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Mit dem Smartphone auf dem Gottesacker

Die aktuelle Friedhofs-App gibt Infos.

André Eißer ist eigentlich nie ein großer Friedhofsgänger gewesen. Doch das hat sich geändert mit einem ungewöhnlichen Auftrag, den er erhalten hat. Der Internet-Designer hat die aktuelle Friedhofs-App konzipiert: „Man steht so auf einem Friedhof und denkt: Wer liegt denn hier? Oftmals sind es ja bekannte Personen. Ich kann die App aufrufen und sie sagt mir, welche Maler, welche Künstler, welche Dichter, welche Architekten und Mediziner dort auf dem Friedhof liegen.“ Per Karte wird man dann zum entsprechenden Grab geführt und erhält Audio-Informationen.

„Es gibt nichts Lebendigeres als einen Friedhof“

Gesprochen hat sie der Film- und Theater-Schauspieler Hans-Jürgen Schatz, von dem die Initiative für die App kam: „Es gibt den Satz von Theodor Fontane: Es gibt nichts Lebendigeres als einen Friedhof, wenn man es versteht, ihn zu lesen. Was wir nun im wahrsten Sinne des Wortes gemacht haben. Wir haben die Texte über die Menschen gelesen.“

Zur Zeit finden sich auf der App Informationen über 48 historische Friedhöfe und die Menschen, die dort bestattet wurden. Große Politiker, Wissenschaftler und Künstler werden auf diese Weise geehrt. Aber auch die eher Stillen im Land erfahren eine Würdigung, so Schatz: „Das sind viele Leute dabei, die nur ‚Gutes‘ getan haben, zum Beisüpiel eine Dame, die im 19. Jahrhundert einen Frauenverein und ein Kidnerheim gegründet hat.“

Ein Ort der Geschichte

Gefördert hat die Friedhofs-App die Bundesregierung. Zuständig dafür ist der Hamburger Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse. Er hofft: Gerade jüngere online-affine Menschen können den Friedhof auf diese Weise als einen lehrreichen Ort entdecken. „Deutsche Geschichte erfahren Sie auch daran, dass es Jahrgänge gibt, wo die Menschen sehr jung gestorben sind, weil sie in einem der beiden wahnsinnigen Kriege gefallen sind. Und das sagt auch jemandem, der heute 24 ist, dass das lLeben ganz unterschiedlich verlaufen kann.“

Auch für Andreé Eißer, den Entwickler der Friedhofs-App, sind Besuche an Grabstätten inzwischen zu einem echten Erlebnis geworden. Und er denkt gelassener als früher über seine eigene Endlichkeit nach: „Man geht ein Stück bewusster mit dem Leben um. Dass man denkt: Es gibt wichtige Dinge im Leben und unwichtige. Wenn man die Lebensgeschichten der Leute auf der App hört, dann kann man durchaus für sich selber etwas mitnehmen.“


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