Horst Brauner setzt sich für jüdisch-christlichen Dialog ein Lesezeit: ~ 2 min

Die Geschichte zweier „Stolpersteine“

Horst Brauner setzt sich für jüdisch-christlichen Dialog ein

Horst Brauner ist heute 80 Jahre alt. Er ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Bereits als kleines Kind bekommt Brauner eine Ahnung davon: Ungeheures Unrecht muss um ihn herum geschehen. Als seine Eltern ihm sagen: „Puttilos sind tot.“

Brauner erinnert sich: „Puttilos waren unsere Nachbarn im zweiten Stock. Durch meine Nachfragen als Kind kam heraus: Sie hatten sich, als Juden verfolgt, das Leben genommen.“

Später, nach dem Krieg erfährt Horst Brauner von seinem Vater, wie dieser Juden und Zwangsarbeiter im Berliner Siemenswerk mit Lebensmitteln versorgt hat. „Ein Kollege hat ihn verpfiffen, sodass er wahrscheinlich bald ins KZ gekommen wäre, wenn er nicht Abbitte getan hätte beim Vorstand der Siemens AG.“

 

Mutter und Tante sterben im KZ

 

Eindrücke, die Horst Brauner seitdem mich mehr losgelassen haben. Vor 2 ½ Jahren begegnet er dann auf einer Kreuzfahrt George Shefi. Die beiden kommen ins Gespräch, entdecken ihre gemeinsamen Berliner Wurzeln. Der Jude George Shefi hat nur überlebt, weil seine Eltern für ihn einen Rettungstransport nach Großbritannien organisiert hatten. „George ist von seiner Mutter am Bahnhof Friedrichstraße verabschiedet worden mit den Worten: ‚Wir sehen uns wieder!‘ Er hatte den Eindruck, auf einer Landverschickung zu sein und nicht auf einer Verschickung in ein fernes Land.“

George Shefi hat seine Mutter nie wiedergesehen. Als er nach dem zweiten Weltkrieg Nachforschungen anstellt, erfährt er, das seine Mutter Marie Spiegelglas und seine Tante Margit Benedik im Konzentrationslager Auschwitz umgebracht worden waren.

 

„Diese Zeit darf nie wieder geschehen!“

 

Für beide hat Horst Brauner jetzt sogenannte „Stolpersteine“ mit ihrem Namen anfertigen lassen. Vor der Schöneberger Hauptstraße 5 sind sie in den Fußweg eingelassen. Horst Brauner erhoff sich eine Signalwirkung: „Wir müssen eine Zeit im Gedächtnis behalten, die so nie wieder geschehen darf!

Horst Brauner selbst ist Christ. Sein Engagement für Juden reicht viel weiter zurück. Seit 1992 engagiert sich der Musikverleger und Kirchenmusiker einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeine im Shalom-Chor – einem jüdisch-christlichen Projekt.

Die „Stolpersteine“ in der Hauptstraße 5 in Berlin-Schöneberg sind so etwas wie eine Fortsetzung davon.


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