Aktueller Bericht

Mangelnder Schutz für Kopten in Ägypten

Bischof der koptischen Christen in Deutschland kritisert ägyptische Regierung.

Der Bischof der Koptischen Kirche in Deutschland, Anbar Damian, hat der ägyptischen Polizei und dem ägyptischen Militär nach dem Anschlag auf zwei Kirchen in Ägypten am Palmsonntag in Tanta und Alexandria mit 50 Toten und 100 Verletzten heute Morgen im Deutschlandfunk mangelnden Schutz der koptischen Christen in Ägypten vorgeworfen. Manche Soldaten, die am Eingang der Kirchen stünden, hätten nicht einmal Munition in ihren Waffen. Wenn eine Moschee mit Graffiti besprüht würde, gliche das einem Weltuntergang, aber bei der Ermordung so vieler Kopten kämen nur blasse Kondolenzen, sagte Damian gegenüber dem DLF.

Instabile Situation für Christen in Ägypten

Laut Weltverfolgungsindex der christlichen Hilfsorganisation Open Doors leben die 9,5 Millionen ägyptische Christen, die rund 10% der Gesamtbevölkerung ausmachen, in einer stark polarisierten Gesellschaft, deren Stabilität durch die Kluft zwischen islamistischen und säkular-nationalistischen Ägyptern gefährdet ist. Die Regierung von Präsident al-Sisi scheint laut Open Doors entschieden, militante Islamisten zu bekämpfen, zeige sich aber gleichzeitig nicht willig, bedeutsame Maßnahmen zur Sicherung der Religionsfreiheit und gleicher Bürgerrechte für Christen zu ergreifen. 

Die stellvertretende Vorsitzende der deutsch-ägyptischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Karin Maag, wollte in einem anschließenden Interview mit dem DLF nicht ausschließen, dass die Sicherheitskräfte in Ägypten mit zweierlei Maß messen. Die Situation in Ägypten sei sehr instabil und es sei notwendig, mit dem ägyptischen Präsidenten Al-Sisi intensiv im Gespräch zu bleiben. Dieser sei sich der Situation der koptischen Christen sehr bewusst, so Maag wörtlich in dem Interview.

EKD Ratsvorsitzender: Anschläge machen mich wütend

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte gestern in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe mehr Schutz für religiöse Minderheiten im Nahen Osten. „Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht“, sagte der bayerische Landesbischof. „Religiöse Minderheiten im Nahen Osten brauchen dringend einen besseren staatlichen Schutz“, sagte er.

Die Behörden in Ägypten und anderen Ländern müssten Sicherheit für alle Bürger vor solchen grausamen Verbrechen garantieren. „Die Anschläge machen mich wütend“, sagte der Ratsvorsitzende. „Ich bin im Gebet bei den Opfern dieser fürchterlichen Angriffe.“

Dreimonatiger Ausnahmezustand

Das Innenministerium in Kairo teilte mit, Sicherheitskräfte hätten sieben mutmaßliche IS-Anhänger getötet, die Anschläge gegen koptische Christen geplant haben sollen. Die ägyptische Regierung verhängte einen dreimonatigen Ausnahmezustand. Die Terrormiliz IS beansprucht die Taten für sich.

Christen müssen gleichberechtigte Bürger werden

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) betonte, dass koptische Christen in Ägypten nicht ausgegrenzt werden dürfen. Es brauche ein klares Signal, dass Christen ein fester Bestandteil der ägyptischen Gesellschaft und gleichberechtigte Bürger seien, erklärte Ulrich Delius von der GfbV am Montag in Göttingen.

Terrormiliz IS will Kopten vertreiben

Immer wieder kommt es in Ägypten zu Anschlägen auf koptischen Christen und ihre Einrichtungen, die Terrormiliz IS will sie zurzeit vor allem aus dem Nord-Sinai vertreiben, wie u.a. Zeit-Online berichtet.  

Quellen: epd, DLF, kna, dpa


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