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Differenzieren ist nicht Diskriminieren

Kirchliche und andere Reaktionen auf den Bundestagsbeschluss zur Ehe für alle.

Mit einer deutlichen Mehrheit hat der Bundestag am Freitag die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Sie können künftig genauso heiraten wie Mann und Frau. Die Reaktionen dazu fallen kontrovers aus.

Evangelische Bischöfe mehrheitlich positiv

 

Die Mehrzahl der Evangelischen Landesbischöfe (Stand: Mo, 03.07., 12 Uhr) hat sich positiv geäußert. Stimmen dazu hat die evangelische Nachrichtenagentur idea gesammelt. So sagt der hessen-naussauische Kirchenpräsident Volker Jung, dass mit dem Bundestagsbeschluss "eine lange Geschichte der Diskriminierung zu Ende gehe". Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister meint, dass „Menschen nicht nur in der Ehe zwischen Mann und Frau, sondern auch in anderen Beziehungsformen in Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung miteinander“ lebten. Ähnliche Stimmen hat idea in der Nordkirche gesammelt, in Baden, in Braunschweig und in Bremen.

Bischof Abromeit hält Beschluss nicht für richtig

Der Bischof des Sprengels Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hansjürgen Abromeit, sieht in der "Ehe für alle" die Gefahr der Instrumentalisierung, etwa "um Diskriminierungen abzubauen". Wörtlich zitiertt ihn idea so: „Die Ehe ist in der Bibel und auch in den lutherischen Bekenntnisschriften der Bund zwischen Mann und Frau mit der Perspektive, Leben weiterzugeben. Dies kann nicht beliebig interpretiert werden.“

Erzbischof Koch sieht wesentliche Inhalte des Ehebegriffs gefährdet

Der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, kritisiert, dass der Gesetzgeber mit dem Beschluss wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben habe, um ihn "für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen". Damit sei es auch nicht mehr möglich, unterschiedliche Partnerschaftsformen differenziert zu betrachten. Er lege Wert darauf, dass Differenzierung für ihn keine Diskriminierung sei. Die katholische Kirche wolle laut Koch das katholische Eheverständnis "überzeugend verdeutlichen und in der Öffentlichkeit einladend vertreten". Koch betont weiter, dass es ein Missverständnis sei, die "hervorgehobene Rechtsstellung der Ehe von Mann und Frau und ihren bleibenden besonderen Schutz" als "Diskriminierung homosexuell veranlagter Männer und Frauen zu verstehen". Koch wörtlich: "Als Kirche haben wir Respekt für jene gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, in denen über viele Jahre hinweg gegenseitige Verantwortung und Fürsorge übernommen wird.“

Dechert sieht Zeit des Nachdenkens gekommen

Der Vorstandsvorsitzender von ERF Medien, Jörg Dechert, sieht in seinem Blog Pixelpastor eine Zeit des Nachdenkens gekommen und fragt: "Wie können Christen neu und glaubwürdig vorleben, wie Gott sich Ehe ursprünglich gedacht hat, wenn es sowohl an der erodierenden Ehepraxis als auch an der Gesetzgebung zunehmend weniger ablesbar ist?"

Kern ruft zu Besonnenheit auf

Pfarrer Steffen Kern aus Württemberg und Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Apis ruft in seinem Videoblog Kernsätze dazu auf, in den kommenden Wochen im Blick auf den Wahlkampf eine Debatte ohne Hass zu führen und kritisiert, dass das Gesetz zur Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im "Eiltempo durch den Bundestag gejagt" wurde. "Hektik begünstigt Hetze", kommentiert Kern.

Webportal für Homsexuelle "Queer" kündigt an, "weiter zu nerven"

Unter der Überschrift "Die Homo-Lobby wird euch weiter nerven" kündigt das schwul-lesbische Magazin Queer an, die Debatte weiterzuführen. "Wer glaubt oder hofft, dass die Homo-Lobby nun am Ziel ist und verstummt, der irrt gewaltig. Die Ehe für alle wird die LGBTI-Bewegung vielmehr beflügeln, ihre Forderungen gegenüber dem Deutschen Bundestag noch selbstbewusster zu vertreten – vor allem diejenigen Forderungen, die von der Ehe für alle bislang in den Hintergrund gedrängt wurden," heißt es dort in einem Kommentar. Zum einen ginge es um die "die dringend notwendige Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175". Zur Ehe für alle heißt es aber auch weiter: "Die Abschaffung des diskriminierenden Schutzalters müssen wir weiter vom Bundestag einfordern. Ebenso rechtliche Absicherungen für Menschen, die sich für Lebensgemeinschaften jenseits der Zweierkiste entscheiden und dies wünschen."

Quellen: idea, epd, Queer, Pressemitteilung Erzbistum Berlin