Bekenntnis

Wie umgehen mit dem Populismus?

Bischöfe aus Schweden und Deutschland suchen nach Antworten

„Nationalismus ist eine Form von Sünde!“ Heinrich Bedford-Strohm nimmt kein Blatt vor den Mund vor rund 350 Besuchern in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt. Zusammen mit seiner schwedischen Amtskollegin, Antje Jackelén, dikutiert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland die Frage: Wie können Christen einem steigenden Populismus und Nationalismus in Europa begegnen? Die Antwort von Bedford-Strohm: Indem sie ihn entlarven. Parteien wie die AfD treten zwar mit gern gehörten Parolen auf. Sie bieten aber keine realistischen Antworten auf Probleme. Bedford-Strohm fordert: „Wer politische Verantwortung trägt, muss schauen: Wo sind echte Probleme? Und wie kann man sie lösen?“

Der EKD-Ratsvorsitzende plädiert dafür: Christen müssen das Gespräch suchen mit Menschen, die sich zu populistisch auftretenden Parteien hingezogen fühlen. Viele von ihnen seien nicht radikal. Es gelte, ihre Probleme ernst zu nehmen und gleichzeitig zu zeigen: Nicht immer sind die einfachen Antworten auch die richtigen.

Lügen haben plötzlich „lange Beine“

Bedford-Strohms Kollegin, die evangelische Erzbischöfin von Schweden fasst das Problem noch weiter. Fake News werden immer gesellschaftsfähiger. Das erfüllt, Antje Jackelén mit Sorge. „Dass Lügen plötzlich lange Beine haben und dass ertappte Lügner mit Schamlosigkeit stolzieren, ist ein Angriff auf das gesamte menschliche Beziehungsgeflecht.“

Jakelén will dem mit einer neuen Kultur der Wahrheit entgegentreten. Und das müsse auch dort geschehen, wo die Suche nach Wahrheit zum Kerngeschäft gehöre: in der Theologie und der Naturwissenschaft. Beide bereiche dürften sich nicht länger als Gegner verstehen , sondern müssten gemeinsam für das Wohl der Gesellschaft und gegen eine Fake News-Mentalität arbeiten.

Glaube darf sich nicht zurückziehen

Der Glauben darf angesichts populistischer Tendenzen nicht in den Bereich des Privaten abgeschoben werden. Das zeigt nach Überzeugung des deutschen EKD-Ratsvorsitzenden und bayerischen Landesbischofs auch die aktuelle Diskussion um das Kreuz in bayerischen Amtsstuben. Bedford Strohm hatte sich anfangs noch zurückhaltend-kritisch zu mehr Kreuzessymbolen im öffentlichen Raum geäußert. Jetzt will er eine Diskussion darüber: Was verbinden wir eigentlich mit dem Mann, der an diesem Kreuz gestorben ist? Bedford–Strohm ist überzeugt: Jesus Christus hat einen Weg vorgelebt, der sich nicht vereinbaren lässt mit Populismus und Nationalismus. „Dieser Weg ist der Weg der radikalen Liebe. Dafür steht Jesus Christus, dieser Mann am Kreuz.“


Kommentare

Von Jörg S. am .

Und was Populismus ist, bestimmt Herr Bedford-Strohm. Oder sein Parteibuch? Ich bin mir sicher, Jesus würde heute als homophober, populistischer Spalter von Herrn Bedford-Strohm mit gleicher Entrüstung abgeurteilt werden.


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