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Gottesdienst hinter verschlossenen Türen

Christen in muslimisch geprägten Ländern sind starker Verfolgung ausgesetzt. Dies macht vor allem jungen Christen sehr zu schaffen. Ein Interview.

Für viele Christen in Deutschland gehört der Gottesdienstbesuch am Sonntag einfach dazu und stellt manchmal vielleicht sogar eine Art unliebsame Pflicht dar. In muslimisch geprägten Ländern, wie etwa im Iran, ist es oft nicht so selbstverständlich für Christen einen Gottesdienst zu besuchen. Viele Christen treffen sich dort nicht öffentlich in großen Kirchen, sondern stattdessen in kleinen Hausgemeinden. Doch diese wachsen enorm. Im März hat Ray Alary, der Präsident von TWR Canada, Tony, den Leiter der persischen Abteilung von TWR interviewt. Dabei haben sie über seine Arbeit unter persisch sprechenden Christen im Mittleren Osten gesprochen.

TWR Canada: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Leiter von Hausgemeinden aus?

Mehr über Tony und seine Arbeit:
Seit 34 Jahren sind Tony und seine Frau als Missionarsehepaar tätig. Sie sind damit die Missionare, die schon am längsten für TWR Canada arbeiten. Tony wurde in eine muslimische Familie hineingeboren. Als seine Mutter bei seiner Geburt starb und Tony sehr krank wurde, brachte sein Vater ihn in ein christliches Krankenhaus. Von dort aus kam er später in ein christliches Waisenhaus, wo Tony aufwuchs . Obwohl Tony unter Christen aufgewachsen war, kam er selbst erst zum Glauben, nachdem sein bester Freund im Krieg getötet wurde. Wegen seines Glaubens hat er bereits im Gefängnis gesessen und kann selbst nicht in sein Heimatland zurückkehren. Trotzdem dient er Christen in seinem Heimatland Iran, indem er Radioprogramme für die Region und die dort ansässigen Hausgemeinden unterstützt.

Tony: Normalerweise läuft es so ab: Wenn TWR Canada eine neue Hausgemeinde gründet, wählen wir eine Person als Leiter aus, die im Glauben besonders reif ist und ein gutes Hintergrundwissen über die Bibel mitbringt. Wir bitten sie, eine kleine Gruppe in ihrer eigenen Stadt zu leiten oder bringen sie in Kontakt mit einer Gruppe, die einen Leiter benötigt. Da uns die Hausgemeinden vertrauen, vertrauen sie auch dem neuen Leiter. Das ist wichtig für die Arbeit.

Nach einem oder zwei Jahren bitten wir die Hausgemeinde um ein Feedback zur neuen Leitung. Wir fragen zu diesem Zeitpunkt auch an, ob es neue Leute in ihrer Gemeinschaft gibt, die auch als Leiter geeignet wären. Danach entscheidet die Hausgemeinde darüber, ob der bisherige Leiter bei ihnen bleibt.

TWR Canada: Wie unterstützen Sie diese Leiter in ihrem Wachstum? Wie ist geistliches Wachstum generell in diesen Ländern möglich?

Tony: Die einzige Art und Weise, wie Christen − und damit auch die Leiter der Hausgemeinden – geistlich wachsen können, ist durch Medien. Sie müssen in ein Internetcafé gehen, um dort die entsprechenden Dateien herunterzuladen. Das macht es für sie riskant, denn das Internet wird überwacht. Die beste Möglichkeit, Christen zu schulen, ist sie aus dem Land herauszuholen und in einem anderen Land zu schulen. Gott allein weiß, wie viele Kleingruppen oder Hausgemeinden sich gegründet haben, aber wir geben unser Material an sehr viele Gruppen weiter und unterstützen diese Gruppen auch geistlich, zum Beispiel durch konkrete Beratung.

Viele junge Christen geben durch Verfolgung den Glauben wieder auf

Persisch, beziehungsweise korrekt Farsi, ist in Zentral- und Südwestasien sehr verbreitet. Für 60 bis 70 Millionen Menschen ist Farsi Muttersprache, weitere 50 Millionen Menschen sprechen Farsi als Zweitsprache. Zudem gibt es einige Sprachen, die als Varietät des Persischen gelten, wie Dari, Tat und Tadschikisch. Christliche Inhalte in Farsi finden Sie hier. Auch bei BibleServer bieten wir seit neustem eine Bibelübersetzung in Farsi an.

TWR Canada: Wir berichten immer wieder von Menschen, die trotz einer Gefängnisstrafe mutig ihren Glauben bezeugen, aber das passiert eher selten. Was ist wahrscheinlicher, wenn junge Christen in diesen Ländern Verfolgung erleben?

Tony: Der Grund dafür ist, dass einige Christen ihrem Glauben nicht abschwören, selbst wenn sie mit einer Gefängnisstrafe konfrontiert werden.  Sie haben schlicht und einfach ein umfangreicheres Bibelverständnis als andere Christen. Die Christen, die noch schwach im Glauben sind, fürchten oft, dass sie nicht stark genug sind, um ihren Job, ihre Familie oder ihre Freiheit aufzugeben. Deshalb verleugnen sie ihren Glauben und verlassen die Gemeinden. Das ist viel häufiger, als dass Christen für ihren Glauben ins Gefängnis gehen. Und das passiert nur, weil eine gute geistliche Lehre fehlt.

Die größte Herausforderung für junge Christen ist nämlich, den Islam wirklich zu verleugnen und zu glauben, dass Jesus Christus der einzige Weg zur Rettung ist. Damit sie dazu bereit werden, ist eine gute geistliche Lehre über mehrere Jahre hinweg essentiell. Wenn Christen Verfolgung erleben und noch nicht sehr lange gläubig sind, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Glauben verleugnen. Das ist ein Grund dafür, dass wir normalerweise neue Gläubige nicht direkt taufen. Denn wir wissen, dass sie noch nicht stark genug sind, um mit der Verfolgung umzugehen, die auf ein so öffentliches Zeugnis des eigenen Glaubens unwiederbringlich folgt.

TWR Canada: Schafft es die Regierung also mit ihrer Strategie der Verfolgung von Christen, Menschen von Jesus fernzuhalten?

Tony: Ja, die Verfolgung der Christen hat leider Erfolg. Sie hat dafür gesorgt, dass das Wachstum des christlichen Glaubens in der Region gestoppt wurde. Obwohl die reifen Christen nicht wanken.  Neue und schwache Christen wenden sich wieder vom Glauben ab. Wenn das Fundament ihres Glaubens sie nicht trägt, sorgt die Verfolgung dafür, dass sie zum Islam zurückkehren. Wir kennen viele Menschen, die sich wieder vom Glauben abgewandt haben. Doch die Christen, die stark im Glauben sind, werden wiederholt gefangengenommen und bleiben trotzdem standhaft. Damit ermutigen sie die Christen, die schwächer im Glauben sind.

Man darf nicht vergessen: Diese Menschen wurden in den Islam hineingeboren. Es ist eine Ideologie, die sie blind übernommen haben. Von Kindesbeinen an sind sie überzeugt, dass der Islam die finale Antwort auf die Frage nach Gott ist. Wenn sie also vom christlichen Glauben hören, müssen sie ihr Denken darüber, was richtig und was falsch ist, komplett ändern. Das braucht Zeit.

Ermutigung als Jobbeschreibung

Was tut ERF Medien in der Region?
Auch ERF Medien unterstützt Sendungen, die in muslimischen Ländern ausgestrahlt werden. So hat ERF Medien im letzten Jahr die Produktion der Radiosendung „Hope for Syria“ (Hoffnung für Syrien) finanziell unterstützt. Des Weiteren trägt ERF Medien einen Teil der Sendekosten, die für die Ausstrahlung von christlichen Sendungen über den PANI-Sender benötigt werden,  damit die Länder Afghanistan, Pakistan und Nordindien mit dem Evangelium erreicht werden können. Spenden Sie hier für die Unterstützung verfolgter Christen.

TWR Canada: Wie können wir für Ihre persönliche Arbeit beten?

Tony: Ich bin emotional sehr angespannt. Die meisten der Christen, die im Gefängnis sind oder einer Verhaftung entgegensehen, sind wie Kinder für mich. Ich fühle mit ihnen in Leid, Erschöpfung und in ihren inneren Kämpfen. Ich hatte nicht geglaubt, dass auch das Teil meines Dienstes sein würde. Ich muss beständig andere Christen ermutigen: durch eine konkrete Bibelstelle, ein Wort oder einen Brief. Das muss ich immer wieder tun, in jeder Versuchung, der sie begegnen. Und das ist nicht immer leicht.

Deshalb betet dafür, dass Gott mir Weisheit gibt, besonders auch wenn ich neue Gemeindeleiter aussuche. Wir haben es schon erlebt, dass gebildete und gut geeignete Leute auf uns zukamen, bei denen wir erst später herausfanden, dass es sich bei ihnen um Spione der Regierung handelt. Das kann man nicht immer leicht herausfinden.

Wir danken TWR Canada herzlich, dass wir dieses Interview übersetzen und weiterverbreiten durften. Hier können Sie das Interview in Englisch nachlesen.


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