International

Radio verleiht Menschenwürde

Eine Radiosendung will Menschen mit Behinderung in der Ukraine Mut machen.

Menschen mit Behinderung  müssen in der Ukraine oft ein menschenunwürdiges Leben führen. Mit den Anfangsworten „Du bist etwas Besonderes“ will die Radiosendung „Du bist Mein“ dagegen angehen. Sie wird von dem ukrainischen Radiopartner des ERF, TWR Ukraine, produziert. Produzentin Natalya Ishchenko trifft in dieser Sendung Menschen mit ganz besonderen Lebensgeschichten, die Hoffnung in das Leben von Betroffenen bringen sollen. Ein Interview.  

ERF Medien: Wie sieht die Situation für Menschen mit Behinderung in Ihrem Land aus?

Natalya Ishchenko: Menschen mit Behinderung haben es in unserem Land nicht leicht. In einigen Gebieten der Ukraine ist es für sie besonders schwer. Dort sind zum Beispiel weder die Geschäfte und öffentlichen Gebäude noch die Gehwege barrierefrei gestaltet. Ich habe mit Menschen gesprochen, die deswegen seit zehn Jahren ihre Wohnung nicht verlassen konnten. Einen Lichtblick gibt es aber: In letzter Zeit gründen sich immer mehr Organisationen, die versuchen diese Situation zu verändern und den Menschen mit Behinderung eine Stimme zu geben.

ERF Medien: Inwiefern werden die Betroffenen vom Staat finanziell unterstützt?  

Natalya Ishchenko: Sie bekommen umgerechnet ungefähr 22 Euro im Monat. Diese Menschen sind auf jede Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen, Nachbarschaftshilfe oder der Kirche angewiesen.

TWR Ukraine befreit Menschen aus der Isolation

Trans World Radio ist ein globales Mediennetzwerk, das seit 60 Jahren christliche Radioprogramme ausstrahlt: Mittlerweile in über 200 Sprachen und 160 Ländern. ERF Medien ist der deutsche Partner von TWR und unterstützt viele Projekte von TWR – so auch die Arbeit von TWR Ukraine.

ERF Medien: Sie produzieren die Radiosendung „Du bist Mein“ für Menschen mit Behinderung. Darin erzählt Ihr Studiogast seine Lebensgeschichte und was er mit Gott erlebt hat. Welche der Geschichten hat Sie dabei besonders berührt?

Natalya Ishchenko: Andreis Geschichte fand ich sehr bewegend. Als Kind nahm sein Vater ihn oft ins Gefängnis mit, weil er dort eine leitende Position innehatte. Später geriet Andrei auf die schiefe Bahn und wurde genau in dem Gefängnis inhaftiert, das er als Kind kennengelernt hatte. Dann wurde er vorzeitig entlassen, weil er auf einmal nicht mehr laufen konnte. Wegen dieser Lähmung kam er anschließend fünf Jahre lang nicht aus seiner Wohnung heraus. Ein befreundeter Arzt und Christ half ihm in dieser Situation und Andrei entschied sich für ein Leben mit Jesus Christus. Er heiratete eine gesunde Frau und die beiden bekamen eine kleine Tochter. Gemeinsam mit seiner Frau hat er Freizeiten für Ehepaare mit Behinderung organisiert. Vor einigen Wochen ist Andrei leider im Alter von 37 Jahren gestorben.

ERF Medien: „Du bist Mein“ wird sowohl von gesunden Menschen als auch von Menschen mit Behinderung gehört. Wie reagieren die Hörer auf so eine Geschichte?

Natalya Ishchenko: Gesunde wie Hörer mit Behinderung schreiben mir, dass sie durch die Lebensgeschichten dankbarer werden. Denn dadurch verändert sich ihre Perspektive auf ihr eigenes Leben und ihre persönliche Situation.

ERF Medien: Können Sie den Hörern auch praktische Hilfe anbieten?

Natalya Ishchenko: Ja, in unseren Sendungen informieren wir über Kontaktmöglichkeiten, wie zum Beispiel Freizeiten für Menschen mit Behinderung. Außerdem bieten wir die Möglichkeit, Adressen untereinander auszutauschen, um so einen persönlichen Kontakt zwischen Betroffenen herzustellen. Finanzielle Hilfe können wir leider nicht leisten. Aber wir geben ihnen Hoffnung und das verändert ihre Situation auf Dauer gewaltig.

ERF Medien: Was bedeutet Ihnen die Sendung persönlich?

Natalya Ishchenko: Für mich ist es ein Privileg, die verschiedenen Menschen meiner Radiosendung kennen zu lernen. Außerdem empfinde ich es als sehr besonders, als gesunder Mensch meinen Mitmenschen mit Behinderung zu helfen und ihnen zu dienen. „Du bist Mein“ liegt mir sehr am Herzen und ich könnte ohne diese Sendung nicht leben.

ERF Medien: Vielen Dank für das Interview.


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