Bericht

Christen in der „Alternative für Deutschland“?

Berliner Bischof diskutiert mit AfD-Vertreterin

Die Sophienkirche in Berlin hat Tradition, wenn es um klare Worte geht. Niemand Geringeres als der Bürgerrechtler Martin Luther King hatte zu DDR-Zeiten hier gepredigt. Jetzt war das Gotteshaus in der Nähe der Hackeschen Höfe Schauplatz für eine vielbeachtete Diskussion während des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags. „Christen in der AfD?“ lautete das Thema.

Reaktion auf eine „konservative Repräsentationslücke“

Anette Schultner ist Sprecherin des Arbeitskreises Christen in der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Sie selbst war früher CSU-Mitglied. Doch nach ihren Worten sah sie eine „konservative Repräsentationslücke“. Schultner machte es gleich am Thema Abtreibung fest. Die Evangelische Kirche in Deutschland setze sich nicht konsequent genug für das Lebensrecht Ungeborener ein.

Abtreibungsfrage mit Völkischem verknüpft

Dem pflichtete die AfD-Kritikerin und Juristin Dr. Liane Bednarz bei. Auch sie sei gegen Abtreibung. Jedoch verknüpfe die AfD das Thema mit einem völkischen Gedanken, wenn niedrige Geburtenraten in Deutschland und die Zuwanderung von muslimischen Flüchtlingen mit Überfremdung verknüpft würden.

Berliner Bischof wehrt sich gegen angebliche Falschbehauptung

Gegen einen Vorwurf der AfD-Frau Schultner wandte sich der Bischof der Evangelischen Kirche von Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz. Markus Dröge sagte, er habe nie behauptet, als Christ könne man nicht in der AfD sein. Vielmehr habe er auf der Synode seiner Landeskirche angemerkt, es sei „Christenpflicht, sich kritisch mit den Thesen des Rechtspopulismus auseinanderzusetzen.“ Die AfD-Frau Beatrix von Storch habe daraus später diese Hassbotschaft gemacht. Bischof Dröge stellte klar, es ginge nicht darum, Menschen in der AfD das Christsein abzusprechen. „Es geht um glaubwürdiges Christsein.“

Die Zuhörer in der Berliner Sophienkirche erlebten eine sich durchaus verletzlich zeigende und überzeugend ihren Glauben an Jesus Christus bekennende Sprecherin der Christen in der AfD. So forderte Anette Schultner die Kirchentagsverantwortlichen auf, mehr von der Notwendigkeit zu sprechen, sich zu bekehren. Ob allerdings die rechtspopulistische Partei die einzig mögliche Option für konservative Christen darstellt, das blieb nach der Diskussion doch mehr als zweifelhaft.


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