500 Jahre Reformation

Luthers Leistung und die Politik

Gottesdienst zum Abschluss des Reformationsjubiläums in Wittenberg

Luther-Socken, Luther-Bier und – man mag es sich gar nicht bildlich ausmalen – sogar Luther-Wurst: Alles das gibt es zu erwerben zum Jubiläum 500 Jahre Reformation in Wittenberg. Da war es wohl notwendig, dass die evangelische Bischöfin von Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, zum Abschluss und Höhepunkt des Reformationsjubiläums die Möglichkeit ergriff, vor einem großen TV-Publikum auf die eigentliche Leistung Martin Luthers vor fünf Jahrhunderten einzugehen:

Luther hat die Bibel in die Mitte gerückt

 

„Martin Luther hat die Heilige Schrift neu ins Zentrum gerückt. Er hat sie in unsere Sprache gesetzt. Die Bibel ist uns nah. Sie gibt uns Trost, sie öffnet Türen der Liebe Gottes zu uns.“

Junkermann sprach auf dem zentralen Festgottesdienst in der Schlosskirche zu Wittenberg anlässlich des 500. Reformationstags. Gekommen waren Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und zahlreiche andere Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft. Auch mit dabei: Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer. Er musste sich anhören, was die Botschaft Luthers nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, heute bedeutet:

 

Bedford-Strohm: „Innere Freiheit statt Obergrenzen“

 

„Weder Obergrenzen für die Unterstützung für Menschen in Not helfen diesem Land, noch moralische Durchhalteparolen. Was dieses Land braucht, ist eine neue innere Freiheit. Was dieses Land braucht, ist eine Kraft, die die Angst überwindet und die Liebe stärkt. Was dieses Land braucht, ist der Geist, der der Schwachheit aufhilft.“

 

Diesen Geist Gottes habe Luther vor 500 Jahren neu wiederentdeckt. Heinrich Bedford Strohm predigte über die aktuelle politische Situation, die Bemühung um Einheit von Christen und der damit notwendigen Vergebung. Er sprach über Solidarität mit Armen und die Tendenz, dass im Internet immer mehr Hass und Hohn regierten. Irgendwie entstand der Eindruck: Der EKD-Ratsvorsitzende wollte wirklich jedes Thema, dass sich mit der Reformation in Verbindung bringen ließ, irgendwie in seiner Ansprache unterbringen. Das konnte selbst eingefleischte Gottesdienstbesucher überfordern. Ob die zentralen Anliegen Martin Luthers beim kirchlich distanzierten Fernsehzuschauer, der zufällig reinzappte, ankamen, bleibt zweifelhaft. Überhaupt schien sich Bedford-Strohm in der Wittenberger Schlosskirche eher ans Kirchenvolk zu richten. Wenn auch mit einer wichtigen Botschaft:

„Ich bitte Gott an diesem Tag, dass er uns schenken möge, was für die Zukunft der Kirche das Wichtigste ist: Dass wir Christen die Liebe selbst ausstrahlen, von der wir sprechen.“


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