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„Das Lebensglück verändert sich nicht“

Jeanne Nicklas-Faust von der ‚Lebenshilfe‘ über das Leben mit behinderten Kindern.

Es ist doch ein gutes Gefühl, wenn ich als Vater oder Mutter weiß: Mein Kind wächst gesund im Mutterleib heran. Ein paar Tropfen Blut abgeben und irgendwann ist das Ergebnis da. Ganz so einfach ist das nicht, sagt Professor Jeanne Nicklas-Faust. Die Ärztin leitet die „Lebenshilfe“, ein Unterstützungsangebot für rund 200.000 geistig behinderte Menschen und ihre Familien im ganzen Bundesgebiet.

„Praenatest“ ist fehlerhaft

Nicklas –Faust stellt fest: Der sogenannte Praenatest, der Sicherheit für Schwangere verspricht, ist fehlerhaft. Fast jeder 5. Test führt laut Nicklas-Faust in die Irre. Das Ergebnis könnte sein: Ein gesundes Kind wird abgetrieben.
 

 

Jeanne Nicklas-Faust rät stattdessen zu einem entspannten Start in die Schwangerschaft: „Als erstes Rate ich werdenden Eltern dazu, ganz zuversichtlich zu sein. Denn fast alle Eltern, die auf die Welt kommen, kommen ohne Beeinträchtigungen. Daran hat sich auch in den letzten zwanzig Jahren nichts geändert.“

Das Problem ist: Medizinische Angebote wie der Praenatest schaffen eher Verunsicherung. Nicklas-Faust weiß aus eigener Erfahrung: Absolute Sicherheit in Bezug auf ein nicht behindertes Kind gibt es nicht. Sie selbst weiß, wovon sie spricht. Die Ärztin hat zwei erwachsene Kinder. Eines ist gesund, eines lebt mit einer geistigen Behinderung. Nicklas-Faust nimmt offen Stellung zu der Angst: Mit einem behinderten Kind könnte ein fröhliches unbeschwertes Leben vorbei sein. „Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen die zeigen, dass sich das Lebensglück nicht verändert, ob Sie nun ein Kind mit oder ohne Behinderung haben.“

Kinder sind ein Glücksfall

Jeanne Nicklas-Faust jedenfalls möchte auf die Freude nicht mehr verzichten, die ihre geistig behinderte Tochter in ihr Leben bringt. „Was wir gelernt haben: dass es kein leidvolles Leben ist, sondern dass es ein anderes Leben ist. Wir haben zwei besondere Kinder. Und beide sind ein richtiger Glücksfall.“

 

„Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen die zeigen, dass sich das Lebensglück nicht verändert, ob Sie nun ein Kind mit oder ohne Behinderung haben.“ Jeanne Nicklas-Faust

 


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