniger zu stören. Im Land der Stolpersteinverleger und Lichterkettengangs wird wieder Judenhass offen mehr


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