Politik

Pferde-Treck bringt Friedensglocke nach Russland

Pfarrer Helmut Kautz setzt Zeichen der Versöhnung.

Marxdorf ist ein kleiner Ort dreißig Kilometer vor der deutsch-polnischen Grenze. Es ist neun Uhr morgens. Eine Glocke ertönt und acht von Kaltblütern gezogene Planwagen setzen sich in Bewegung. Sie haben eine lange Reise vor sich. Über 2.300 Kilometer sind es bis ins russische Weliki Nowborod. Auf dem Treck mit dabei: Pfarrer Helmut Kautz. Ob er bei den Sommertemparaturen doch lieber im Liegestuhl dösen würde? Kautz gibt sich sendungsbewusst: „Nein, wir sind unterwegs im Auftrag des Herrn! Wir haben eine Friedensmission. Wir wollen reden, essen, feiern, beten, segnen. Wir sind ein bisschen naiv. Aber wer an den Frieden der Menschen untereinander und mit Gott glaubt, der muss naiv sein. Denn sonst kann er sich von dem Tagesgeschäft abschrecken lassen.“

Den Frieden zeichenhaft verkünden

Ob Pfarrer Kautz und seine Begleiter naiv sind, da muss sich jeder sein eigenes Bild machen. Auf jeden Fall haben Sie ein klares Ziel: Sie haben eine Friedensglocke gießen lassen – es ist die, die Kautz zu Beginn geläutet hat – und sie wollen sie vom Brandenburgischen Ort Brück bis ins russische Weliki Nowgorod bringen. Ein starkes Zeichen in einer Zeit, in der die Annektion der Krim immer noch das Verhältnis belastet zwischen der EU und Russland. „Es sind die kleinen Gesten. Und es gibt einfach Wunder!“ Kautz erinnert an den Friedensbund, den Gott mit Noah schloss und für den bis heute der Regenbogen steht. „Das Leben geht weiter und für das Leben brauchen wir den Frieden. Jeder von uns sehnt sich nach dem vollkommenen Frieden, den Shalom. Den werden wir auf dieser Erde nie vollkommen erreichen. Aber wir müssen ihn zeichenhaft verkünden.“ Der Pfarrer wünscht sich, dass dadurch Menschen umkehren und ihr Handeln ändern.

 

„Wir brauchen Frieden mit Russland.“

Der Treck aus Planwagen samt Friedensglocke hat schon mächtig Aufmerksamkeit erregt. Nach anfänglicher Skepsis haben der Ministerpräsident und der evangelische Bischof von Brandenburg gemeinsam die Schirmherrschaft übernommen. Immer wieder kommt Helmut Kauz auf der Strecke mit Passanten ins Gespräch. Gerade ältere Menschen, die noch in Kriegsgefangenschaft waren, bestätigen ihm: „Wir brauchen Frieden mit Russland.“

Immer wieder stoppt Helmut Kauz auf den Etappen, holt ein großes Holzkreuz vom Planwagen und hält eine kurze Andacht. Er ist der einzige auf dem Treck, der sich bewusst als Christ outet, nennt seine Begleiter liebevoll und mit einem Augenzwinkern „meine Brandenburger Heiden“.

Trotzdem komme man bestens miteinander klar. „So’n Brandenburger erträgt Gebet!“

Und Gebet kann der Treck gebrauchen. Noch ist nicht klar, ob die russischen Grenzer überhaupt die Friedensglocke in ihr Land hinein lassen. Auch sind erst die Hälfte der Kosten, die die 80-Tage-Tour samt Pferdefutter Logis und Rückkehr kostet, zusammen. Kautz lässt sich dadurch nicht erschüttern: „Wir fahren soweit, die die Kraft und das Geld reicht. Und wenn nicht, müssen wir wieder umkehren.“

Doch egal wie das Unternehmen ausgeht: Pfarrer Helmut Kauz gibt auf keinen Fall auf. „Ich habe einen Fahrradanhänger. Da kann man siebzig Kilo aufladen. Mit dem Fahrrad schafft man auch 35 Kilometer am Tag!“

 


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