Bremen

„Wer Kinder hat, ist selbst schuld!“

Ausstellung „Mittenmang“ räumt auf mit Vorurteilen über Alleinerziehende.

„Eigentlich jedes Gespräch ist mir nahe gegangen!“, sagt Ingeborg Danielzick. Sie hat ein offenes Ohr für Frauen in Not. In besonderer Weise. Die Leiterin des Bremer ‚Kirchlichen Diensts in der Arbeitswelt‘ hat alleinerziehende Mütter aufgerufen: „Erzählt mir von eurer Situation.“ Was sie zu hören bekommen hat, ging ihr unter die Haut. „Ich hätte heulen können“, sagt Danielzick über das erste Interview, das sie geführt hat. Da ist Ines, die keinen Schulabschluss hat, weil sie Prüfungsangst hatte. Niemand hat ihr geholfen. Der soziale Abstieg ist vorprogrammiert. Schließlich kommen Kinder. Der Vater macht sich aus dem Staub. Heute ist Inge stolz, dass sie es bis zur Pflegehelferin geschafft hat.

Gegen das Klischee: „Selbst schuld!“

Diese und weitere Lebensgeschichten alleinerziehender Frauen erzählt die Ausstellung mit dem Titel „mittenmang“- übersetzt: „mittendrin“. Frauen, die sich aus der Anonymität heraustrauen, schildern ihre Situation und haben sich fotografieren lassen.

Ingeborg Danielzick betont: „Wir wollen diese Frauen stärken. Wir haben finanziell bewusst viel investiert, damit diese Fotos schön sind.“ Auf diese Weise will Ingeborg Danielzick die Sicht auf Frauen verändern, die alleine Verantwortung für ihr Kind tragen müssen. „Viele in unserer Gesellschaft sagen: ‚Wer Kinder hat, ist selber schuld.‘“

Dabei sollten eigentlich nicht die Kinder das Problem sein. Aus dem Staub haben sich schließlich oft die Väter gemacht. Ein Drittel der Mütter sieht die einen Cent Unterhalt. Danielzick ist überzeugt: „Das spricht für sich.“

Kinder – eine gesellschaftliche Aufgabe und unsere Zukunft

Eine schnelle, einfache Lösung gibt es nicht. Doch die Ausstellung „mittenmang“ wirbt für ein Umdenken in der Gesellschaft. Kinder sollten nicht zur reinen Privatsache deklariert werden. Denn das lässt die Frauen alleine dastehen, so Ingeborg Danielzick vom ‚Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt‘. Deutschland müsse wieder begreifen, welchen Reichtum Kinder bedeuten. „Denn sie sind unsere Zukunft.“


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