Bericht

Verantwortung für alle

Merkel und Obama diskutieren auf dem Kirchentag.

„Natürlich haben Flüchtlinge allen Anspruch auf Schutz, aber wir haben auch begrenzte Ressourcen.“ Das sagt nicht irgendwer, das sagt Ex-US-Präsident Barack Obama auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin vor dem Brandenburger Tor am Himmelfahrtstag. 70.000 sind gekommen, nicht ganz so viele, wie erwartet, aber sie jubeln dem charismatischen Staatsmann zu. Selbst bei diesem Satz. Obama diskutiert mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Kritiker meinen der Besuch Obamas sei Wahlkampfhilfe für die Kanzlerin. Doch Merkel erntet längst nicht nur Applaus. Es gibt auch Buhrufe, als sie sich dafür ausspricht, dass Menschen ohne Bleiberecht schneller abgeschoben werden müssen.

Tragische Spannung für die politisch Verantwortlichen

Obama benennt die tragische Spannung im weltpolitischen Handeln, wenn er erklärt: in den Augen Gottes verdiene ein Kind auf der „anderen Seite der Grenze“ genauso viel Barmherzigkeit wie ein Kind auf „unserer Seite“ der Grenze. „Aber wir sind eben auch die Staatschefs von Ländern, und wir haben eine Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern innerhalb unserer Grenzen.“ Gemeinsam sprechen sich Merkel und Obama für mehr Demokratie aus und dass sich die Umstände für die Menschen in den Herkunftsländern verändern müssen.

 

„AfD vertritt kein christliches Menschenbild“

Über Demokratie streitet zur gleichen Zeit der Berliner Bischof Markus Dröge mit der AfD. Und zwar in der Sophienkirche in Mitte, dort wo 1964 der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King eine Predigt hielt.  Dröge zeigt Kante, wirft der AfD vor, mit ihrem Programm kein christliches Menschenbild zu vertreten. Dröge vermisst bei der AfD die Menschenwürde.

„Kirchen kümmern sich zu viel um Flüchtlinge“

Anette Schulter, die Sprecherin der Christen in der AfD, hält dagegen. Gleiche Menschenwürde heißt nach ihrer Lesart noch lange nicht „gleiche Rechte“ und spricht von einer „völlig unkontrollierten Massenzuwanderung durch Flüchtlinge“ und dass die Kirchen sich „zu sehr“ um diese kümmern.

Ehrenamtliche sind die wahren Helden

Auf dem Berliner Alexanderplatz lobt derweil Diakonie-Präsident Ulrich Lilie auf dem Roten Sofa der Kirchenpresse die 1,2 Millionen Haupt- und Ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich bei der Diakonie um Kinder, Alte und Kranke kümmern. Und in letzter Zeit eben auch um Flüchtlinge. Lilie wünscht sich für die Hauptamtlichen bessere Gehälter und nennt sie und die Ehrenamtlichen die wahren Helden des Alltags.

Kirchentagsbesucher als Farbtupfer

Und diese Helden des Alltags schieben sich als Kirchentagsbesucher geduldig und entspannt mit ihren orangefarbenen Halstücher als ein weiterer Farbtupfer im Berliner Großstadtdschungel durch S-Bahnen und über öffentliche Plätze. Denn in Berlin ist immer noch ein bisschen mehr los, als „bloß“ der Kirchentag mit seinen 2.500 Podien, Gesprächsforen und Bibelarbeiten. Am Samstag kommen auch noch die Fußballer zum DfB-Pokalendspiel. Aber die kriegt Berlin auch noch unter - spielend.

Andreas Odrich, Quelle: epd


Alle weiteren Informationen zum Kirchentag finden Sie auf unserer Sonderseite Kirchentag bei ERF Medien.


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