International

Begegnungen im Hochsicherheitsgefängnis

TWR Kenia findet in Haft eine begeisterte Gemeinde vor

Der ERF Partner TWR Kenia ist vor allem eine Radiomission, die den Kenianern vom christlichen Glauben erzählt. Im vergangenen Jahr hat sich aber mit der Gefängnisarbeit ein neuer Arbeitszweig aufgetan. Als TWR-Leiterin Bernice Gatere vor Jahren an einem Gefängnis vorbeifuhr, sagte sie zu ihren Kollegen: „Es wäre so schön, wenn wir an diesem Ort evangelistische Events durchführen und von Jesus erzählen könnten.“

S. Kimuyu ©TWR  K.

Im vergangenen November war es dann soweit: Die TWR Kenia-Mitarbeiter durften zum ersten Mal das Manyani-Hochsicherheitsgefängnis im Südosten Kenias besuchen. Teilnehmerin Stella Kimuyu hatte allerdings gemischte Gefühle: Würden sie und die anderen Frauen in einer Haftanstalt für Männer sicher sein? "Man hatte uns erzählt, dass die meisten wegen Vergewaltigung sitzen", sagt Stella. "Daher habe ich mit lüsternen Blicken von allen Seiten gerechnet." Am Gefängniseingang wurde das Team mit einschüchternden Sicherheitschecks begrüßt – das ging ja gut los.

„Das sind meine Brüder“

Doch als das Programm mit einem Gottesdienst losging, verflogen Kimuyus Ängste: „Ich sah, wie zahlreiche Gefangene auf dem harten Boden knieten und intensiv zu Gott beteten,” sagte sie. „In diesem Moment erkannte ich, dass sie Sünder sind, denen vergeben wurde – genau wie mir. Wenn Gott sie annimmt, trotz der Verbrechen, die sie begangen haben, habe ich dann das Recht, sie zu verurteilen? Sie sind meine Brüder!“

Etwa ein Viertel der knapp tausend Gefangenen in Manyani nahmen am Gottesdienst teil, der live im Radio übertragen wurde. Vielen war die Begeisterung für Jesus förmlich abzuspüren. Einige spielten Musikinstrumente, andere tanzten und sangen. Das Team von TWR Kenia war überrascht, eine so gute Band im Gefängnis vorzufinden. Manche Männer hatten im Gefängnis nach einem Leben auf Abwegen zurück zu Jesus gefunden. Doch die meisten Männer waren durch den Gefängnispfarrer und andere Gefängnisinsassen ganz neu zum Glauben gekommen.

„Ich bin auch im Gefängnis frei“

M.M.Movee © TWR Kenia

Einer davon ist Mwacharo Mzee Movee. Vor fünf Jahren wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, da der damals 27-Jährige eine intime Beziehung mit einer Minderjährigen führte. In seiner ersten Haftanstalt lernte er Christen kennen, die ihn ermutigten, eine Beziehung mit Jesus zu beginnen. Mwacharo war skeptisch. Doch als sein Fall neu aufgerollt wurde, bat er die anderen Christen um Gebet. Auch er selbst begann, für eine Minderung seiner Strafe zu beten. Mit Erfolg: Das Berufungsgericht verkürzte seine Strafe auf 10 Jahre. Ein göttliches Zeichen für Mwacharo: „Damit hat Gott mir gezeigt, dass er mir vergeben hat und mich aufruft, ihm zu dienen. Und zwar innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern. Ich bin frei!“

Bald entdeckte Mwacharo sein musikalisches Talent und wurde Mitglied im Gefängnis-Chor. So war er ziemlich enttäuscht, als er in das Manyani-Gefängnis verlegt wurde. Dort gab es zwar auch einen Chor, doch er war nicht mit seinem vorigen vergleichbar. Aber Mwacharo brachte sich auch in der neuen Haftanstalt musikalisch ein. Heute ist er Chorleiter, Prediger und eine große Ermutigung für alle Mithäftlinge. Der Chor hat inzwischen sogar ein altes Keyboard und ein Soundsystem erhalten.

Ein Studio im Hochsicherheitsgefängnis?

B.Gatere       © TWR Kenia

Zurzeit arbeiten die Mitglieder vom Mayani-Gefängnis-Chor an einem eigenen Lobpreisalbum, doch bisher fehlte ein Sponsor. Nun haben sie TWR Kenia gebeten, ihnen bei der Aufnahme zu helfen. Die Häftlinge hoffen, dass ihr  Album an Radiosender verteilt und über Kirchen und christliche Buchläden verkauft werden kann. Damit wollen sie zum einen das Evangelium weitergeben, aber auch der Öffentlichkeit zeigen, dass verurteilte Straftäter ihr Leben verändern können. Mit den Einnahmen hoffen die Musiker zudem ihre Familien zu unterstützen.

Allerdings können die Gefangenen die Haftanstalt für die Produktion nicht verlassen. Die Gefängnisbehörden müssen also die Errichtung eines provisorischen Studios im Hochsicherheitsgefängnis genehmigen.

Gefängnisbesuch statt Mitarbeiterfreizeit

Zuerst will sich TWR-Leiterin Bernice Gatere aber dafür einsetzen, dass die Insassen Radio hören dürfen – und damit auch die TWR-Sendungen. Außerdem will sie die Schlafbedingungen für die Gefangenen etwas verbessern: „Die Häftlinge schlafen auf ganz dünnen Matratzen am Boden. Manchmal müssen sich drei Gefangene eine Matratze teilen. Andere haben nur eine zerrissene Decke. Das Leben in einem kenianischen Gefängnis ist hart.“

Als sofortige Hilfe verteilten die TWR-Mitarbeiter zum Schluss ihres Besuches Toilettenartikel an die Häftlinge. Trotz ihres anfänglichen Misstrauens ziehen Kimuyu und ihre TWR-Kollegen eine positive Bilanz aus dem Besuch. „Einige schlagen sogar vor, dass wir anstelle von Mitarbeiterfreizeiten mehr solche Besuche organisieren,” sagt TWR-Leiterin Gatere. „Und wenn das Lobpreis-Album doch produziert wird, werden die Häftlinge mit ihrer Musik viele Menschen überraschen. Ich glaube, das wäre ein echter Wendepunkt für sie!“

Das Team von TWR Kenia mit Pastoren und Sponsoren

Redaktion: Theresa Folger und Stephanie Neeb


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